Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 38 (18.5.1903)
- Date
- 1903-05-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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gefallen ist, hntb der Brunnen zugeschüttek. Me leicht es der Polizei gewesen Ware, die Krawalle, welche ungenirt und in aller Oeffentlichkeit vorbereitet wurden, im Keime zu ersticken, beweist der Umstand, daß am 21. April, am dritten Ostertage, als die Polizei um 5 Uhr Nachmittags endlich Ernst machte und eine Anzahl Plünderer Leim Kragen nahm, die feigen Mord^ buben nicht den mindesten Widerstand wagten, sondern schnell von den Straßen verschwanden und sich ängstlich verbargen. Immerhin hat die Bestie ihre Mordlust befriedigt und sich reichlich mit Beute versehen. Bald sollte sie jedoch auch die Kehrseite der Medaille kennen lernen. Am 23. April kam der Staatsanwalt des Odessaer Kreisgerichts, Pollan, nebst seinem Gehilfen Shibelli nach Kischinew, und beide Beamten eröffneten inl Londoner Hotel, wo sie abgestiegen sind, ein Anzeigebureau. Unangemeldet und ohne alle Formalitäten durfte Jedermann kommen und dem Vertreter der strafenden Gerechtigkeit seine Klage Vorbringen. Der Erfolg war: Massenverhaftüngen der Mordbuben, die in so großer Anzahl erfolgten, daß bald sammtliche Gefängnisse überfüllt waren und eine Kaserne, sowie ein jetzt leerstehender Cirkus in provisorische Gefängnisse umgewandelt werden mußten. Die Verbrecher, welche sich so etwas von den Behörden nicht vorgesehen haben, wurden vollständig überrascht -und, noch Mit den eben geraubten Kleidern bekleidet, iws Gefangniß abgeführt. Hier wurde ihnen natürlich ihr Raub abgenommen und den rechtmäßigen Besitzern zugestellt. Dabei stellt sich die tragikomische Thatsache heraus, daß viele von den Plünderern, unter denen sich auch sammtliche Insassen des Asyls für Obdachlose befanden, ihre Lumpen, die sie vorher auf dem Leibe hatten, und welche sie an Ort und Stelle, nämlich in den erbrochenen jüdischen Läden, mit guten Anzügen vertauscht, fortgeworfen Haben. In Folge dessen mußten sie mehrere Tage lang im Gefängnisse im Adamskostüme zubringen. Die Zahl der bis zum 25. April zur Hast gebrachten Plünderer belief sich auf 800, und tätlich finden nach weitere Verhaftungen statt. Die vorgenommenen Verhaftungen hat den Kischinewer Pöbel in.eine große Angst versetzt. Schon in der Nacht auf den 25. April sah man in Kischinew zahlreiche Schornsteine rauchen. Die Plünderer haben die geraubten Gegenstände in den Oefen verbrannt, damit sie bei einer etwaigen Haussuchung von der Polizei nicht gefunden werden. Andere haben ihren Raub des Nachts auf die Straße geworfen, und am 25. April waren die Straßen von Kischinew. genau wie am Tage nach den Krawallen, mit werthvollen Gegenständen wie besät. Bezeichnend für den unter der gebildeten christlichen Bevölkerung herrschenden Geist ist die Thatsache, daß für die Angehörigen der verhafteten Räuber /Sammlungen veranstaltet werden, während für die Hinterbliebenen der ermordeten Juden die Kischinew'er Christen nichts übrig haben. Die Stadtverordneten von Kischinew haben einen Antrag, für die Juden 100,000 Rubel aus städtischen Mitteln zu bewilligen, glattweg abgelehnt, und die ZumUthung, der Staat möge die Juden für die durch die unerhörte Nachlässigkeit seiner Organe erlittenen Verluste entschädigen, wird von den antisemitischen Blättern. Rußlands Mit ge- . hcuchelter Entrüstung zurückge'wiefen. Dagegen haben viel Richtkischinewer Christen bereits große Spenden für die Juden bewilligt. Die russische Bank für auswärtigen Handel har 865, die Firma Tscherbakow in Moskau 1000 und der edle Leo Tolstoi 16,000 Rubel gespendet. Ueberaus großherzig haben sich die wohlhabenden Juden in Kischinew selbst benommen. Sie haben zur Linderung der ersten Roth in zwÄ Tagen 100,000 Rubel, also nahezu eine Viertelmillion Mark aufgebracht. A m e r i k a. . . .. Newiiork. Zwei Brandkatastrophen, von denen das Judenviertel Newyork's hei'mgesucht wurde, Wattn von geradezu entsetzlichen Schreckensszenen begleitet. Vor einigen Tagen brach in einem Doppelhause in Henry-Street, in welchem sich zahlreiche Kinder befanden, Feuer aus. Ein 14jähriges Mädchen trug seinen gelähmten Onkel, einen Greis von 84 Jahren, zwei Stockwerke hinauf vom Feuerherd hinweg, und siel dänn ohnmächtig nieder. Der Alte kam in den Flammen um, das Mädchen konnte gerettet werden und wird als. Heldin gefeiert. Viele Frauen und Kinder sprangen aus den Fenstern und wurden schwer verletzt. Eine Frau warf zwei Säuglinge aus dem dritten Stockwerke, aber die Polizei konnte sie unverletzt ausfangen. Die Polizisten mußten die verzweifelten FaMMenangehörigen ' der im Hause verbliebenen Personen mit Knütteln zurücktreiben, um der Feuerwehr Platz zu verschaffen. Mehrere Leichen wurden bereits geborgen. , * St. LouiS. (Jerusalem auf der Meltau f st e l! u n g 19 0 4.) Eine der originellsten Sonder'ausstellungen . in der gewaltigen Weltausstellung zu St. Louis dürfte die Nachbildung eines Theiles des jetzigen Jerusalems sein. Die Idee dieser Nachbildung hat ein Herr Alexander Konta, ein Ungar von Geburt, gehabt, der seit zwölf Jahren in St. Louis lebt, — welcher „Konfession" dieser Ungar angehört. wird leider nicht berichtet! Die Nachahmung der heiligen Stadt kommt an einem der besten Plätze innerhalb der Ausstellung zur Ausführung. Es wich die Stadt Jerusalem mit den.Hauptthoren, genauen Größe, Farben und nach den besten Skizzen und Photographien, aufgebaut. Es werden sogar aus Palästina Steine für den Vau der Thore herangeschasft. Innerhalb der Stadtmauer wird man dir Om'armoschee finden, die auf der Stelle steht, welche früher der Tempel einnahm, ebenfalls wird die christliche Kirche genau nachgeahmt werden. Selbst die Klagemauer der Ju-