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Der Israelit · 1909-04-15 · Heft 15 (15.4.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 15 (15.4.1909)
Date
1909-04-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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wandelbar war, sondern daß sein äußeres Auftreten und Verhalten von den kraffesten Widersprüchen zeugte. Dies tritt besonders deutlich, neben der im vorliegenden ersten Teil dieser Ausführungen behandelten Zeit, in seiner charakeristischen Epoche hervor, nämlich in den Jahren 1843—1846, der Zeit der Rabbinerversammlungen und der Gründung der Reformvereine in Frankfurt a. M., Breslau und Berlin. Geiger verstand und übte die Kunst, zwei Eisen zugleich im Feuer zu haben, daS „historische" Judentum und die radikale „Ausgleichung der Lehre mit dem Leben" und je nach Bedürfnis eines gegen das andere auszufpielen. Im späteren Lebensalter erkaltete sein früher so leidenschaftlicher Eifer, auf die Gesamtheit organisatorisch einzuwirken, er zog sich fast ganz auf sein Amt und seine wissenschaftlichen Studien zurück. Meine Darlegungen behandeln im vorliegenden ersten Teil die Zeit bis 1842. Sie sollen keine Biographie Geigers darstellen, sondern eine chronologisch geordnete Beleuchtung seines religiösen Charakters, zumal wie 6r in seinen intimeren Bekenntnissen, besonders in seinen Briefen zum Ausdruck kommt. Geiger selbst hat sich gelegentlich der Rezension eines Werkes*), dessen Verfasser ein vertrauliches Schreiben von ihm veröffentlicht hatte, über seine Briefe folgendermaßen ausgesprochen: „Ich will dem Verfasser die Indiskretion, die in der Veröffentlichung eines vertraulichen Schreibens liegt, nicht zum Borwurfe machen; ich habe aus meinen Gesinnungen nie den geringsten Hehl gemacht, meine vertrautesten Briefe scheuen nicht das Licht der allgemeinsten Verbreitung." Das ist ein stolzes Wort, zu dem die folgenden Ausführungen den Kommentar liefern werden. Ich bemerke noch, daß ich, um den Leser in den Stand zu setzen, sich ein eigenes Urteil zu bllden, es für notwendig gehalten habe, die in Frage kommenden Briefe nicht in einer skizzierenden Inhaltsangabe, sondern in wörtlichen Auszügen zu bringen. (Fortsetzung folgt.) * *) I. Ritter, <§>. Holdheim. Jüdische Zeitschrift HI. SL1 8. m eines Feuilleton. Dr. m. Cebmann (Zu feinem Jahrzeitstage, am 24. Nissan.) In der ersten Rümmer, die der „Israelit" in diesem Jahre herausgegeben hat, und die das fünfzigste Jahr seines Bestehens einleitete, befindet sich ein in Hinsicht auf den Anlaß dieser Zeilen bemerkenswerter Aussatz. Er betitelt sich „Samson Raphael Hirsch und Israel Hildesheimer, ein Epilog zum Bereinstag" und in ihm wird der Gegensatz zwischen den „beiden Heroen der modernen deutschen Orthodoxie" festzustellen versucht. Die meisten Gegensätze, die Herr Dr. Breuer in der erwähnten Arbeit zwischen Hirsch und Hildesheimer festgestellt hat, fressen auch für Lehmann und Hirsch zu. Auch Lehmann ließ die moderne Bildung Mts sich unbefangen wirken und bewahrte dabei den Juden mit der alten Ghettoseele. Auch Lehmann war der echte rechte Talnrid chochom, der neben jüdischwissenschaftlichen Arbeiten (vergl. Jeschurun 18ö9.^ neben seiner homiletischen, exegetischen und belletristischen Schriststellerarbeit, neben der Begründung einer modernen Schule, der Leitung einer jungen Gemeinde noch Zeit fand, einen Kommentar auf einen Traktat des Jeruschalmi zu verfassen, der einen Rabbi *) Im „Israelit" in hunderten von Artikeln. -"7» W 15, April 1SVS KochEM-scha». Das neue Organisationsgesefe des öemeinöebunfles. „Aus der Asche des badischen Zwing-Uri soll sich nun nach dem Willen der Verbands- Kommisfion Phönixgleich ein neuer Entwurf erheben, der angeblich die religiöse Selbstständigkeit der Gemeinden unberührt läßt und sie nur zu Zwecke»» gemeinsamer Wohlfahrts- Anstalten und gegenseitiger Unterstützung zu höheren Einheiten zusammenfaßt." Mit diesen Worten haben wir vor zweieinhalb Jahren, als es galt, den Rosin'schen Zwangsgesetz-Entwurf zur letzten Ruhe zu bestatteir, seinen Erben und Nachfolger angekündigt. Nun ist er da. Gemeindebund und Verband der deutschen Juden führen das junge Rechtsgebilde in den Kreis der öffentlichen Diskussion ein, und bald muß es sich zeigen, ob die Länge des Embryonendaseins dem jüngsten Sprößling unsrer Zentrakisationspolitiker größere Lebensdauer verbürgt als es bei dem Rosin'schen Entwurf der Fall war. Diesmal wird die Kritik schärfer und eindringender sein müssen, weil alle Schroffheiten und hierarchischen Auswüchse sorgfälttg verschleiert und captationes benevolentiae in verschwenderischer Fülle ausgestreut worden sind. Prüfen wir mit Ernst und Ruhe — die religiöse Zukunft unserer Kinder und Enkel wird ja zum guten Teile davon abhängen, in welchem äußeren Rahmen sich die Entwicklung des preussischen Gemeindelebens in den nächsten Jahrzehnten vollziehen soll. öur Reorganifatlon 9er 9eutfdien Chaluha. Die „Deutsch-Israelitische Gemeinde" zu Jerusalem beschwert sich in einem an uns gerichteten beweglichen Schreiben über die scharfe Zurückweisung, die wir ihren revolutionären Gelüsten n unserer vorjüngsten Nummer haben angedeihen lassen. Die Herren sowie das mit einem Male neu aufgetauchte „Rabbinats-Kollegium" )er Gemeinde legen das Hauptgewicht darauf, laß sich in der ganzen Türkei nur verschwindend wenig Holländer befinden, daß sie daher alles Recht darauf hätten, sich als rein deutsche Gemeinde zu konstituieren, und „das Joch" der holländischen Verwaltung abzuschütteln! Wir müssen demgegenüber darauf Hinweisen, daß es sich in der ganzen Angelegenheit gar nicht um die Frage handelt, ob die Chaluka von Amsterdam,- von Würzburg, Frankfurt, Dürkheim oder von irgend einem anderen deutschen Platze aus verwaltet wird, sondern einzig und allein darum, ob die Verwaltung von Europa aus geführt, oder ob — wie es die Herren in Jerusalem wünschen — die Gelder der deutschen Palästina- Freunde unbesehen der neu konstituierten deutschen Gemeinde in Jerusalem zur beliebigen Verwendung in den Schoß geworfen werden sollen. Gelänge es der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Jerusalem, hinter der übrigens ganz andere wirkende Kräfte stehen, sich von der deutsch-holländischen Verwaltung loszureißen, und die Gaboim in Europa zu einfachen Sammelstellen für eine Jerusalemer Zentral-Verwaltung zu degradieren, so wäre damit jede Reorganisation der Chaluka und damit auch jede Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse unter der Bevölkerung Palästinas für unabsehbare Zeit vereitelt. Das ist der Grund, weshalb wir mit aller Energie immer wieder davor warnen müssen, diese neuen Jerusalemer Bestrebungen zu unterstützen. Die deutsche Orthodoxie insbesondere hat alle Ursache, im Gegensatz zu diesen Bestrebungen ihre Palästina-Organisation so stark wie möglich zu gestalten und die Sympathien aller derer dafür wachzurufen, deren Ideal der allmähliche Aufbau eines von Thorageist getragenen und erfüllten normalen wirtschaftlichen Lebens im heiligen Lande ist. Daß diesem Ziel von Seiten der-Pekidim und Amarkalim mit anerkennenswerter Umsicht und Energie zugesteuert wird, ergibt sich aus einem uns soeben zugehenden Rundschreiben, das die Pekidim an ihre Vertrauensmänner und andere SiW' ’pK* Freunde gesandt haben. Das Rundschreiben lautet: Tie Deutsch-Holländische Gemeinde zu Jerusalem (Vn SS’b) versendet an zahlreiche V^X-Frennde in Deultchland eine Broschüre unter rbm Titel: welche Heb ..in scharfen Worten gegen die von uns angeordnete Reorganisation der Chalucka wendet, die Pekidim ihres Amtes für unwürdig erklärt und ihre Abdankung firdert. In einem beigegüsgtem Zirkulare wird dem Adressaten die Würde eines ^123 der neu zu schassenden Gegenorganisation angetragen. Zur Würdigung und Erläuterung dieses Vorgehens gestatten wir uns. Folgendes zu .bemerken: Tie Verteilung der unserer Verwaltung überwiesenen Spenden erfolgt seit vielen Jahren in der Weise, daß nach einem bestimmten Schlüssel ein Teil der Eingänge (zur Zeit etwa die Halste) der ungefähr 200 Seelen umfassenden Deutsch-Holländischen Gemeinde zu Jerusalem zugute kommt, während der Rest in Heineren Beträgen züm Teil auch in Pauschal Joselman von Rosheim, den die jüdische Welt vergessen hatte, zu neuem Leben erweckte und dabei mit fast sämtlichen Talmudkoryphäen seiner Zeit Refponsen wechselte, wo er nicht immer derjenige war, der die Schaalos - machte. Tie Verehrung und die treue Anhänglichkeit an Hildesheimer verhinderte ihn nicht, daß er in dem Augenblicke, da er seine geschichtliche Mission zu erfüllen hatte, sich von der allzu blindergebenen Gefolgschaft seines Lehrers losmachte und, obgleich der jüngste, sich mutig und selbständig, seinen eigenen Weg bahnend, an die Sei-te der beiden Herren stellte. Tie Aufgabe seines Lebens erfüllte er in der Begründung und .der Herausgabe des „Israelit". Waren Hirsch urrd Hildesheimer in ihrem Wirken und Werken mehr die Lehrer unserer Lehrer, die erst aus einer gewissen Entfernung sich betätigen konnten, so war Lehmann, der unmittelbare Lehrer seines Volkes, der wahre Rabban schel kol bne ha-Gauloh. War die Titanenarbeit der beiden anderen Großen zunächst nur aus einen lokalen Kreis beschränkt, so erstreckte sich Lehmanns Tätigkeit sofort auf die ganze Welt, da war kein Dörfchen in Hinterpommern, das nicht [eine seelische Ausrichtung, seine Stärkung und Beestigung in der Emunoh durch den „Israelit" empfing, >a war kein neu gegründetes Städtchen in den jungen Ländern jenseits des Weltmeeres, das sich nicht am Sabbatnachmittag durch die Leitartikel des „Israelit" erbauen ließ. Sofort würde alles, was er geschrieben, in fremde Sprachen übertragen und der elegante französische Jude nahm es eben so gierig aus, wie oer in Kaftan und Streimel einherschreitende Jargonjude. Es wird unserer heutigen Zeit, in der jüdische Blätter wie Gräslein nach einem warmen Frühjahrsregen aus dem Boden schießen, schwer, die Begründung und Leitung eines jüdischen Blattes als ein solch weittragendes Ereignis zu würdigen; wir wollen heute darauf nicht näher eingehen, es dürfte sich dazu bald eine andere Gelegenheit bieten. Es sei uns hier nur noch gestattet, etwas über Lehmanns Schriften und Schreibweise zu sagen. Lehmann hat nicht die aus nichtjüdischem Boden emporgewachsenen Werte mrt der Thorah zu vermählen gesucht, das hätte die große Masse kaum verstanden, wie noch heute Hirschs Schriften nicht von jedem genossen werden können. Lehmann war weiter nichts — wem das noch nicht genug sein sollte — als der Verkündiger des uralten, jüdischen Ideals in moderner, zu Herzen gehenden Form. Ueber all seinem Schassen steht der Satz: Nur der Jude, der unverbrüchlich an den ihm überkommenen Ge setzen sesthält, ist bestimmt der Beredter der Menschheit zu werden, nur er allein kann den reinen Glauben der Welt vermitteln .Tenn nur dieser altmodische, mißachtete, als orthodox verfehmte Jude insonderheit hat die Kraft, .klar und sinnvoll die Welt zu erfassen und.zu gestalten und alles Geistige aus das Ethische als Letztes und Höchstes zu beziehen. Nur ein solcher Jude besitzt die genügende Kraft der Hingebung und Selbstentäußerung, nur er hat die Eigenschaft, hohe überlieferte Güter treu zu bewahren, den Sinn und die Kraft nach innen zu richten. Daher Lehmanns besondere Vorliebe für den Sohar, aus dessen Meer er den kostbaren Uebersluß saugte und eus dessen Sande er die verwahrten und verscharrten Perlen einer bewundernden Menge darbot. .So wies denn Lehmann leidenschaftlich alles zurück, was unjüdiscd ist. Alle jene Neigungen, die sich dem Wechsel ergeben und dem großen und heiligen Besitz der Seele und des Geistes untreu werden. Ein Pinchas für den Abfall, ein Eliah für die Götzen des Tages. Wie die beste Kraft des Juden, so erkannte er aber auch seine Schwächen u«b warnte vor ihnen: Tie Gleichgültig keit, gleichsam die Kehrseite der Kraft treuer Hin- «p, sumn und 2 der '! eine ireter nns erst ( stellt 1, 4. S aussp Grün toirtsc der 2 Crgoi nicht gebuv An d Brosä ander gebur Erschk differ, ^eind die S unser, irische mode» schein lich i)i nichts des 2 fremd Mens, beslie Nlld ( Neu j steche» Harm nehm, lichen erreiä Grade Nlann lieben Perek Himni alles in da reicht strebeden n dürfe» mit d weltli heit.

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