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Der Israelit · 1885-02-26 · Heft 16 (26.2.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 16 (26.2.1885)
Date
1885-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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261 Gottes zu heilige» u. s. w." Ter „Vater der Deklaration", wie sich der Vorsitzende, Jnstizrath Tr. Makowcr, ausdrückte. ist Pros. Dr. Lazarus. Wir wissen, daß Prof. Lazarus für die Veröffentlichung einer „Ethik" des Judenthums schwärmt, und dieses Projekt wäre keineswegs zu verwerfen, wenn es nur von den geeigneten Gelehrten ausgeführt würde; daß aber ein sonst so klarer Kopf wie Prof. Lazarus, unter den gegenwärtigen Verhältnisicn beantragt, die Sittengcsetzc des' Judenthums vor aller Welt zu proklamiren, will uns schier unbegreiflich erscheinen. „Der Antrag ist überslnss i g und i n o p p o r t u n" meinte der Referent, Justizrath Dr. Marcuse. „Er ist überflüssig, weil wir ja in diesen Grundsätzen seit Jahrtausenden leben und inopportun, weil wir die Feinde des Judenthnmes doch nicht eines Besseren belehren werden und andererseits eine neue Polemik heraufbeschworen werden könnte, deren Ausdehnung wir nicht ahnen nnd deren Verantwortung wir nicht übernehmen wollen." Allerdings ist dieser Antrag überflüssig, als ob diese Sittengcsetzc nicht zu allen Zeiten im Jndenthume hochgehalten und befolgt worden wären, als ob sie nicht klar und deutlich in den 5 Büchern Mosis zu lesen seien, als ob nicht jedes Kind wüßte, daß die Sittengesetzc des Ehristcnthums erst dem Jndcuthnmc entlehnt sind. Doch nicht nur überflüssig, sondern im höchsten Grade bedenklich würde eine derartige Deklaration sein. Oder meint Professor Lazarus wirklich, daß die antisemitischen Hetzer, welche sich nur von Neid und Bosheit leiten lassen, reuig die Hände falten werden, wenn sie die Deklaration gelesen haben? Man hat cs ja gesehen, welchen Erfolg die Erklärung der famosen Rabbinervcrsammlung des vergangenen Jahres aufzuweifeu hatte. Ja, die cingeschläferte antiscm. Bewegung würde erst neuen Zündstoff erhalten; nnd dem Jndenthume wäre mit Nichten gedient. Der Antrag war vom Vorstande einstimmig abgelehnt worden; um aber die Autorität der Antragsteller nicht ganz zu ignoriren, wurde vorgeschlagen, die Deklaration einer Eommission zu überweisen, welche die Aufnahme der genannten Sittengesetzc in knapper Formulirung für die Lehrbücher vorberathen sollte. Nur in diesem Sinne erkannte Herr Löwe den Antrag unterzeichnet zu haben. Dieser Antrag aber ist erst recht überflüssig, denn die Kinder dürften doch diese Gesetze im Urtexte in der Bibel lesen nnd eine solche Zusammenstellung würde einem Katechismus gleichen, welchen die jüdische Religion, in der das eine Gebot so heilig ist wie das andere, verwirft. Das Vernünftigste aber sagte der Versammlung Herr Hirschbcrg, wenn er die Eompctcnz einer Rcpräscntantenversammlnng, über diese Dinge zu entscheiden, einfach bestritt. Tic Berathung wurde auf eine der nächsten Sitzungen vertagt, da in der heutigen Prof. Lazarus am Erscheinen verhindert war. Berlin, 2-1. Februar. Am 7. Adar, dem Todestage unseres großen Lehrers Mose, fand in der Gemeinde Adaß-Jisrocl eine Tranerfeicr statt. Zum Schluffe seiner 1'/./tündigen Rede verweilte Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer bei den bedeutenderen Männern in Jisroel, welche im vergangenen Jahre der Tod vom Schauplätze ihres Wirkens abberufen hat, und skizzirtc nach seiner Gewohnheit deren Lebenslauf. Da dieser Tyeil der Rede von allgemeinerem Interesse ist, so geben wir den Inhalt desselben im Folgenden im Wesentlichen wieder. Sieben nY?riri* sind dem Jndenthume entrissen worden, wie der Redner meinte. Zunächst: R. Maier Wolfs aus Eisenstadt, ein Mann, der durch strenge Frömmigkeit nnd hervorragende talnutdischc Kenntnisse ausgezeichnet, sich entweder der Thora oder der Ausübung von. Liebcswerken widmete. Voll nnd ganz gehörte er seiner Gemeinde an, die in ihm einen treuen Freund verloren. R. Mose Landsberger, gcb. in Lebrons. Reich bcanlagt nnd schon früh entwickelt, kam er in seiner Jugend nach Posen, wo er zu den Füßen des Rabbi Akiba Eger saß. Rach dem Tode desselben bekleidete er -io Jahre lang das Amt eines n'2 trtn. Berühmt wegen seiner großen Kenntniß der hebräischen Sprache und der Bibel, von einer seltenen llneigcnnntzigkcit, von. einer wunderbaren Bescheidenheit, und ansgestattet mit allen Eigenschaften eines großen Mannes, war der Verblichene eine Persönlichkeit, wie mau sich sie eben nur unter einem Rabbi Mansche Lebronzcr vorznstellen vermag. In kritischen Zeiten hat er oft durch seine Autorität die ganze Gemeinde znsammengehalten. R. Da uw Bär Zo rudernder Rabbiner am Bcth Hamidrasch zu Berlin, über den bereits unmittelbar nach seinem Tode die jüd. Blätter Näheres gebracht haben. Dr. Heilbut in Merchingen, mein thcurer Schüler, der in der Blnthc des Lebens zu 36 Jahren uns entrissen wurde. Bon einer wunderbaren Frömmigkeit und einer sprichwörtlich gewordenen Pünktlichkeit war dieser treffliche Mann, der sein ganzes Leben bem himmlischen Dienste geweiht hatte. Ganz in seinem Geiste und in seinen Wegen wandelt auch seine junge Wittwe.

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