Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 53 (5.7.1886)
- Date
- 1886-07-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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V10 fameii bfc brel ucrlu’mbelcii Heere ans Mangel an Wasser in ftvofic (Slrfabr. '4lUil)ve»ib der Munin von Israel verzweifelte, nab Icholchaphat den Rath, dnrch einen Propheten de! «Mott anwfragen. Ter Prophet Elischa. herbeigernfen, sprach zmn Könige von Israel: Was habe ich mit Tir zu schaffend Gehe zu den Propheten Deines Paters und zn den Propheten Deiner Mutter! Und als der uönig von ISrael ihn noch einmal anfforderte, da sprach Elischa: So wahr der l£iuiflc Zebaoth lebt, vor dem ich gestanden, wenn ich nicht das Antlitz Iehoschaphatv, des Königs von Inda achtete, ich würde Dich nicht anschauen und würde Dich keines Blickes würdigen! Weil nun Elischa in Zorn gerathen war, so wich der Geist Gottes von iijui; erst, als er einen Saitenspieler herbeirufen und denselben spielen ließ, da beruhigte die Macht der Musik sein aufgeregtes Gemüth, und über ihn kam wieder der Geist der Prophetie. — Unsre Weisen erzählen ferner, daß der Mensch, welcher zum Zorne geneigt ist, vom allmächtigen Gott nicht für geeignet erachtet wird,, ein hohes Amt zu bekleiden, selbst wenn dieses ihm früher bestimmt gewesen. Als Schaut die königliche Würde verwirkt hatte, befahl Gott dem Propheten Samuel, zu Jischai nach Beth Lechem zu gehen, da Gott einen von denen Söhnen zum Könige ausersehen habe. Jischai hatte acht Söhne, von denen David der jüngste war. Nacheinander wurden die sieben ältesten Söhne dem Samuel vorgesührt, und bei sechs von ihnen erklärte er: Nicht diesen hat Gott erwählt. Anders verhielt es sich mit Eliab, dem ältesten. Als Samuel diesen erblickte, rief er aus: Wahrlich, da steht vor dem Ewigen sein Gesalbter! Aber der Ewige sprach zu Samuel : Blicke nicht auf seine Erscheinung und nickt ans die Höhe seiner Gestalt, denn Ich habe i h n v e r w o r f c n, denn nicht wie der Mensch sieht (sieht Gott): denn der Mensch sieht auf das Aenßere, aber Gott schaut auf das Herz. — Aus den Worten: „denn Ich habe ihn verworfen," folgern unsre Weisen, daß Gott ihn vorher fähig und würdig befunden hatte; da aber im Herzen Eliabs die Neigung zum Zorne sich vorfaud, so verwarf ihn Gott, und daß Eliab zum Zorne sich bmneigre, erfahren wir aus der heilige» Schrift (l. B. Sam. E. 17. L. 28), wo uns erzählt wird, daß Eliab ohne genügenden Grund über seinen jüngsten Bruder Davvid in Zorn gerieth. Wiewohl nun sogar der berechtigte, um wie viel mehr der unberechtigte Zorn zu vermeiden ist, so ist doch dieser Gemöthsaffcct nicht ganz zu entbehren. Daher lehrt Rabbi Elieser nicht: Zürne niemals! sondern: Sei nicht leicht zu erzürnen! Es gibt gewisse Dinge nnd Anlässe, über die um» ln Zorn gerathen muß. So war es ein edler Zorn, in welchen Pinchas gericrh. Israel war verstrickt im Götzendienst. Ein Stammesfürst führte seine Buhlerin vor die Augen Moscheh's und der Nettesten des Volkes, und sie weinten ank Eingänge der Stifts- Hütte. Das sah Pinchas, und es ergriff ihn ein edler Zorn, in welchem er die Verbrecher durchbohrte. Und Gott segnete ihn dafür und gelvährte ihm Seinen Friedeusbund für ihn und feine Nachkomme» auf clvige Zeiten. Es wird uns auch erzählt, daß Gott selber in Zorn gerieth, und unsre Weisen knüpfen OV3 spdt -rr.pyra "rro> au eine dieser Erzühlungen eine herrliche Lehre. Als Mirjam und' Aharou sich unterfangen hatten, gegen Mofcheh zn reden, da forderte Gott sie vor Sein Antlitz, hielt ihnen ihr Unrecht vor. und erst, nachdem dieses geschehen, „da entbrannte der Zorn des Ewigen wider sie" (4. B. Nt. E. 12. L. 9). Wir sollen daraus lernen, daß wir nicht allein Niemanden ungehört verurthcilen, sondern auch Niemandem zürnen sollen, ohne ihm zuvor fein Unrecht vorgehalten zu habe». Wenn Gott, der Mwiffende, so verfährt, um wie viel mehr mü»en wir Menschen, die wir der Täuschung unterworfen sind, unfern Bruder zuvor zn Rede stellen, ehe wir dein Zorne Raum geben i» unserm Herzen! Besonderes Gewicht legen unsre Weifen darauf, daß wir im häuslichen Verkehr mit unsren Familienangehörigen und unsren Dienern uns nicht dem Zorne hingeben. Der im Zorne Auffahrende zwingt die ihm Untergebenen zur Lüge, zur Heuchelei und zur Verstellung. Daher soll der Herr des Hauses auch die religiösen Vorschriften sanft und freundlich verkünden, und selbst, wenn sie übertreten werden, wohl mit strengem Ernst, aber nicht in Zorneswuth die Uebertrctnug rügen, damit sie künftig unterbleibe nnd er nicht hinrergangen werde. Derjenige, welcher bei jeder Gelegenheit auffährt und zürnt, entfremdet sich die Herzen der Seinen und begibt sich seines Einflusses auf dieselben. Sem Leben ist, wie unsre Weisen lehren, kein Leben zu nennen, und sein stetes Zürnen bringt ihm nichts als nachtheilige Folgen. Wer aber den Rath des weisen Rabbi Elieser: Sei nicht leicht zn erzürnen! zu Herzen nimmt und befolgt, der wird, wenn er bei großem und wichtigem Anlässe in. Zorn geräth und sich demgemäß äußert, durch diesen feinen seltenen Zorn das erwirken, was er zu seinem und der Seinigeu Heile zn erwirken beabsichtigt hatte. (Fortsetzung folgt.)