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Der Israelit · 1909-01-14 · Heft 2 (14.1.1909) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 2 (14.1.1909)
Date
1909-01-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Der Israelit. te 8 -kr. 2 nehmen, was gegen das Religivnsgesetz verstößt. Wenn diese Erklärung eine kleine Erweiterung erfahren würde, die nämlich, daß sie lautet: „im Namen des Zionismus werde nichts unternommen werden :c."; wenn ferner diese Erklärung entweder in den Leitpunkten zum Baseler Programm oder sonst irgendwie offiziell programmgemäßen Ausdruck finden würde, dann stünde vom religiösen Standpunkte aus einer Förderung der auf JiseKub Erez Jisroel gerichteten Bestrebungen des Misrachi nichts entgegen. Redner resümiert: er habe sich bemüht die Frage nach rein religiösen Momenten zu behandeln und das Minimum festzustellen, welches der sonst heute generell-uniform nicht leicht möglichen Stellungnahme zum Zionismus zu Grunde zu legen sei. Er wünsche dem Misrachi den wirklichen Sieg in dem oben bezeichneten Umfang, und das werde sicherlich dem Zionismus zur Rcgenerationsquellc dienen. sei lehrertos; die Mhilfe werde nicht selten durch die irrige Auffassung erschwert, daß das Amt des Lehrers mit dem des Schächters unvereinbar sei. Die Seminarien hätten die Aufgabe, ihre Zöglinge in den Stand zu setzen, die Aemter eines Lehrers, Kantors und Schächters zu übernehmen. Drei Wege kämen zur Beseitigung oder doch Milderung des gegenwärtigen trostlosen Zustandes in Betracht: 1) die Vereinigung der Kinder aus mehreren kleineren Dörfern zum Unterricht an einer Zentralstelle, 2) die Ueöertragung des Unterrichtes in den Dörfern an den Lehrer der nächstgelegenen Stadt, 3) Anstellung eines besonderen Lehrers für 3—5' benachbarte Orte. Die finanzielle Regelung werde in vielten Fällen mit Schwierigkeiten verbunden sein. Bei Nachweis einer Mindestzahl von 12 Bolksschulkindern haben leistangsschwache Gemeinden einen Anspruch auf Unterstützung von Seiten der Stratsregierung. An die Referate schloß sich eine vielseitige, mehrstündige Diskussion an, in der die entgegengesetzten Standpunkte zur Darlegung gelangten. Eine Gutheißung des nichtmisrachischen Zionisnüls wurde von keinem Redner beantragt. Während dagegen von einigen Seiten der Anschluß an den Misrachi befürwortet wurde und Andere erklärten, daß die Möglichkeit einer korporativen Stellnngnahnte gegenüber dem Misrachi seitens der Bereinigung noch nicht gegeben sei, wurde von dritter Seite unter Hinweis auf das nun einmal bestehende Uebel eines destruktiven Zionismus bedingungsweiser Förderung des Misrachi das Wort geredet (Hoffman n-Berlin, M. H o r o v i tz-Franksurt a. M.), von anderer Seite für das praktische Verhalten mit Rücksicht auf die vielfachen Variationen der zionistischen Bewegung jede Normierung abgelehnt und endlich die Konstituierung des Misrachi als einer selbständigen Organisation gefordert (Lerne r - Altona, B o n d i - Mainz). In vorgerückter Abendstunde wurde ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Mit Rücksicht auf die große Zahl der eingebrachten Resolutionen und die Wichtigkeit des Gegenstandes wurde die Abstimmung vertagt und behufs Herbeiführung eines positiven Resultates der Vorstand beauftragt, bis zum folgenden Vormittag auf Grund des Verlaufs der Diskussion und der vorliegenden Anträge eine Resolution auszuarbeiten, die voraussichtlich Annahme in der Versammlung finden würde. Ter Vorsitzende schloß sich der am Schluß des Korreferates dargelegten Anschauung an, nach welcher, abgesehen von den Möglichkeiten, die in der Entwickelung des Zionismus geborgen liegen, der Weg vorgezeichnet tverden könne, welcher den Zutritt zum Misrachi ermöglicht. Am zweiten Verhandlungstage wurde zunächst die Beratung über den Zionismus fortgesetzt und vom Vorstande folgende, von uns bereits dem Sinne nach bekanntgegebene Resolution vorgelegt: „1) Angesichts der Wandlung, welche die Tendenzen des Zionismus seit Festsetzung des Baseler Programms erfahren haben, sowie der Unbestimmtheit ihrer zukünftigen Gestiltung erscheint die Möglichkeit einer generellen Stellungnahme nicht gegeben. 2) Die Förderung der ans Jischub Erez Jisroel gerichteten Bestrebungen des Misrachi erscheint dann statthaft, wenn der auf dem VI. Kongreß abgegebenen feierlichen Erklärung, der Zionismus werde nichts unternehmen, was gegen das Religionsgesetz verstößt, im ai.fizielten Programm des Zionismus präziser Ausdruck gegeben sein wird." Bei der auf Grund des vortägigen Beschlusses debattelos erfolgenden Abstimmung wurde Absatz 1 mit allen gegen 5, Absatz 2 mit 23 gegen 14 Stimmen angenommen. Bei dem folgenden Punkte der Tagesordnung, welche den „Religionsunterrichtin l e h r e r l o s e n Gemeinden" betraf, beehrte der landesherrliche Kommissar beim Israelitischen Borsteheramt, Herr Landrat von Naege lein, die Versammlung mit seiner Anwesenheit. Der Vorsitzende begrüßte den verehrten Gast, der seinerseits versicherte, daß dem Beratungsgegenstand sein lebhaftes Interesse zugewandt sei. Herr Rabbiner Dr. M. L e w i n - Wreschen, der rn Vertretung des am Erscheinen verhinderten Herrn Referenten unmittelbar vor dem Bersammlungstage das Referat übernommen hatte, begann mit dem Ausdruck des Bedauerns, daß er bei der Kürze der Zeit nur beschränktes Material habe vorbereiten können. Eine unverhältnismäßig große Zahl von Gemeinden Der Korreferent, Herr Oberrabbiner D r. Baßfreund-Trier, schilderte die Verhältnisse seines Bezirks und schlug das Institut der Wanderlehrer vor. Herr Rabbiner Unna-Mannheim legt die Verhältnisse in Baden dar, die infolge der Unterstützung durch eine Zentralkasse besser lägen. Herr Provinzialrabbiner' T r. M unk- Marburg teilte mit, daß im Regierungsbezirk Kassel nur wenige Gemeinden lehrerlos seien. Aktuell sei zur Zeit die Frage, ob der gesetzmäßige Anspruch auf einen Beitrag aus dem „Resolutionsfonds" für den jüdischen Religionsunterricht in leistungsunfähigen Gemeinden auch dann bestehe, wenn der Unterricht an mehreren Orten von demselben Lehrer an insgesamt 12 schulpflichtige Kinder erteilt werde. Landrabbiner Dr. L ö b - Emden bezeichnete die Verhältnisse in Hannover als günstige, nur in einigen entlegenen Orten fehle es an Religionsunterricht. Herr Distriktsrabbiner Dr. K o h n - Ansbach führte aus, daß in Bayern jedes Kind vom 6. Jahre an Religionsunterricht erhalte. Herr Seminarlehrer Dr. M. Auerbach-Köln begründete und beantragte folgende Thesen, die einstimmig angenommen wurden: „1; Keine jüdische Gemeinde soll einen Lehrer Religionsunterricht erteilen lassen, der hierfür keinen Befähigungsnachweis hat. 2) Wenn es Gemeinden nicht möglich ist, einen eigenen Religionslehrer anzustellen, so sollen sie sich entweder mit einer Nachbargemeinde vereinigen oder ihren Kultusbeamten veranlassen, einen Befähigungsnachweis zu erbringen. 3) Zur Abhilfe der augenblicklichen Notlage bez. ües jüdischen Religionsunterrichtes in lehrerlosen Gemcinden ist die Anstellung von Wanderlehrern zn empfehlen." Zur Beratung gelangte sodann eine von den Herren Hildesheimer-Berlin, M u n k-Berlin, K o h n-Ansbach und I. H o r ov i tz - Frankfurt a. M. gestellter Antrag: „Die Generat-Versammlung der Bereinigung tradrtionell-gesetzestreuer Rabbiner hält die Gründung einer p o p ul ären Monatsschrift mit gesetzestreuer Tendenz für erwünscht und sordert ihre Mitglieder aus, eine solche tatträftigst zu unterstützen." In der Diskussion wurde die Notwendigkeit der Schaffung des geplanten Organs sowohl behufs Förderung populär-wissenschaftlicher Aufgaben, als auch zur Abwehr von Angriffen auf das traditionelle Judentum allseitig betont und der Antrag einstimmig gutgeheißen. Nachdem der Vorsitzende in warmen Worten Herrn Provinzialrabbiner Dr. Munk für die der Vereinigung in besonders hohem Maße gewährte Gastfreundschaft und für die umsichtige Vorbereitung der Versammlung Dank gesagt, wurden die Beratungen geschlossen, welche sicherlich allen Teilnehmern noch lange in wohltuender Erinnerirng bleiben werden. Karlsruhe, 12. Jan. Am vergangenen Sonntag fand hier hie Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Badenstatt. Aus allen Teilen Badens waren die Mitglieder herbeigeeilt, so daß der große Saal des Hotels Lion dicht gefüllt war, als gegen 4 Uhr der Vorsitzende, Herr Aron Ettlinger -Mannheim die Versammlung eröffnete. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Rechenschaftsbericht, dessen wesentlicher Inhalt der „Israelit" bereits in einer früheren Nummer veröffentlicht hat. Die Mitteilung, daß die Zahl der Mitglieder auf mehr als 500 gestiegen ist, wurde mit besonderer Befriedigung begrüßt. Der Verlesung - - -*'r f -ii -iri*7- - r ■ des Rechenschaftsberichts folgte eine ausgedehnte Debatte, an der die Herren Dr. Simon- Heidelberg, Lehrer Meyer -Karlsruhe, E s ch st e i rr- Freiburg, Rothsch ild-Randegg, Kaufmann- Mannheim u. a. teilnahmen. Es wurde dabei einmütig dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Organisation des Vereins künftig noch weiter ausgestaltet werden möge. Mit zu diesem Zwecke wurde beschlossen, die Zahl der Vorstandsmitglieder von 7 auf 9 zu erhöhen,- neben den ausscheidenden Herren, die sämtlich per Akklamation wiedergewählt wurden, berief demgemäß die Versammlung noch die HerrenHaas-Karlsruhe und Dr. Simon-Heidelberg in den Vorstand Nach Erledigung der Tagesorrdnung erstattete Herr Moritz A. 8 o e b - Frankfurt a. M., der auf Einladung des Vorstandes der Versammlung als Gast beiwohnte, ein Referat über „Ziele und Aussichten der Vereinigung für das liberale Judentum". Der Redner wies an Hand der Geschichte der Reformbewegnng nach, daß das sogenannte „liberale Judentum" nichts anderes sei als die alte Neologie aus den Tagen der Geiger, Stein, Holdheim und Konsorten, und daß die Firmaänderung nur erfolgte, weil Neologie und Reformjudentum noch aus jener Zeit auch in den linksstehenden Kreisen kein Vertrauen genießen. Auch dem liberalen Judentum mit seinen inneren Widersprüchen werde ein besserer Erfolg nicht beschieden sein, wenn auch für die erste Zeit blendende Phrasen über die Hohlheit seines Programmes hinwegtäuschen sollten. Zu beachten seien nur die äußeren Machtmittel, die seinen Führern in reichem Maße zu Gebote stehen. Da auf gesetzestreuer Seite nicht mit gleichen Machtmitteln gerechnet werden könne, müsse dieser Mangel durch einen engen Zusammenschluß aller gesetzestreuen Elemente ganz Deutschlands ausgeglichen werden. Köln, 10. Jan. Durch die Gnade Sr. Majestät des Königs wurden der hiesigen Religionsgesellschaft die Rechte einer Synagogengemeinde verliehen. Dadurch ist es der jungen Gemeinde ermöglicht, ihre Institutionen in ihrem, dem altjüdischen, Sinne auszubauen. Diesen rotr wird die Gemeinde ihrer festlichen Stimmung durch einen feierlichen Dankgottesdienst und abends durch ein Bankett im Hotel du Nord Ausdruck geben. An diesem Tage sind auch 25 Jahre verflossen, seitdem die Synagoge Opernstraße eingeweiht wurde. Damals sprach einer der als Gäste anwesenden Rabbiner den Wunsch aus, die Kinder (die vor einem Vierteljahrhundert die Fähnchen trugen) möchten sich dereinst als treue Fahnenträger des unverfälschten Gotteswortes bewähren. Wie herrlich ging der Wunsch durch Gottes Güte in Erfüllung! Jene Knaben sind heute die sichersten, kampferprobten Stützen unserer Gemeinde, wackere Gotteöftreiter, die das Palladium vom Sinai mit Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit verteidigen. Unser Gotteshaus ist zu eng geworden, die Zeit wird nicht allzu ferne sein, da wir gewürdigt sind, eine neue iT2rr WUn zu veranstalten. So bewährt sich auch bei uns jenes alte Wort, daß die mifl ihre Träger trägt. Der jungen Gemeinde, die schon heute über 100 Mitglieder zählt, wünschen wir ein frohes Fest und gute Weiterentwicklung: nök "QN Sr 22*11 nSx- (Auch wir geben unserer Freude über den Erfolg der Gemeinde, die als jüngste in den Kreis der orthodoxen Gemeinden eintritt, Ausdruck, indem wir uns dem Wunsche unseresverehrten Korrespondenten von ganzem Herzen anschließen. Die Redaktion.) Ungarn. Budapest, 1. Jan. Die neologe Landeskanzlei, die in letzter Zeit über das ungarische Kultusministerium äußerst ungehalten ist, weil dasselbe ihr zur Unterdrückung und Knebelung der Orthodoxie nicht willig ist, alarmiert in

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