Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 53 (5.7.1886)
- Date
- 1886-07-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Zi'-ittirgsnachlicht«',» m«t» 1Lo»respv»dr»,zett. Drutschr fl ii d.; Berlin, Lv. Juni. Cs schwinden die Gerechten, und immer größere Lücken reißt in den Leihen der frommen der unerbittliche Tod. Heule muß ich Ihnen die schmerzvolle Kunde übermitteln, das; wieder einer der betreuen von uirä gen au neu, Herr Rabbiner Dr. H e i m a n il (5 ohn, früher Rabbiner in Flatow und seit einer Reihe von Jahren hier ansässig, gestern von seinen langjährigen Leiden erlöst wurde. Der Tahingcsckiedene war ein Sohn des noch jetzt in ganz Wcstpreußcu rnhmlichst genannten Rabbiners von Gollub, Rabbi Moschch Charis, der, trotzdenr er in dem blühenden Alter von 36 Jahren vom Tode hingcrafft wurde, den bedentendstcn Talmudgelehrtcn seiner Zeit sich anreihte und u. A. mit R. Akiba Eger in innigem Verkehr stand. Sein in zartester Jugend verwaister Sohn wandcrte in die Fremde, in heißer Lcrnbegier suchte er die Stätten der Thora auf mrd fas; zu den Füßen berühmter Meister, wie eines R. M. Fcilchcnfeld in Nogasen, eines Malbim und zuletzt in Berlin des gefeierten R. Jakob Joseph Oettinger, zu dessen Lieblingsschüler» er zählte, und von dem er die r»mn man empfing. In Berlin vollendete er auch seine profanen Studien in Gemeinschaft mit - Rabb. Dr. Feilchcnfeld in Posen und R. Zomber s. A., mit dein ihn innige Freundschaft verband. Schon hier entfalteten sich seine herrlichen Charaktcrtugendcn in reichem Maße: von einem feurigen Wissensdrang durchglüht, leinte und lehrte er ohne Unterlaß und, obwohl sein eigener Lebensweg durchaus nicht von der Glückssonnc beschienen war, Heilte er doch mit dem Armen und Bedrängten sein kärgliches Mahl, und der Wehschrci des Dürftigen fand bei ihm stets ein empfindendes Ohr. Später wirkte er.13 Jahre hindurch als Rabbiner in Flatow (Westpreußen) mit seltener Hingebung und Trene, als Friedensstifter in seiner Gemeinde und als Wohlthäter der Hilstofen und mit Recht mochten ihn bei seinem Scheiden die Rötabilitätcn der Stadt in einer Adresse als „den Hort der Armen und den Netter der Verlassenen" preisen. In der Blürhe seines Lebens, als er gerade zum ersten Tajan von London gewählt war, traf ihn der Schlag; eine Zeit bitteren körperlichen Wehes brach für den Hartgeprüften an und setzt, nach zwölfjährigem.Dulden und Leiden, ist er plötzlich in eine bessere, schönere Welt dahingegangen, geschätzt und verehrt von Allen, die ihn kannten, von einer schmerzgebeugten Gattin und seiticii beiden.Lindern innig beirancrt. Ein sprechendes Zengniß von der Liebe nnd Hochachlnng, deren sich der Verklärte erfreute, legte das Letchenbegäng' iiifj ab, welches heute Mittwoch Nachmittag unter einer große»! Vethcilignng stattfand. Im Trauer- Hanse, wo sich eine auserlesene Gesellschaft clngcfnnden hatte, ergriff der einzige Sohn des Verblichenen, Herr Rabbiner Dr. Arthur Cohn, der ans Basel an das Sterbelager seines Vaters herbcigeeilt war, das Wort, nm dem geliebten Tobten ein tiefrührendes und fchlncrzdnrchbcbtes Lebewohl nachznrnfen und an sinnige Midraschstellcn anknnpfend, mit thräucnefticktcr Stimme die Schwere des Verlustes, den die Hinterbliebenen erlitten, zu schildern. In später Abendstunde gelangte der stattliche Condukt auf dem Friedhof der Shnagogengemcinde Adaß-Jisroel in Wcißensee an, wo Herr Rabbiner Dr. I. Hildesheimer in schmerzlich bewegten und zu Herzen gehenden Worten die Tugenden, welche den Verewigten umstrahlten, seine fromme B^isternng, seine opferfreudige Liebe zur Thora und seine entsagungsvolle Bescheidenheit feierte, Und jene heilige Begeisterung und Liebe zur Glaubcnssatzung suchte er auch aus seine Kinder zu vererben, das war fein Sehnen, fein heißer Wunsch. Einst gelobte der Da Hingeschiedene am Grabe seines Vaters, seinen Sohn der Lehre zu weihen, und das Gelöbniß hat er treu erfüllt, bis das; er selber, schauend die Früchte seines Thuns, „im Zelte der Gotteslehre gestorben." Und, so schloß der Redner seine tiefergreiscude Ansprache, wie seine Sprößlinge am Leben sind, so ist auch er lebendig und in lichter Höhe wirkt er fort, ein „treuer Fürsprecher" wird er am Throne der Gnade das Glück seiner Kinder erflehen. Hierauf sprach die Versammlung das rituelle Gebet und die irdischen Ucberrestc des vortrefflichen Mannes wurden neben seinem unvergeßlichen Freunde R. Zomber -"s zur ewigen Ruhe gebettet. — Einen schönen, erquickenden Trost werden die Hinterbliebenen in der allgemeinen Theilnahme finden, die ihrem Schmerze begegnet: Herrn Dr. A. Cohn versicherte ein Telegramm, das vom Vorsitzenden der Baseler Synägogengemeknde einlkef, „der herzlichen Theilnahme der ganzen Gemeinde an dem unersetzlichen Verluste." Möge Gott die Hinterbliebenen stärken und trösten! Berlin, 1. Juli. Traurig, tiestraursg gehen die Geschäfte der In den Mission; noch immer weilt Israel „unbußfertigen Sinnes", ja, noch immer glaubt es an den Einen, Einzigen Gott. Am Donnerstag Abend fand in einer hiesigen Kirche das Iah ressest der „Gesellschaft zur Beför-