Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 38 (18.5.1903)
- Date
- 1903-05-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449926--58252-2522617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
$51 Zu Chargirten für das Sommer-Semester 1903 wurden im „V. I. St. Berlin" gewählt: Cand. med. Leo Cohn, stud. jur. Richard Wittkowski und stud. med. Sam. Weiß. Frankfurt a. M., 14. Mai. Wir haben bereits nach den Mittheilunaen der Tagespresse kurz gemeldet, daß die jüngste Tochter des Freiherrn Wilhelm von Rothschild, Frau Minka Goldschmidt, nach längerem Leiden verschieden ist.' Die Heimgegangene, die zu Lebzeiten ihres großen Vaters in öffentlichen Angelegenheiten wenig heroorgetreten war, hat sich nach dessen Hinscheiden durch ihre Wirksamkeit den warmen Dank auch der glaubenstreuen jüdischen Kreise verdient. Vielseitig gebildet und menschenfreundlichen Sinnes, sah sie ein, daß der Hintritt eines Mannes von der Art des Freiherrn Wilhelm v. Rothschild wie eine Katastrophe auf weite Kreise wirken mußte, traten nicht die berufenen Fortirager seines Wirkens, seine Töchter, in die Bresche, um wenigstens einen Theil der gefährdeten wirthschaftlichen und geistigen Interessen vor vernichtender Schädigung zu bewahren. So hat die Heimgegangene denn nicht nur in Gemeinschaft mit ihrer Schwester, Baronin Edmund von Rothschild, einen großen Theil der von ihrem Vater fortlaufend gewährten Miethunterstützungen und Stipendien bereitwilligst übernommen, sondern darüber hinaus auch offenen Ohres all den unzähligen Fällen materieller und geistiger Roth ihre Theilnahme gewidmet, die an sie herantraten. Es war ein Funke der nimmer ermüdenden, pflichtbewußten Wohlthätigkeit des Vaters, der in ihr lebte und der vielleicht, wäre ihr Zeit und Kraft weiter vergönnt geblieben, noch die herrlichsten Früchte gezeitigt hätte. So weckt ihr früher Hintritt auf's neue den tiefen Schmerz um den von ihr selbst so hochverehrten Vater, und in enger Verbindung mit ihm wird Minka Goldschmidt's Andenken im Kreise aller Menschenfreunde ein reichgesegnetes bleiben. Bad Mssirrgen, 14. Mai. Aus Anlaß der landwirthschaftlichen Wanderversammlung zu Schweinfurt besuchte Se. Kgl. Hoheit Prinz Ludwig auch unsere Stadt. Zum offiziellen Empfange an der Bahn am 13. d. Ms. wurde auch unser Rabb. Herr Dr. B a m - berger geladen, bei welcher Gelegenheit Se. Kgl. Hoheit über die Verhältnisse des Rabbinats sich erkundigte. Auch bei dem Abends im Kurhaus-Restaurant veranstalteten Bierabend . war Herr Dr. Bamberger zugegen. Am heutigen Morgen beehrte Se. Kgl. Hoheit mit hohem Gefolge — darunter Se. Excellenz Herr Regierungspräsident v. Kobell — unsere Synagoge mit seinem hohen Besuche. In dem reich de-, korirten Treppenhaus wurde der hohe Gast von Herrn Rabbiner Dr. Bamberger, der Kultusverwaltung und den Gemeindebeamten empfangen und begrüßt. Nachdem der Herr Rabbiner dem hohen Gaste die anderen Herren vorgestellt hatte, ließ sich derselbe in die Synagoge geleiten und die Einrichtungen genau, zeigen und erklären. Hierbei bekundete Prinz Ludwig eine seltene Vertrautheit mit den jüdischen Sitten, erwähnte den siebenarmigen Leuchter des heiligen Tempels und ließ sich über alles Wissenswerthe und insbesondere über die vorgezeigte Thorarolle genauen Auffchluß geben, und folgte den Erklärungen mit sichtbarem Interesse. Mit anerkennenswerthen Worten verließ Prinz Ludwig das herrliche Gotteshaus. Bad Kissingen, 14. Mai. Auf Grund des neuen Fleischbeschau-Gesetzes und der oberpolizeilichen Vorschriften des Monats März hatten Thierärzte mehrerer Gemeinden des hiesigen Rabbinats-Distrikts das Auf-; blasen der Lunge mittels Blasebalgs untersagt. Auf" Veranlassung des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger erging nun vom Kgl. Bezirksamt Neustadt a. S. folgende Verfügung: „Mit Bezug auf das unterm 29. v. Mts. an den Kgl. Bezirksthierarzt Dachnie gerichtete Schreiben theile ich erg. mit, daß zufolge hoh. Reg.-Entschl. v. 6. l. Mts. Nr. 10645 gegen das Aufblasen der Lungen mittels reinlicher Instrumente zum Zwecke der Untersuchung aus rituellen Gründen, keine Erinnerung besteht, soferne damit keine Veränderungen des Fleisches verbunden sind; sollten solche eintreten, was nur in den seltensten Fällen geschehen wird, so wären derartige Lungen vom Genüsse auszuschließen. Die betheiligten Fleischbeschauer des Distrikts sind verständigt. Straubing, 15. Mai. Heute morgen um Uhr wurde der 6'ljährige Sattlermeister Karl Bradl und sein 22jähriger Sohn Max Vradl mit dem Fallbeil' hingerichtet. Beide hatten in ihrer Werkstatt, Vormittags, den 22jährigen israelitischen Geschäftsreisenden David Bermann von Gunzenhausen, der zum Einkassiren von Geld für gelieferte Waare gekommen war, durch Schläge auf den Hinterkopf ermordet, beraubt, und die Leiche unter dem Sofa versteckt. Sie waren dann zum Mittagessen an den Familientisch gegangen, . wo sie von der Unthat sprachen, schafften abends die Leiche auf's Land hinaus und warfen sie in's Wasser. (Wir hatten seinerzeit über die Mordihat ausführlich berichtet. Red. d. „Jsr.") O e st e r r ei ch.' .. Wien. Dem dreißigsten Jahresberichte der „Ist.:; Allianz" zu Wien entnehmen wir: V . Da wir mit dem verflossenen Jahre/das' dritte' Jahrzehnt des Bestehens der „Israelitischest ÄllMz"'- vollendet haben, so dürfte, es angemessen erscheinen^, von- - di'esem Markstein aus einen allgemeinen Rückblick auf