Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1909)
- Date
- 1909-04-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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April 15. 1909 mun, führt, salem ftinarten zur choß s der 'extern, kräfte rwal- Pa zu lemer wäre d dal Beri für aller üffen, xnter- >ndere r Bestärk xthien xl der st gewichen n und t und einem s die ndere stundxsalei» rennde Titel: gegen >alucka ig erbeigc- Würd-- sation zehens übern der t Teil gefähr t Ge d der uschal l bald r nur t und nichtig der Masse i nicht i war sein dischen Ueber Jude, x Ge tensch- Glan »bische, rerhen cfasscu thische solcher g und hohe X Und nanns Meer dessen sZerlen denn südiscli cgeben rd des ilbfall, beste seine liUtiix Hinsnmmen für die übrigen Gemeinden der heiligen Stadt und auch anderer Städte Palästinas verwendet wird. Auf Grund eingehender über Jahre sich erstreckender Beratungen wurde im Jahre 1908 beschlossen, eine Reorganisation dieser Verwaltungsweise einireten zu lassen, idleren Grundzüge wiederholt von uns veröffentlicht worden sind. Zusammen mit den erst Ende vorigen Jahres gefaßten ^.Einzel-Beschlüssen stellt sich das Bild dieser Reorganisation wie folgt dar: 1. Nach wie vor soll ungefähr dieselbe Summe, welche bisher zu Gunsten des Y'VI bb)p verwendet wurde, auch künftig für die Deutsch-Holländische Gemeinde reserviert bleiben, weil 'anzunehmen ist, daß die Spender in Deutschland und Holland den Wunsch hegen, ihren Landsleuten in der Heiligen Stadt ein gewisses Existenz-Minimum, das sie vor äußerster Not schütze, zu sichern, uud weil die Verteilung des verhältnismäßig ja nicht so hohen Betrages an die Gesamtheit der Armen keine nennenswerte Wirkung haben würde. 2. Um jedoch soweit als möglich die Verabfolgung von Spenden an solche Personen zu vermeiden, die entweder ein Vermögen besitzen, oder sonst über ein ausreichendes Einkommen verfügen, haben wir angeordnet, daß jeder, der Anspruch auf Unterstützung erhebt, eine detaillierte Selbst- Einschätzung vorzunehmen hat, die dann durch unseren verantwortlichen Vertreter in Gemeinschaft mit einem Comits geprüft werden soll. Es ist weiter ausdrücklich angeordnet worden, daß bei der etwa notwendigen Entziehung von Unterstützungen in der fchonendsten Weise vorgegangen werden soll. 3. Um der Anschauung entgegenzutreten, als bcsässe jede in Jerusalem geborene Seele ohne Weiteres einen Rechtsanspruch auf Chalucka, ist beschlossen worden, daß dieser Anspruch bei den Kindern des mit der Vollendung des dreizehnten Lebensjahres erlöschen solle. Drei Monate vor Eintritt dieses Termins sollen durch Vereinbarung der Eltern mit unserem Vertreter nähere Feststellungen über die Zukunft des betreffenden Kindes getroffen werden. Der bisher als Chalucka gezahlte Betrag soll alsdann — unter Umständen auch mehr oder weniger — zur Ausbildung des Kindes verwendet werden. Je nach Begabung und Neigung sollen die Kinder ausschließlich dem dium erhalten bleiben, oder auch einem praktischen Berufe, — selbstverständlich unter steter Pflege von rVTlfl TlÖ'S — zugeführt werden. 4. Aus den bisher als kleine Chalucka in minimalen Beträgen ausgegebensn Summen (nicht aus den zur Erhaltung des *7''in notwendigen Beträgen) soll versucht werden, Arbeits- Gelegenheit zu schassen, Thora-Studium, industrielle, sanitäre und andere Unternehmungen in Palästina zu fördern. Wir glauben, vor der Oefsentlichkeit mit Ruhe aussprechen zu dürfen, daß diese Reorganisations- Grundsätze durchaus nicht nur den Forderungen der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch dem Geiste der und der jüdischen Menschenliebe entsprechen. Trotzdem versucht es nun der Y'irr ^12 unsere Organisation, die bisher, gegenüber allen wahrlich nicht spärlichen Anfechtungen in unentwegter Hingebung für seine-Interessen gesorgt hat, zu zerstören. An die Stelle dieser Organisation soll, wie aus der Broschüre und dem Begleitschreiben hervorgeht, eine andere treten, deren Zentralverwaltung bei den Spengebung und das willenlose Sichhingeben an die äußeren Erscheinungen. Nicht müde wird er gegen den „Jndifferentismus" loszuziehen, der ein weit schlimmerer Feind, als alle .Resormhelden zusammen. Er trägt die Schuld, daß wir so weit entfernt sind von der Lösung unserer Aufgabe, sodaß wir die Erfüllung der messiauischen Verheißungen noch nicht erreicht. Was unseren »wdernen Brüdern als so glänzender Fortschritt erscheint, ist keine Kultur, ist nur eine, freilich erstaunlich hochgetriebene Zivilisation, die mit unseren Idealen nichts zu tun hat. Im Gegenteil, sie ist ihm ein Zeichen des Verfalles. Diesen Verfall erkennt er in der Entfremdung vom Ewigen und in der Erniedrigung des Menschen. Wenn Grätz in Schir Ha-Schirim nur Liedeslieder erblickt, da kennt sein Zorn keine Grenzen, und er nimmt sein Schwert, um das von dem „großen jüdischen Historiker" geschaffene Pärchen zu erstechen. Deshalb fordert Lehmann die Entwicklung der Harmonie der geistigen Kräfte. „Dürre Gebeine vernehmet das Wort Gottes!" Vergeistigung des Sinnlichen und Versinnbildlichung des Geistigen, das wird erreicht durch das Lew tow, das ja ihm in so hohem Grade eigen war. Immer höher erheben sich Lehmanns Betrachtungen. In den letzten Jahren seines Lebens wagt er sich sogar an die Erklärung des Perek Ichirah heran. Aus den Aussprüchen von Himmel und Erde, Mensch und Tier lernen wir, daß alles nur eine Uebertragung des Unaussprechlichen in das Verstandesgemäße, daß zwar vieles nicht erreicht werden kann, aber wehe dem, der aufhört, zu streben, der seinen Blick wendet von seinem Schöpfer, den wir uns nur als einen persönlichen Gott denken dürfen, nicht etwa als eine Gottheit, die mit der Welt, mit der Natur identisch wäre. Ter persönliche außerweltliche Gott ist der Inbegriff aller sittlichen Freiheit. Er hat aus freiem Antrieb die Welt erschaffen, Der den -Empfängern.in Jerusalem liegt, und bei der die in Europa wirkenden Vertrauensmänner nur als beauftragte Sammler fungieren sollen. Wie uns von Jerusalem mitgeteilt wird, und wie sich aus dem Rundschreiben auch ergibt, hat die Deutsch-Holländische Gemeinde ferner Vorbereitungen getroffen, um eigene Sendboten nach Deutschland zu schicken und sich so von der „Vormundschaft" der Pekidim zu befreien. Obgleich die Unterzeichneten sich bewußt sind, alle ihre Maßnahmen zur Reorganisation der Chalucka im Einvernehmen mit den führenden deutschen Rabbinen und Freunden des Heiligen Landes getroffen zu haben, und obgleich deshalb der Versuch des Y'IH b*yQ einen Gegensatz zwischen Deutschen und Holländischen Freunden zu schaffen, an und für sich scheitern muß, so fühlen wir uns doch verpflichtet, den Sachverhalt in Obigem genau darzustellen, damit jede weitere Verwirrung vermieden wird. Im Interesse der Sache würde es liegen, wenn möglichst zahlreiche Empfänger der Schriftstücke aus Jerusalem den darin liegenden Versuch mit energischen Worten zurückweisen möchten, damit die Opponenten rechtzeitig zur Vernunft gebracht werden und eine Schädigung der ganzen ° Ebeit durch Fortsetzung ihres gemeingefährlichen Treibens vermieden werde. Mit vorzüglicher Hochachtung Pekidiin und Amarkalim der israelitischen Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam, B. E. E i t j e, . Präses. A, S. O n d e r w i j z e r, Sekretär. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser Appell der Amsterdamer Verwaltung in allen gesetzestreuen Kreisen lebhaften Wiederhall finden wird. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß gerade dem xvinzigen Häuflein der deutsch-israelitischen Gemeinde aus der Reorganisation auch nicht einmal scheinbar Schaden erwächst, so wird es dem Eingeweihten um so klarer, daß die eigentlichen Urheber dieses Sturmes im Glase Wasser nicht innerhalb der deutsch-israelitischen Gemeinde zu suchen sind. Die Pekidim tun recht daran, wenn sie sich nicht weiter mit der in Jerusalem jetzt wieder hervorgeholten Theorie beschäftigen, die das np*TC» Erträgnis jedes Landes sozusagen zum Monopol der betreffenden palästinensischen Landsmannschaft stempelt! Wenn man in Rußland, Ungarn, Galizien eifersüchtig darüber wacht, daß die ganze Steuerkraft der jüdischen Bevölkerung für die Zwecke der allgemeinen Landes-Chaluka erhalten bleibt, so ist das angesichts der gewaltigen Masse der in Palästina zu erhaltenden Landsleute durchaus zu billigen. Etwas mehr Concentration auf die eigentliche BHpn nonn wäre nach diesem Vorbild auch in Deutschland zu wünschen, damit die Leistungsfähigkeit der Chalukaverwaltung nicht allmählich unter der Menge der verschiedenen Palästina-Zwecke notleidet. Aber diese Chalukaverwaltung darf und wird sich das Recht nicht verschränken laffen, ihre Mittel einzig und allein deren vorzügliches Wesen, drr mit Geist und Willen begabte Mensch ist. Um nun diese Be- und Erkenntnisse auch auf die große Gemeinde seiner LZer und Freunde zu übertragen, wendet er alle Formen der Schriststellerci an und in allen betätigt er sich als Meister. Schrieb Lehmann einen Leitartikel über den laufenden Wochenabschnitt, so ergötzte sich der Große an den Chidusche Thora und der Kleine an den Herzerf reuenden Erzählungen und Gleichnissen. Und er unterhielt nicht nur, er überzeugte. Jede Korrespondenz seines Blattes trug Geist von seinem Geiste und in feinen Erzählungen zeigt er das Walten Gottes in der Geschichte. Tie Leser erleben die Kämpfe und die Siege der großen Ahnen aufs neue und stärken sich immer wieder in der Hingabe an ihren Schöpfer. So weiß er die höchste religiöse Anschauung, die tiefste philosophische Auffassung, spielend und ernst, feurig und gemächlich, eindringlich und einschmeichelnd seinen Lesern darznbieten. Es ist eben die Kunst, die Lehmann in den Dienst seiner Mission stellt. Es lebte nicht nur etwas von Rabbi Zodok in ihm, es lebte auch etwas vom Dubnoer Maggid, vom Wilner Gaon und dem Chatam Sofer in ihm. Er war der Sprecher des 19. Jahrhudderts und viele, die den Ruf Hirschs und Hildesheimers nicht vernommen, sie vernahmen den Ruf Lehmanns und dankten dem Mlgütigen dafür. Deshalb, wepn einst die Geschichte der Gotusnacht des 19. Jahrhunderts geschrieben werden wird, muß bei den Sternen, die diese Nacht erhellten, auch der dritte genannt werden: Marcus Lehmann. L. _ Ro. 15 «eite 8 nach sachlichen Gesichtspunkten und nicht auf Grund eines construierten Rechtsanspruches ohne Prüfung der Notwendigkeit zu verteilen. Die fianiifdien Brüder. Die bei öen Tschechen in Böhmen wie bei den reichsländischen Polen so beliebte Kampfparole: „Gegen Deutsche und Juden!" haben nun auch die slavischen Brüder in Rußland übernommen. In der Duma-Sitzung vom 1. Aprll, da man anläßlich der Beratung des Militair-Etats über die äußere Politik debattirte, ließen es sich die Vertreter der gemäßigten und extremen Rechte nicht nehmen, ihren patriotischen Empfindungen Lust zu machen. Und dieses Mal waren es nicht allein die Juden, sondern auch die Deutschen, die Franzosen usw. die den blinden Haß der Echten Russen über sich ergehen laffen mußten. Graf Bobrins kr klagte über die „strategische Kolonisation der russischen Westprovinzen durch die Deutschen, die selbst die Festungen besetzten und Lodz zu einer Hauptstadt Neudeutschlands machten." Er verlangte scharfe Ausnahme-Gesetze gegen die Deutschen und meinte, daß es bald an der Zeit sei, daß „Rußland gemeinsam mit seinen slaviscken Brüdern große Abrechnung halte." So weit der Vertreter der „gemäßigten" Rechte. Ihm folge der „ungemäßigte" Marko ff, der dann auch seine maßlosen Angriffe auf Frankreich ausdehnte, das „verjudete französische Heer" beleidigte und sich derart in Schimpfreden gegen Frankreich erging, daß der Präsident Chomjackow, der die Ausfälle gegen Juden und Deutsche mit philosophischer Gemütsruhe angehört hatte, dem Redner einen Ordnungsruf ertellen mußte. Daß die echtruffischen Panslavisten sich in einem Gegensatz zu Deutschland, zu Frankreich, zu ganz Europa, ja zur ganzen Kulturwelt fühlen, vermag uns nicht Wunder zu nehmen und kann der letzteren nur zur Ehre gereichen. Frellich haben sie, die Vertreter der Kulturwelt nicht alle dtese Ehre-gleich verdient. In Deutschland ist eS zwar das führende Organ der Konservativen, die „Kreuzzeitung", die in letzterer Zeit schonungslos gegen die Echtruffen ins Feld zieht und deren Treibereien ins rechte Licht rückt. Die übrige antisemitische Presse Deutschlands hält aber immer noch gute Freundschaft mit den ruffischen Gefinnungsgenoffen und bekundet ihre Wahlverwandschaft mit der antisemitischen Pyrffe Rußlands bei jeder Gelegenheit. Und erst in Frankreich? Dort sind es bekanntlich die antisemitischen Demagogen, die sehr stolz auf den großen Alliierten, auch am liebsten seine Judengesetze zum Muster nehmen Zur gereichte der Mainzer Synagogen. Ter Boden, auf dem das neue Mainz sich erhebt und nach allen Hrmmelsgegenden kräftig ausdehnt, schenkt jahraus jahrein dem Forscher wertvolle Zeug-, nisse einer vielbewegten Vergangenheit. Wenn die hoch entwickelte Kunst der Neuzeit dem Wasser und Gas, sowie den Vermittlern der elektrischen Ströme das Bett der Erde ebnet, wenn für Wohnungen und Berufsstätten ein sicherer Grund gelegt wird, treten Ueberreste früherer Zeiten in die Erscheinung, die eine stumme, aber dennoch beredte Sprache führen. Wer die Stätten, an denen sie aufbewahrt werden, die Hallen des „Vereins zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Altertümer" durchschreitet, wird über die Fülle des angehäusten Materials staunen und die Bedeutung ermessen, die es für die Aufhellung früherer Kulturen, geschichtlicher Vorgänge, des wichtigen öffentlichen und privaten Lebens hat. Eine überaus rührige Forschung hat die Funde meist schon für die Wissenschaft verwertet. Während dabei umfassende Fachkenntnis und peinliche Gewissenhaftigkeit tätig waren, sind die zahlreichen, aus dem Boden, gehobenen Denkmäler der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Mainz bis heute nur zu einem ganz geringen Teile wissenschaftlich bearbeitet worden. .Rabbiner Tr. Salfeld, hat nun nach dieser Richtung hin mit drei Synagogen-Jnschriften einen weiteren Versuch gemacht (Zur Geschichte der Mainzer Synagogen, Sonderabdruck aus der Mainzer Zeitschrift, Mainz 1909) und zu seinen früheren Arbeiten und zu den des verstorbenen Rabbiners Tr. Lehmann schätzenswerte Ergänzungen geliefert. Eine Beschreibung von mehr denn 150 Grab-