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Der Israelit · 1908-12-17 · Heft 50 (17.12.1908) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 50 (17.12.1908)
Date
1908-12-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette IS Nr. SV. Der JSraelit 17. Dezchtver 1908 r lüchsrscha«. 3nr Redaktion der Mischna. Bon Dr. Jakob Baßfreund. I.Tetl. Berlin, Louis Lamm, Verlag. Eine fleißige Arbeit liegt bot uns. Der Verfasser hat mit Sachkenntnis die einschlägige Literatur studiert und ist abweichend von Krochmal, Frankel, Weiß und anderen zur Anficht gelangt, daß die Mischna viel älter sein müsse, als jene Autoren annehmen. Aber leider konnte er kein Ganzes schaffen, weil er über einen Heros der jüdischen Wissenschaft, über Halevh fich souverain hinweggesetzt hat. Er hat wohl dessen Forschungen ge sehen — das geht, wie wir es noch oartun werben, aus verschiedenen Stellen seines Werkes und im besonderen aus den Resultaten, denen er fich nähert, hervor — aber er vermeidet es geflissentlich, den Namen Halevhs zu nennen. F r Frankel kann er nicht genug Worte deS Lobes finden, von seinen Resultatm jedoch will er nichts wissen- Halevy scheut er fich zu erwähnen, seine Resultate aber übernimmt er, soweit es ihm möglich ist. f>iese Parteilichkeit ist mehr als seltsam. Glaubte ersaffer, Halevhs Forschungen nicht berückfichtigen zu müssen, so hätten wir erwartet, baß er die Gründe hierfür angebe, d. h. daß er Halevy widerlege. Berücksichtigt er fie, — waS, wie wir erwähnten, auS vielen Stellen feines Werkes hervorgeht — so ist es unverantwortlich, daß er dem Autor nicht die Ehre gibt, ihn zu nennen. Hätte Baßfreund kein solches Bersteckm gespielt, sein Werk wäre anders auSgesallen, er hätte nicht nur zu der Anficht gelangen müsse, d.»ß die Behauptungen Frankels, Krochmals usw. unhaltbar find, sondern, daß «an bei gründlicher Durchdringung des Stoffes der Ansicht Halevhs veipflichten müssen, baß der Grundstock der Mischna schon zur Zeit der Ansche Kenesses Hagdola geordnet vorlag. Im einzelnen wollen wir noch einiges herausgreifen. Aus Settel: Die Behauptung, daß die Studien Frankels Über die Mischna bis auf den heutigen Tag grundlegend geblieben find, ist durch nichts begründet. Sette 9. Daß in HÖK fiö^l ein Beweis für eine alte Mischnahsammlung zu finoen tß, ist im flTT)*! enthalten. Baßfreund begeht die Unvorsichtigkeit, sämtliche Stellen mit Düs niD^l zusammenzutragen, ohne zu bedenken, daß manche gar nicht dazu gehören, weil fie nur auf eine bestimmte Sache Hinweisen wollen. Was will er außerdem mit einer solchen Zusammentragung von Zitaten? Doch nur den Beweis erbringen, baj mattdje CDSn aus einer alten Zeit vor R. Akiba stammen. Dafür braucht man aber keine Beweise. Die Hauptsache auf diesem Gebiete ist es, klar und zweifellos festzustellen, daß eine ganze geordnete Mischnasammiung lange vor R. Akiba, ja vor Schammai und Hillel schon in der Zeit der Ansche Kenesse Hagdola existierte. S. 9. Anm 2. Ueber die erste Mischnah in Pesachim s. D. H. Ic. S. 218. Sogar die erwähnte Bemerkung deS R. Akiba Eger wird dort berückfichttgt. S. 10. „Ja auch schon R. Gamliel" S. D. H. 230 f. «ußerden über TlZfirt üb. und üb D. H. 258 f. S. 10—13 sucht bet Verfasser zu beweisen, daß die Mischna bis vor die Zerstörung des Tempels hinaufreicht. Hier hätte er die klaren Beweise Halevhs bringe» müssen, baß schon Hillel und Schammai die eigentliche Mischna Vortag. Die vom Berfusser zitierte Stelle auS Ktddufchm hat mit der Frage nichts zu schaffen. S. 13 Anm. 2. Daß unter den 737733*1 R. Juda Reffta^ zu verstehen sei, hat Halevh zuerst behauptet und dargetan. S. 20. „BethrenischeS Synhebrin". Zur Zeit der Bne Bethera gab es kein Synhebrin. S. Dor-Har. S. 23, Anm. Was er hier anDhrt, ist in der gründlichen Abhandlung der Dor-Har Ic. S. 148f. enthalten. S. 3V. Die Ausführung find im D. H/jBb. ll zweifellos widerlegt. Hiermit wollen wir schließen. Es ist bedauerlich, daß der Verfasser mit der gründlichen Sachkenntnis, die er zeigt, nicht Vorurteilslosigkeit gegen Halevhs Forschungen verbindet, und daß er dadurch fich selbst verhindert etwas Ganzezu schaffen. S. H. Der Kosmos, sein Ursprung und seine Entwicklung. Bon Dr. K. Gutberlet. Paderborn 1908. Ferdinand Schöntngh. Glaube und Wissen könnten einträchtig nebeneinander wohnen, wenn die Gpezialforscher auf den ins Ungemeffette geteitten Gebieten der Naturwissenschaft innerhalb der für fie durch die empirische Erfahrung gegebenen Grenzen ihreS Spezialgebietes bleiben würden. Aber gar oft machen fie fich einer Gebiesüberschrettung schuldig und versteigert fich in metarphystsche Spekulationm, suchen die ihnen im voraus feststehende Anfangslofiakett und Ursprungslofigkeii der Welt durch ihrer Spezialforschung entnommene Hypothesen zu beweisen und diese Metaphysik als Refuttate der Fachwissenschaft auSzusptelen. ES ist von jüdischem bibetgläubtaem Standpunkte aus oft darauf hingewiesen worden, daß die Begründerund blinden Nachbeter solcher dm GotteSglaubm negierender Weltanschauungen offenbar nicht lediglich von einem theoretischen, sondern von praktischen Interessen getrieben verdm: ihre Metaphysik ist ihnen Herzensbedürfnis, wie fie ja in bezug auf den Ursprung der Welt keinem denkenoett Menschen gleichgültig sein kann. Jeder Mensch, der nur einmal ernstlich über den Zweck deS Lebens nachgedacht, muß fich fragen: woher bin ich, wohin gehe ich. warum bin ich auf Erden? Das ist aber die Frage nach dem Ursprung der Welt. Sie müßte konsequenter Weise zu dem Bewußtsein von der Abhängigkeit alles Geschaffenen von dem Willen eines Schöpfers führen. Eine solche Lebensanfchauung, wie fie jede pofittve Religion lehrt, muß naturgemäß ihren Bekennern in der Lebensführung Schranken auferlegen, bieder sein Ich als höchste Gottheit betrachtende Mensch nicht erträgt. Jeder, der in sich selbst sein Lebensziel haben, der seiner Bequemlichkeit und Genußsucht kein Opfer auferlegen, seine Persönlichkeit ausleben will, wird auS diesem praktischen Bedürfnis heraus gegenüber der Frage nach dem Ursprung der Welt fich ablehnend Verhalten und allen Spekulationen blindlings zustimmen, die die Ursprungslofigkeit beweisen sollen. Nur wollen diese Metaphyfiker dabei mcht einsehen, daß ihre „Wissenschaft" an den Glauben viel höhere Zumutungen stellt als die von ihnen dervehmte Metaphysik, welche t en Ursprung der Welt durch die Schöpfung erklärt. Es ist deshalb ein verdienstliches Werk, wenn eine Schrift, wie die vorliegende, den gesamten Gedankenkreis, welcher fich gegenwärtig mit der Bildung und dem Urn)er Welt beschäftigt, ins Auge saßt, um durch ttk desselben die Haltlostgkett aller mechanischen Welterklärungstheorien dazutun. Alle bedeutenden Weltbildungstheorien find in dem Buche berückfichttgt und der Verfasser hat es trefflich verstanden, durch Zitierung der Autoren den Leser von der Ungeheuerlichkeit und Abgeschmacktheit ihrer Ausstellungen zu überzeugen. Es liegt die überzeugende Wirkung dieser Kritik viel in dem Umstand begründet, daß der Verfasser, wo es nur angeht, die Hypothesen wiederum durch Fachmänner, und zwar solche, die garnicht auf gläubigem Standpunkte stehen, wiederlegen läßt. Die einzelnen Kapitel des Buches find in solch abgerundeter Weise behandelt, daß die meisten Kapitel auch für fich lesenswert und dem, der auf den Einzelgebieten der Naturwissenschaft sich mit den herrschenden Anschauungen ohne besondere Mühe vertraut und das Hypothetische von dem wirklichen Wissen scheiden will, bequem Ausschluß geben. Das Buch kann jedem, der auS dem Nebel naturwissenschaftlicher Hypothesen zur Klarheit und Natürlichkeit der gläubigen Weltanschauung fich durchringen will, aufs wärmste empfohlen werden. Gottesleugner wird man zwar erfahrungsgemäß auch durch die überzeugendste Kritik nicht widerlegen können, und zwar deshalb, weil ihre den Schöpfer negierende theoretische Weltanschauung ihre praktiswe Weltanschauung, die jener vorangegangen ist, sanktionieren muß. Wer aber nach den Worten unserer Weisen s. A. den Abtrünnigen die Antwort nicht schuldig bleiben will, wird in dem vorliegenden Buche viel brauchbare Waffen zur Abwehr finden. I. St. ErzKhlrmgen und Humoresken ans dem jüdischen Leben von Bernhard Löwenthal. Berlin. Louis Lamm. Es find sehr brave, recht moralische Geschichten, die der Verfasser uns erzählt. Bald ist's tut junger Jude, ein Künstler, bald eine schöne Jüdin, die die Liebe ersaßt zu einem Christen oder einer Christttt — und beide werden nach schwerem innern Kampf Sieger über ihre Leidenschaft und finden dann ihr Glück an der Seite eines' Glaubensgenossen. Oder es ist ein gefeierter jüdischer Sänger, von demerunS berichtet, der Ruhm und goldnen Lohn fahren läßt und als Chasen in seine HeimatSgemeinde zurückkehrt. Auf psychologische oder stilistische Feinheiten ist kein besonderer Wert gelegt, zwei kleine, einfache Humoresken beschließen den Band. R- 8. Clfcrari$c6er Sprecdral. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir betreffs der Goldbergschen Broschüre die nachfolgende kurze Richtigstellung: Wenn Herr cand. Phil. Cohn behauptete, baß fich jede beliebige Zahl in eine Summe von Multiplen der Zahlen 26 und 17 zerlegen lasse, also eine Darlegung der Form m . 26 4 n . 17 gestatte, unter m und n pofittve ganze Zahlen verstanden, so beruht das auf einem Irrtum. (Negattve ganze Zahlen kommen für die Goldbergsche Theorie natürlich nicht in Betracht.) Zwischen 1 und 100 gestatten B. nur ca 10 Zahlen einer derartige Zerlegung. Da außerdem zwischen den Koefftztenten m und n noch weitere arithmetische Beziehungen bestehen sollen, so ist von einer mathematischen Notwendigkeit jener Darstellungsweise der tm Pentateuch auftretenden Zahlgrößen absolut nicht sie Rede. Berlin, 8. Dezember 1908. Joseph Car leb ach, Lfberlehrer. Sehr geehrter Herr Redatteur! In einer der letzten Nummern Ihres gesch. Blattehat meine Schrift „Die fünf Bücher Mofis ein Zahlenzebäube" die Ehre gehübt, u. a. auch von Herrn Prof. Lulzbach einer Kritik unterzogen zu werden. Da er selbst bekennt, fie nicht gelesen zu haben, ist eS natürlich schwer, seine Ausführungen zu widerlegenich bin überzeugt, dass er selbst bei oberflächlicher Durchsicht erkannt haben, würde, daß seine Erttgeßnung auf Mißverständnissen beruht. Um aber in oer Oessentüchkett keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen, sehe ich mich veranlaßt, in Kürze auf feine Ausführungen zu erwidern. WaS zunächst die Siebenzahl anbetrifft, so ist es allgemein bekannt, daß fie im Inhalt kn 8 Pentateuch eine bedeutende Rolle spielt) fie durchzieht fast all feine gesetzlichen Institutionen und kommt — rein statistisch gesprochen — im Pentateuch allein ca. 300 mal vor.. Bisher unbeobachtet ist ihre Bedeutung für dm Srtl deS Pentateuch. Sie regelt gleichartige Sätze„ gleichartige Worte, gleichartige Suffixe, tuxgum alles, was man als gleichartige stilistische Bestandteile bezeichnen kann. So steht bei dem Bündnis zwischen Abraham und Abimelech: Abrtaham 7 mal und Abtmelech 7 mal. während tm Kampf zwischen Moses und Amalek: Moses 7 mal und Amalek 7 mal besetzt ist. Beidefind kleine Abschnitte,' der erste GmestS 21,23—34, der zweite ExoduS 17, 8—16. In dieser Weise wird ein großes statistisches Material für die stilistische Verwendung der Siebenzahl geliefert. Da fie nur gleichartige Bestandteile regelt, so müssen selbstverständlich alle ungleichartigen ausgenommen werden, well ebendas Gesetz gerade diese aus sch ließt. Die Abgrenzung kann bei der vorzüglichen Geschlossenheit jedes Abschnitts deS Pentateuch fast nie zweifelhaft fein) nur ausnahi sweife ist fie dem mehr subjektiven Ermessen anheimgestellt. Und gerade diese mehr subjektive Gruppierung hat Herrn Dr. Auerbach so gut gefallen, baß er aus der großen Fülle deS Materials ein solches Beispiel gewissermaßen als „Paradigma" angeführt hat. Für die Beurteilung der mathemattschen Setten einer Arbeit ist natürlich die Richtigkeit der von mir zugrunde, gelegten Zahlentheorie von ausschlaggebender Bedeutung. Es sei nun in Kürze nur erwähnt, daß von Mir erstmalig festzestellt worden ist, -daß die unbestimmt-analytische Gleichung xa + y b*z ihre untere Grenze im Produkte a fi hat, über das hinaus fich beliebige positive^ ganze Zahlen aus Multiplen von s d zusammensetzen, und ist dies in größeren mathemattschen Arbeiten eingehend begründet worden. In meiner Schrift wird man deshalb ckuch von etyer Kombinationszahl aus 36 und 17 nichts finden, vielmehr wird dort nur mit der einfachen Zahlen- und Ziffernadditton (Quersumme) operiert, well eben die einheitliche Darstellung des Systems eine eingehende matyemathische Fundierung erfordert. Diese habe ich Herrn Dr. Auervach, soweit es ohne ausführliche Darlegung des Einzelnen möglich ist, mündlich gegeben. Im wesentlichen können diese mündlichen MtttÄluNgev inden Satz zusammengefaßt werden, daß ich den Pentateuch dergestalt aus Multiplen von 26 und 17 darstellen werde, daß ihre Koeffizienten einer eindeutigen Determination unterliegen (wenn gleich auch die Koeffizientendetermination ihr Maximum bei ca. 60 000 erreicht). So ist z. B. d;e W rtzahl des Schöpfungsberichtes 23 X 17 4- 3 X 26, wo die - Koeffizienten 23 -f- 3 wiederum die Grundzahl 26 ergeben, oder in dem in der Broschüre zitierten Amalekbericht die Zahl der Worte 7 X 7, der Buchstaben 449 (Quersumme 17) *= 14 X 26 4 5 X 17, wo sich die Koefftztenten von Worten und Buchstaben 7 4 14 4 5 wiederum zur Etnhettszahl 26 zusammensetzen. Was aber die Bemerkung meiner Arbeit vom traditionellen Standpuntte aus betrifft, so sei — abgesehen von der Bemerkung, daß das System rein formalistischer Natur ist und die Exegese sowie mündliche Ueberlieferung dadurch nicht im mindesten angetastet wird — nur eine Stelle von Ramban an»?geführt, die darauf eine unAweideuiige Antwort gibt. In einer .Einleitung zum Pentateuchkommentar - sagt er wörtlich: KV7 mm bsw jiäk bw rbnp xm v' .Y'apit h'Ü ITTJtttP „In unseren Händen befindet fich sichere Ueberlieferung, daß die ganze Thorah der Name der Gotthett ist." Im übrigen möchte ich nur noch bemerken, daß ich meine Arbeit teils im Manuskript, teils nach Drucklegung, verschiedenen Männern von anerkannt fachmännischer Bedeutung vor gelegt und von ihnen Zusttmmungsschretöen erhalten habe. Bon den vielen Zustimmungsfchreiben, die mir vor» liegen, sei tui das wissenschaftliche Gutachten des Herrn Dr. D. Hoffmann, Rektor des Rabbinerseminars zu Berlin, erwähnt, welches lautet: „Ihre Entdeckung, baß im Pentateuch gewisse Zahlen die Wahl der Ausdrücke, der stilistischen Wen» dungen oder gar die Anzahl der Worte bestimmt haben, könnte, falls Ihnen dies an allen Ortm nachzuwetsen gelingt, für die Beurteilung der krtttschen Hypothesen von bedeutender Wichtigkeit sein. Indessen scheinen Sie mir zu wett zu gehen, wenn Ihre Untersuchungen sich auch auf die Anzahl der Buchstaben. Zahlenwerte usw. erstrecken. Denn wenn Sie auch in manchen Abschnitten in dieser Beziehung merkwürdige Beobachtungen gemacht haben, so kann' solchen veretnzeltm Erscheinungen keine besondere Be» weiskrast vindtziert werben. Sie werden daher gut tun, Ihre Urtterfuchungen N. ch den Proben, die in Ihrer Schrift dürften Ihre Entdeckungen auch sehr enthalten, das von wissenschaftlichem dessen Veröffentlichung bestens zu vn» zu beschränken, enthalten find, viel Material Werte ist, und psehlen wäre." Berlin. . O Goldbrrg. 5'

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