Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 16 (26.2.1885)
- Date
- 1885-02-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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262 R. Israel Meier F-rcimaun verließ uns um dieselbe Zeit. In Krakau geboren, verlebte er seine Jugend in Ungarn, erhielt dort von den größten Rabbinen die nirnn mnn, absolviere dann in Leipzig das Maturitätscramen, ging nach Filehnc und war schließlich 12 Jahre in Oftrowo. Ich zweifle sehr, ob eS in unsererZeit einen viel größeren , scharfsinnigeren Talmndgelehrten gibt, wie Dr. Frcimann. Was Dr. Frcimann gewußt hat, wie erstaunlich seine Belesenheit, seine Schlagfcrtigicit, seine Gedächtnißstärke gewesen ist, entzieht sich jeder Beschreibung. Der Gindrnck, den er ans Jeden, der ihn cinnial gesehen, machte, war ein geradezu überwältigender. Die Liebesfüllc, der lernst und die Wahrheit bildeten den Grundzug seines Lebens, kurz, er war ein Mensch und ein Gelehrter, wie er mir selten vorkommt. R. David Gphrati starb nach langen, qualvollen Leiden in Frankfurt a. M. Dieser Mann, welcher weniger in Deutschland bekannt ist, aber einen desto größeren Warnen in Rußland hat, vereinigte in sich ein Wissen und eine Gelehrsamkeit, vor der wir mit Bewunderung still stehen müssen. Zuletzt gab er eine halachische Monatsschrift heraus, doch bald zwang ihn sein körperliches Leiden, znrückzntretcn. R. Abraham Wolfs, ein Bruder des Grstgenannten, schließt die Reihe der Männer ab, durch deren Hingang in das Jndenthnm eine unersetzliche Lücke gerissen wurde. In dem Dorfe Rendörfl, unweit Giscnstadl, wohnte dieser seltene Mann, mit dem mich ein inniges Frenndschaftsband verknüpfte. Gr betrieb einen Wcingroßhandcl, er war ein.Kanfmann und dabei ein Mensch, wie man sich ihn kaum vorstcllen kann. Gott hatte ihn mit Glücksgütern gesegnet —- und wie verwendete er jic? Da gab cs kein gesctzestrenes Institut in einem Winkel seines Landes, das er nicht unterstützt, da gab es keinen Armen, der eine Tochter zu verheirathen hatte, den er nicht ansgefnnden hätte, ticiiic Woche verging, da nicht drei bis vier Gelehrte bei ihm wohnten, Gelehrte, die ihm kein Geld in's Haus brachten. Gr batte einen berühmten Namen "und genoß ein solches Ansehen, daß kein bedeutender Rabbiner in Wien weilte, der nicht nach dem nahen Neudorfl geeilt wäre, um R. Abraham Wolfs ausznsuchen, ihn, den schlichten und doch so großen Mann. Mit der Recitation des c*£m «70 und dem Maariw-Gcbctc schloß die erhebende Feier. ttr. Berlin, 24. Februar. Gin Bruder des verstorbenen Abgeordneten Dr. Laster sandte ans Amerika au die Verwaltung des Rcichenhcim'schcn Waisenhauses ein Kapital von 62^ Mark, von deren Zinsen der beste Schüler der 'Anstalt pramiirt werden soll. Die Stiftung trägt den Namen „Gduard Lasker-Stiftnng". Gcheimrath Oe st reich er spendete *21 ,(mki Mark an die Alterversorgungsanstalt zur Grrichtnng von zwei Hospitalftellen und Herr Jakob Israel gab zu gleichem Zwecke 21,000 Mark für eine „Jakob-Minna-JSrael-Stiftmlg." Posen, im Februar. Die Zeichnungen für das projectirte Lehrer - Seminar nehmen den ertvünschten Fortgang, der um so erfreulicher ist, als die Betheiligung ohne Unterschied von Anhänger» der verschiedenen religiösen 'Dichtungen ansgeht. Dieses cinmüthigc Zusammengehen zum Zwecke einer guten Sache gereicht zunächst den Mitgliedern unserer Gemeinde, die bis jetzt das größte Gontingent zu den Zeichnungen gestellt, alsdann aber auch der israelitischen Bevölkerung der Provinz zur Ghre und scheint auch nun die Ausführung des Projectcs gesichert. Möchte auch in anderen Dingen die Ginignng der getrennten Parteien zu Stande kommen, so z. B. hinsichtlich der .Krankenpflege, die seit tnehreren Jahren merkwürdiger Weise von zwei Vereinen gehandhabt wird , anstatt daß man mit vereinten Kräften diesem menschenfreundlichen Streben obliegen sollte. Diese Trennung ist allerdings auf einen Gonfiiet zurnckzuführen, der vor fast zwei Jahrzehnten ans Anlaß der von einer Seite vorgeschlagenen Neuerungen im Beerdigungswesen entbrannte, der aber durch die später entworfenen Statuten des alten Vereins und in neuerer Zeit durch die Alles nivellirendc Palizeivcrfügung in Betreff der Beerdigungen völlig gegenstandslos gclvorden ist. Hoffentlich wird die Ginsicht der beiderseitigen Leiter der Vereine endlich auch hierin Wandel schaffen. In der Nachbarstadt Tremessen ist die Svnagoge uiedergebrannt und konnte nur ein ", ec mm und einige Gebetbücher gerettet werde». Das Unglück entstand durch den Brand eines angrenzenden Stalles. Vor einigen Tagen verstarb hier ein jüdischer Greis in dem hohen Alter von 10! Jahren. Frankreich. Paris. Baron v. H i rs ch hat wiederum 2^,000 Frs. zur Deckung des Defieits der „All. Jsr." für das Jahr 18S4 gegeben.