Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 16 (26.2.1885)
- Date
- 1885-02-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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260 W)iciiö«bc. Herr Lehrer Hanauer hielt die Festrede, in welcher er die Zufriedenheit und Bescheidenheit, die Rechtlichkeit und die Menschenliebe, den Glauben und das Gottvertrauen seiner ehrwürdigen (yltmi schilderte. Die Rede machte ans alte Anwesenden, welche dichtgedrängt die Synagoge füllten, einen erhebenden Eindruck. Zum Schlüsse sangen die Enkel den 150. Psalm. An der festlichen Mittagstafel bcthciligtcn sich auch der Bürgermeister und der Rathsschrcibcr. Bon allen Seiten trafen Telegramme und Glückwunschschreiben ein: zahlreiche, theilS sehr werthvolle Geschenke lvnrden überreicht. — Möge das würdige Jubelpaar noch lange in Gesundheit und Zufriedenheit hicniedcu weilen! — Fürth, ft. Adar. Gestern Nachmittag hielt Herr Dr. D c s s a n, Direktor an der hiesigen israel. Bürgerschule, über vor l t Tagen zur Erde bestatteten Herrn Isak H c u m a n n 7in einen nocn, in welchem er all' die Berdicnfte deS Dahingcschiedcnen in fesselnder und rührender Weise schilderte: kein Herz blieb ungerührt, kein Auge thränenlccr. Wenn auch an und für sich die großartige Rednergabe des Herrn Dr. Dessau bei jeder Gelegenheit eine große Znhörerschaar hcrbeilockt, so war es jedoch in diesem Falle vorwiegend das anerkannt segensreiche Wirken des Verblichenen, was eine so zahlreiche Menge vereinigte. Derselbe war ein eifriger Anhänger des orthodoxen Indeilthnm, unerschütterlich in seinem Glauben, welcher jedem Ereigniß, mochte es auch noch so niedcrschlnetternd cintrcten, fest Stand hielt; bei vielen Vereinen fnngirtc er als Vorstand, welches Amt er in jeder Hinsicht pünktlich und gewissenhaft verwaltete. Er war ein Vater der Armen, ein Beschützer der Hilflosen, überhaupt sein ganzes Leben war neben der treuen Fürsorge für seine Familie nur der Ausführung von niLv gewidmet. Wer hat tvohl nicht genügend Gelegenheit gehabt, den kleinen biedern, bescheidenen Mann auf dem Wege zu einem Bedürftigen zn sehen; welch' wonnevolles und friedliches Antlitz strahlte da, sowohl Reich wie Arm, Groß wie Klein entgegen. Sein ganzes Wesen war die Güte selbst; kein boshaftes noch beleidigendes Wort kam jemals über seine Lippen. In zu Herzen gehender Weise schilderte Herr Dr. Dessau all' diese Tugenden und Verdienste des Dahingcschiedcnen und wer inochte wohl tlicht dem Eindruck der Rührung nnterlegetl sein, als Redner, die ganze Erde einen Garten mit verschiedenen Beeten glcichstcllend, den Verstorbenen mit einer von den wenigen schönen, duftenden Rosen verglich, welche sich auf den Beeten befinden. Gleichsam als wäre Gott herabgestiegen und hätte die noch frische Rose selbst gepflückt, so erscheint uns das schnelle Ableben des Herrn Heumann 7"Lf. Wie die Rose, durch ihren Farbenscknnuck und ihren angenehmen Geruch nur Angenehmes stiftend, nach ihrem Abpflücke» eine besondere Pflege erhält, so wird auch der Verstorbene für seine edle Thatcn , die er hienieden verrichtet hat, seinen himmlischen Lohn empfangen. Wenn auch eine einzelne Person schwerlich das zu thun und zn verwalten vermag, was der Dahingeschiedene allein geleistet hat, so mögen eben vereinte Kräfte die von demselben cingcschlageue Bahn weiter ebnen und entwickeln. Die Hinterbliebenen verloren in dem Verstorbenen ihr theuercS Haupt; unsere Gemeinde einen ihrer edelsten Männer. Sein Andenken sei gesegnet. n"::"2"y'n. StadtlengSfeld. Meine Eorrcspondenz in Rr. 14 des „Israelit" ist dahin zu berichtigen, daß Herr Sandel Löb Roscnblatt dahier, nicht sein 25jähriges, sondern 5 ttjähriges Jubiläum als Mohel begangen. I. S. Berlin, 22. Februar. Auf der Tagcsorduung der heutigen Repräsentanteusitzung hiesiger ^ynagogengemcinde stand ein Punkt, der geeignet sein dürfte, das Interesse weiterer Kreise zu erregen: Der Antrag einer freien Kommission betr. die 'Deklaration der geltenden Sittcngcsetze des Iudenthnms. Zn der „freien Kommission" gehören die Herren Prof. Lazarus, Prof. Stcinthal, Tr. Kassel, Dr. Kristellcr. Dr. Straßmann, Ludwig Löwe und das Rabbinat. Die Deklaration der geltenden Sittengesetze des IndcnthumS werden die geschätzten Leser aus einigen Sätzen erkennen, die wir' ans derselben citiren. Es heißt n. a.: „Das Jndenthum gebietet eine alle Menschen umfassende Liebe, dagegen verbietet eS den Haß; das Jndenthum gebietet Barmherzigkeit, dagegen verbietet cs jedwede Kränkung; das Jndenthum gebietet Arbeit, dagegen verbietet es den Müßiggang, das Jndenthum gebietet Temuth, dagegen verbietet cs Hochmnth, Ucberhebuug und Prahlerei; das Jndenthum gebietet Verträglichkeit, Versöhnlichkeit und Milde, dagegen verbietet es Rache; das Jndenthum gebietet Sittenstrenge, dagegen verbietet es Zuchtlosigkeit; das Jndenthum gebietet Gehorsam gegen die Staatsgesetze, es gebietet den Namen