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Der Israelit · 1909-01-14 · Heft 2 (14.1.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 2 (14.1.1909)
Date
1909-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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14. Januar 1909. Der Israelit. Nr. 2. Seite 7. später hat man, so bedauerlich an sich dieser Rechtsstand ist, ihm Gerechtigkeit auch in diesem Punkte widerfahren zu lassen gelernt, nachdem man erkannt, daß ein Mann von dieser Geschlossenheit einer Weltanschauung, die den Staatsaedanken über alle anderen sittlichen und geistigen Werte stellt, so verkehrt man diesen Standpunkt mit Recht schelten mag, zu niemandes Gunsten eine Durchbrechung dieses Prinzips zulassen durfte, ohne sich selbst untreu zu werden — und d as konnte Eduard Lasker nie . . . Unsere Thora schon lehrt, daß bp JTD7 ‘»T, daß die Vorsehung zur Vollbringung guter Taten sich nicht schlechter Werkzeuge bedient. So hat sie auch in Eduard Lasker sich wahrlich keinen Werkmeister gewählt, dessen das große Werk der Austrittsgesetzgebung sich zu schämen braucht! * * Die Enthüllung des Mendelssohn-Denkmals im Vorgarten der Gemeinde-Knabenschule, Große Hamburgerstraße, die schon am 4. d. Mts. stattfinden sollte, ist im letzten Augenblicke aufgehoben worden, weil Prof. Liebermann an dem Sockel Einiges auszusetzen fand, das nach seinen Wünschen nun abgeändert wird. Vielleicht entschließen die Herren vom Denkmal-Komitee sich bei dieser Gelegenheit dazu, auf dem Sockel folgende Worte einmeißeln zu lassen, die Moses Mendelssohns Kommentar zum Pentateuch (UI. Buch Mosis 26.26) entnommen sind und wie auf den Fall gemünzt erscheinen: „Sogar ein Standbild unseres Lehrers Moscheh, etwa mit den Gesetzestafeln im Arme oderAharon's mit der Räucherpfanne in den Händen, um mit derartigen Standbildern die öffentlichen Anlagen zu schmücken, all das ist uns verboten."!! Berlin, 6. Januar. Ein Breslauer Pastor Dr. Nitschke hatte öffentlich erklärt, bis nach 1870 hätte es in der preußischen Armee jüdische Militärärzte gegeben. Es seien aber so viele Durchstechereien bei Aushebung von Rekruten vorgekommen, daß die Heeresleitung sich genötigt sah, von der Mitwirkung jüdischer Militärärzte abzusehen. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich daraufhin an das Kriegsministerium mit der Bitte um Auskunft gewandt, ob in der Tat jüdische Militärärzte sich derartiger Vergehen schuldig gemacht hätten. Der Kriegsminister v. Einem erteilte hierauf nachstehenden Bescheid. „Auf ihre Eingabe vom 19. November d. I. erwidere ich Ihnen ergebenst, daß Fälle, in denen sich jüdische Militärzte Durchstechereien aus Anlaß der Rekrutierungsgeschäfte schuldig gemacht und Anlaß zu gerichtlichem Einschreiten gegeben hätten, mir aus meinem Geschäftsbereich nicht bekannt geworden sind." Nun bleibt nach dieser Antwort allerdings die Frage offen, warum vom Kriegsministerium, das die dienstliche Treue und Fähigkeit der Juden zugibt, dennoch dieselben bei Anstellung von Militärärzten unberücksichtigt bleiben. Die Gründe liegen üssv, wie es scheint., nns gnnz anderen Gebieten. Wie demoralisierend aber diese Taktik auf gewisse Kreise wirkt, zeigt gerade die perfide Verleumdung des famosen Pastors. Vielleicht gibt der Fall dem Herrn Krngsminister doch zu denken. Berlin, 10. Jan. Gegenüber den Akten des Barbarismus der sinn ländischen Regierung haben liberale Politiker in allen Ländern, welche s. Zt. den Freiheitskampf der Finnen gegen ihre russischen Unterdrücker mit unverhohlener Sym- Patie begleitet und durch diese moralische Unterstützung den Finnländern einen nicht unwesentlichen Dienst geleistet haben, sich für verpflichtet und berechtigt erachtet, nun auch der finnischen Regierung selber ernstlich ins Gewissen zu reden. Herr Dr. Th. Barth hat ein Schreiben an das „Berl. Tagebl." gerichtet, das überall ein Echo gefunden hat. Bemerkenswert ist auch, daß die „Köln. Ztg.", die wegen ihres offiziösen Charakters über auswärtige Dinge sich immer sehr reserviert auszusprechen Pflegt, die Gewalttätigkeiten der finnischen Machthaber scharf verurteilt. Die „Welt am Montag" gibt ihrer Entrüstung mit folgenden Worten Ausdruck: „Undankbarkeit, dein Name i st Finnland. Nur wenige Jahre ist es her, da stand Finnland am Rande des MgrundeZ. Die letzten Reste feiner alten Unabhängigkeit wurden van Oüm verfafsungbrecherischen „Friedens"zaren bedroht. Finnland appellierte an die moralische Unterstützung der Kultur- Welt. Sie wurde ihm im reichsten Matze von den Intellektuellen wie von den Sozialisten zuteil, aus Deutschland, aus Frankreich, aus England, aus Amerika. Finnland blieb frei, nicht zum wenigsten deshalb, weil das Knutenregiment Rußlands einsah, es werde es mit der gesamten .üulturmenschheit zu tun bekommen, wenn es Finnland 'vergewaltige. Inzwischen sind in Finnland die nationalistischen Finnen zur Herrschaft gelangt. Sie beeilen sich, der Knlturwelt ihren Dank abzustatten, indem sie Dutzende von harmlosen jüdischen Familien mitten im Winter aus dein Lande vertreiben. Ohne Grund, nnr ans Rassenhaß. Die Freunde Finnlands in der ganzen Welt aber fragen sich: lohnte cs sich, der r u s s i s ch e n B a r b a r e i entgegenzutreten, um finnischen Barbareien den Weg frei zu machen?" Wie man nun hört, sind all diese warnenden Stimmen nicht wirkungslos verhallt. Man besinnt sich in Finnland eines Besseren und überlegt sich noch einmal, ob und inwieweit die erlassenen Ausweisungsbefehle zur Ausführung gelangen sollen. (Siehe Korrespondenz aus Helsingfors.) Sedifte öeneral-Versammlung der „Vereinigung fraöifionell-gefebesfreuer Rabbiner Deuffchlands"- M arburg a. d. L., 1. Januar. Unter lebhafter Beteiligung der aus allen Gauen Deutschlands herbeigeeilten Mitglieder, fand, wie wir bereits in Nr. 52 kurz berichteten, am 28. und 29. v. Mts. Hierselbst in dem großen Saale des Schülerheims die sechste General-Versammlung der Bereinigung traditionellgesetzestreuer Rabbiner statt, die einen sehr angeregten Verlauf nahm. Es waren fünfzig Mitglieder erschienen. Nach einer herzlichen Begrüßungs-Ansprache des Vorsitzenden, Herrn Dr. D. Hoffman n-Berlin, Rektor des Rabbiner-Seminars, wurde in die Tagesordnung eingetreten und zunächst der Bericht des Vorstandes erstattet. Aus demselben sei mitgeteilt, daß seit dem letzten Versammlungsjahre die Zahl der Mitglieder von 86 auf 108 gestiegen ist. Den Hauptteil des Berichtes bildeten interne Angelegenheiten der Vereinigung, sowie die Stellungnahme zu verschiedenen aktuellen Vorgängen der letzten beiden Jahre. Es folgten sodann die Berichte des Kassierers, Herrn Landrabbiners Dr. Löb-Emden, und der halachischen Kommission, in deren fßanten Herr Rabbiner Dr. M. H o r ov i tz - Frankfurt a. M. über das Ergebnis der Rundfragen Auskunft erteilte, welche bezüglich einiger Ritualfragen an die Mitglieder ergangen waren. Unter gespannter Aufmerksamkeit aller Zuhörer gab hierauf Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu-München eine scharffinnige, klar und anschaulich ausgebaute Auseinandersetzung über das Wesen, und die Behandlung halachffcher Fragen. Die Darlegungen des gelehrten Redners gestalteten sich um so interessanter, da derselbe unmittelbare Einwendungen gerne gestattete und sofort beantwortete. Ein von Herrn Rabbiner Dr. Unna-Mannheim gestellter Antrag: „Es soll zur besseren Organisierung der Abwehr in der Schächtsache ein Bureau errichtet und ein journalistisches Organ ins Leben gerufen werden. Die Kosten sollen durch Beiträge der Gemeinden aufgebracht werden", gelangte nach sehr eingehender Erörterung, in der insbesondere die Frage behandelt wurde, in welcher Weise der Gegenstand des Antrags in Harmonie mit den bereits bestehenden Abwehr-Organisationen zur Verwirklichung gebracht werden könne, mit der Modifizierung zur Annahme, daß behufs der Ausführung des Antrags mit den bereits auf diesem Gebiete tätigen Körperschaften Fühlung genommen werden soll. Ueberaus lebhaft gestaltete sich die Erörterung des folgenden Beratungs-Gegenstandes über den Zionismus. Das Referat erstattete Herr Rabbiner Dr. Goitein-Burgkunstadt. Redner gab zunächst eine kurze Uebersicht über die Geschichte des Zionismus. Schon R. Hirsch Kalischer sei nicht nur aus religiösen und phrianthropischen, sondern auch aus nationalen Motiven für die Besiedelung des heiligen Landes eingetreten. Dennoch seien seine Bestrebungen von den bedeutendsten Gesetzes-AntoritÜten warm befürwortet worden. Erst mit dem Auftreten der sogenannten Zionisten, die einen jüdisch-nationalen Staat gründen wollten o h n e Zion, ohne das Judentum, die unter Ausschaltung alles Religiösen das nationale Prinzip zum ausschließlichen Motiv ihrer Bestrebungen geinacht hätten, seien diese von Seiten der Rabbiner bekämpft worden. (Protest-Erklärung vom tz. Juli 1897). Selbst die ivärmsten Freunde des Zionismus, wie Oberrabbiner D ü n n e r - Amsterdam, hätten bekannt, datz deni zionistischen Programm die eine Bedingung fehle, „das; die Erreichung des zionistischen Zieles und die Anwendung der betreffenden M a rtet unr in Uebereinstimmnng mit dem traditionellen Gesetze beabsichtigt und ansgeführt werden dürfe". Diese fehlende Bedingung nahm nun der „Misrachi" in sein Prograinm auf: „8 1. Der Misrachi ist eine Bereinigung gesetzestreuer Zionisten, die — auf dem Boden des Baseler Programms stehend — die Ausgabe und Lebensbedingungen des jüdischen Volkes in: Festhalten an.Thora und Tradition . . . sehen." Gegen diese s Programm sei seiner Ansicht nach von religionsgcsetzlichem Standpunkte ein Einwand nicht zu erheben. Redner erörtert dann die entschieden ablehnende Stcllnngnahane der ungarischen Rabbiner und der Rabbinerkommission der „Freien Vereinigung" gegenüber dem Misrachi und empfiehlt seinerseits dae einmütige Annahme einer Resolution, in der erklärt wird, datz das Programm des Misrachi in vollen: Einklang init den Lehren und 'Vorschriften des überlieferten Judentums stehe. Das Korreferat 'hielt Herr Rabbiner Dr. Kahn- Ansbach. Redner kann dein Referenten darin nicht beipflichten, daß man quasi neutral an die zionistische Frage herantrete, denn es gebe keine Neutralität: jeder fühlende Jude sei, ob Freund oder Gegner, mit dem Herzen engagiert. Tiefer Schmerz war es, der die Erkenntnis begleitete, daß man aus religiösen Grünbm einer so imposanten Bewegung im Judentum fernbleiben müsse. Hier sei zunächst Folgendes zu bemerken: Wenn die Anschauungen Herzl's (Judenstaat S. 100): „Wir erkennen unsere historisch Zusammengehörigkeit nur am Glauben unserer Väter", von Herzl selbst als zureichende Umschreibung des Begriffs Nation dein Zionismus zu Grunde gelegt worden wäre, dann wäre sicher im gesetzestreuen Lager eine prinzipielle Gegnerschaft gegen den Zionismus niemals erstanden. Denn all' die anderen Motive, welche gegen den Zionismus in's Feld geführt würden, ohne aus religiösen Bedenken abgeleitet zu sein, hätten sich nicht als stichhaltig erwiesen. Bei öer späteren Herzlichen Definition: „Die Nation ist eine historische Gruppe von Menschen, die „erkennbar" zusammengehören und durch einen gemeinsamen Feind zusammengehalten werden", hätte es einer Definition oes Wortes „erkennbar" im Sinne der oben zitierten Herzlichen Erklärung bedurft, und die Basis für eine Kooperation wäre gegeben gewesen. Der Redner möchte die Frage zunächst auf dem Gebiete der tzalacha behandelt wissen und zwar in dem Sinne, >ob in dem Zutritt zum Zionismus ein v*p s'ZNDv rrrriy vorliege. Redner erklärt sich für feine Person für inkompetent zur Beantwortung einer derartig komplizierten Frage. Die „fTYQ.y", das sei schon des öfteren ventiliert worden, liege in der prinzipiellen Ausschaltung des religiösen Moments, in der Statuierung eines rein nationalen Judentums, in welchem die Religion einen integrierenden Teil nicht bilde. Hier tue sich die Knrft auf zwischen der Schöpfung Herzl's und den. frühere», analoge«. Versuchen» wie B, dem des Rabbi Hirsch Kalischer b"l- Redner verbreitet sich noch über den Begriff des nationalen Zionismus und meint, es gebe sehr zu denken, daß die meisten Gründungen, welche von einzelnen Zionisten geschaffen wurden, wie z. B. das bekannte Gymnasium in Jaffa, religiös destruktiv wirken. Eine Unterstützung des letzteren wäre im religiösen Sinne ein crimen. Auch wenn Misrachi zur Föderation erstarke, einen Sitz im Aktions-Komitee erhalten sollte, wären damit nach Lage der Verhältnisse noch nicht die Bedenken religiöser Natur entkräftet. Denn im besten Falle ser damit Gleichberechtigung von riTSD und nicht aber die absolute Herrschaft des religiösen Grundprinzips erreicht. Nur Eines wäre imstande, die Sympathien mit der misrachistischen Bewegung in die Praxis umzusetzen: die p o s i t i v e, programmatische Anerkennung der Autorität des Religioi^gesetzes durch den offiziellen Zionismus. Zwar habe der Misrachismus bezüglich dessen Grundidee schon einen scheinbaren Sieg erfochten; das sei die wiederholt gegebene feierliche Erllärung, der Zionismus werde nichts unter- I i ■|

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