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Der Israelit · 1903-05-18 · Heft 38 (18.5.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 38 (18.5.1903)
Date
1903-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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unsere Wirksamkeit zu werfen. Unsere statutarischen Hauptzwecke sind: 1) dir Volkserziehung unter unseren Glaubensgenossen zu fördern und 2) dort, wo Juden als solche zu leiden haben, ihnen eine wirksame Stütze zu bieten. Die Noth der Zeit, die wiederholten Verfolgungen unserer Glaubensgenossen in verschiedenen Ländern, haben dahin geführt, daß die zrveiie Aufgabe in den Vordergrund getreten ist. Dr. Adolf Jellinek hat kn seiner Gedenkrede auf Josef Ritter von Wertheimer, den Begründer unserer Allianz, mit Bezug auf die Aufgaben des Vereins gesagt: „Die Grenzen seiner ausgedehnten und segensreichen Thäkrgkeit sind nicht etwa eine Gemeinde, eine Stadt, ein Land, ein Reich,- ein Welttheil. sondern er umfaßt mit brüderlichem Sinne ganz Israel in der Zerstreuung. Wo es leidet, duldet, seufzt, schmachtet und verzweifelt, 'wo es im Dunkeln wandelt, fern von dem Lichte europäischer Kultur, wo es der Fürsprache und der Fürsorge, der Vertretung und der Verteidigung bedarf .. . da erscheint er rathsnd, helfend, schützend, mit freigebiger Hand, mit fürsehendem Auge und mit warmer, brüderlicher Teilnahme." ' Im Sinne dieser Schilderung unserer Tendenz entzieht sich eigentlich der wichtigste Theil unserer Thätigkeit einer zahlenmäßigen Berichterstattung. Die ständige Fühlung mit unseren bedrückten Glaubensgenossen, die Sorge für ihr Wohl, die.Schritte zu ihrer Befreiung, die Vertheidigung der Ehre des JudenthUms, das stille Werk der Hebung unserer Selbstachtung und der Abwehr innerer und äußerer Gefahren — das sind Dinge, die sich nicht ziffermäßig kundgeben, Leistungen, bei denen oft weniger die Kosten als die persönliche Mühe und die Hingebung an das Werk in Betracht kommen. Summiren wir jedoch die wichtigsten Ausgabeposten für konkrete Hilfsleistungen in den dreißig Iah-' res-Vudgets. so ergibt sich, wieaus der Tabelle ersichtlich, daß die Israelitische Allianz in Wien in den Jahren 1873—1902 anläßlich verschiedener Hilfsaktionen besonders für verfolgte Glaübensgenossen 2,665,030.80 Kr., an Subventionen zu Unterrichtszwecken 619,179.79 Kr., zusammen für Hilfszwecke 3,284,210.59 Kr. auszugeben in der Lage war. Das ist quantitativ, auf drei Jahrzehnte vertheilt, sehr wenig. Die Zahlen erscheinen aber in anderem Lichte, wenn wir die viel zu wenig gekannte, beschämende Thatsache hervorheben, daß. unser Verein, dem anzugehören jeder österreichische Jude als heiligste Pflicht erachten sollte, im Ganzen ca. 3000 Mitglieder, darunter die allermeisten nur mit dem Jahresbeitrag von je sechs Kronen, besitzt, und daß wir anläßlich jeder Katastrophe und jeder Hilfsaktion die größte Mühe haben, durch Sammlungen die Mittel aufzubringen, um den an uns gestellten Anforderungen zu entsprechen. Wr haben im verflossenen Jahre durch ein Cirkular an die Mitglieder der isr. Kultusgemeinde in Men auf diese Thatsache hingkwiefen. Der dadurch erzielte Zuwachs an Mitgliedern entsprach aber, selbst wenn man die traurige wirthschaftkiche Lage in Betracht zieht, auch nicht im entferntesten den berechtigten Erwartungen. Wir werden jedoch fortfcchren, den Gedanken der „Isr. Allianz" in weitere Kreise zu tragen, und unserem Vereine nicht nur in Men, sondern in ganz Oesterreich, für ftine Wirksamkeit eine breitere, materielle Basis zu schaffen. Hier tritt an die Herren Rabbiner und Kultusvertreter aller jüdischen Gemeinden Oesterreichs, wie an alle warmen Freunde des Judenthums die Aufgabe heran, Hand an das Werk -u legen und der Leitung unseres Vereines fördernd zur Seite zu stehen, neben der lokalen Wohlthätigkeii stets der hohen Ziele der jüdischen Gesammtheit eingedenk zu bleiben. Nur durch Maffenbeitritte zu unserem Verein aus allen jüdischen Gemeinden unserer Monarchie und durch größere Spendenzuwendungen seitens der bessersituirtcn Glaubensgnossen können wir in den Stand gefetzt werden, den hohen Aufgaben unseres Vereins würdig zu entsprechen. Möge das ^ginnende vierte Jahrzehnt unserer Wirksamkeit nach dieser Richtung in erfreulicher Weise Wandel schaffen. Rußland. Wilna. Im „Ssewero Sapadnoje Slowo" wird offiziell bekannt gegeben, daß der General-Gouverneur von Wilna im Einverständniß mit dem Ministerium des Innern den Juden den freien Aufenthalt in den der Stadt Mlna angrenzenden Ortschaften Kaminy, Nowy Swjet, Lipowka, N'owy Gorod. Bellematte und Pospeschka gestatte. Diese Erlaubniß beweist aber nur, wie schwer es unseren Volksgenossen im Riedetkassungsgebiete fällt, sogar ihre beschrankten Wohnrechte vollauf genießen zu können. Denn die genannten Ortschaften gehören der Stadt Wilna an, wo die Juden unbeschränkt wohnen dürfen. Allein die lokalen Behörden legten das Verbot der jüdischen Anstedlung auf dem flachen Lande so aus, daß sie auch aus diesen Ortschaften verwiesen wurden. Und es bedurfte einer Verfügung der höchsten Behörde im Gebiete, um den Juden ihr gutes Recht wiederzugeben. Kischinew. Es steht jetzt außer Zweifel, daß die furchtbaren Judettmaffacres in Kischinew mit Vortvissen -- jedenfalls unter stillschweigender Billigung — des Gouverneurs von Bessarabien. des Herrn von Raabe, welcher bei dieser Gelegenheit den deutschen Namen mit Schmach bedeckt hat, vor sich gegangen sind. Generallieutnant von Raabe, der Polizeimeister von Kischinew, Oberst Chantschenjew, sowie vier weitere höhere Polizeibeamte dürsten daher „wegen Nachlässigkeit im Dienste" abgesetzt werden. Wenn das Kind m's Wasser

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