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Der Israelit · 1908-03-05 · Heft 10 (5.3.1908) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 10 (5.3.1908)
Date
1908-03-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Rä-MuMweiaen ihm als » . . Netzen. Wir wnntey nicht mehr unsere Armen auf das Feld hinausschicken, da wir keinemehr hatten. Doch lebte der alte Geist der Thora immer noch in den Einrichtungen des" jüdischen WohltätigkeitSweseru Wer die Einrichtung von „Kupp oh" und„Tamchui" ün Talmud kennt, wer die vielen Aussprüche unserer Weisen und die eingehenden Zedokohvorschriften bei unseren Dezisoren gelesen, weiß,' daß das Armenwesen der Juden, auch getrennt vom palästinischem .Boden, noch ein echt jüdisches blieb, in echt jüdischem Sinne den Kamps gegen die Wurzeln der Armut und des Elends, nicht zuletzt auch gegen sozialen und moralischen Niedergang führte. Einen energischen Kampf, der aber mit aller ihm eigenen Schonung und Rücksicht vom jüdischen Herzen geleitet wird. „Wer Almosen gibt, streut SaaÜörner, von denen wohl manche im Keime vergehen; wer jedoch N"v2, zweckmäßige Wohltat übt, erntet und kann des Erfolges sicher sein." So unsere weisen Lehrer. Sie erinnern daran, daß Jakob sich weder auf seine Frömmigkeit, noch auf die seiner Väter beruft, sondern lediglich auf seine mühevolle ehrliche Arbeit 'L2 ntfi Sie empfehlen in Auslegung des Thorawortes uv heddi den Armen zu unterstützen, nicht erst, wenn er völlig gesunken, sondern solange er noch sozial aufrecht steht, wie ja auch auf der achtteiligen Stufenleiter der Zedokoh im Joreh deah gerade diese Art von Wohltätigkeit, die naitffcnn nSyo, die höchste Stelle einnimmt. Wo bleibt also der sogenannte Schnorrer, der Gewohnheitsbettler, als Produkt des jüdischen Armenwesens? Er ist da, wer wollte es leugnen? Und er hat zu keiner Zett gefehlt, der Unwürdige, der oie Liebe mißbraucht und uns mit Enttäuschung erfüllt. Aber Generalisierung war nie eine Sache des jüdischen Herzens. Welcher Geistesadel drückt sich doch in yem für solche Ernzelfälle geprägten Worte unserer Weisen aus: JO'H&b ."DIB pnmi 1812. Auch die Heuchler haben ihr Gutes, da sie uns zur Vorsicht mahnen und berechtigen. Diese Vorsichtist aber ganz unangebracht dem Armen gegenüber, der ums Brot bittet niiiw*? pp-ra j'8. Und dem Herzen obliegt es, dem Elende im kleinen, wie wir ihm täglich begegnen, wie es täglich an unsere Thüre klopft, wirksam entgegen zu treten, während der erfindende Geist mit all den Mitteln der Macht und Klugheit, die ihm zu Gebote stehen, weiter seine großen Ziele verfolge und Hilfsarbeit im Großen leiste. Das eine schließe das andere nicht aus. Und sie kommen, wie^es in unserem Thora-Abschnitte heißt, mit dem edlen Trieb ihres Herzens und mit der Spende des Geistes, um gemeinsam zur jüdischen Zedokoh beizutragen. Uom badischen Kriegsschauplatz. Heidelberg,März. Das Wählbare au derGebetbu ch-G e g u e r veröffentlicht folgenden Aufruf: „Unsere Gegner streuen das Gerücht aus, daß der Oberrai versprochen habe, das Gebetbuch dort nicht in die Synagogen cinzuführen, wo auch nur einige Mitglieder gegen die Einführung wären. Schentt diesem Gerücht keinen Glauben! Damit kann nur beabsichtigt sein, die badischen Wähler irre zu litten. Wäre diese Behauptung wirklich wahr, so hätte der Oberrat keinen Grund mehr, aus diesem neuen Gebetbuch zu bestehen. Denn es könnte ja doch nirgends cingeführt werden, da es in ganz Baden, selbst in den alterneobogsten Gemeinden immer noch Männer gibt, die dem Gebetbuch feindlich gegenüberstehsn und sich gegen seine Einführung wehren. Das weiß der Oberrat. Wenn das Gerücht wirklich wahr wäre, warum sieht denn .der Oderrat ven Kampf um das Gebetbuch ruhig zu, da es doch nirgends eingeführt werden kann? Es wäre wirklich frivot von ihm, wenn ex dann nicht einfach sein Reformbuch zurückziehen würde, statt Kampf heraufzub efchwören für eine Sache, die doch niemals zur Ausführung kommen kann. Es muß deshalb einfach erfnnden sei«, der Oberr«t i*«» es nicht gesagt haben. Unsere Gegner verbretten ferner, daß auch in den Schulen diejenige» Kinder nach der.alten überlieferten Tefilloh unterrichtet werden, deren Eltern es verlangen.. Auch das kann nicht wahr sein! Wollen etwa .die Gemeinden die Steuern für zwei Lehrer zahlen? Oder kann man im Ernst daran denken, daß die Kinder gleichzeitig van demselben Lehrer nach zwei fi verschiedenen Büchern unterrichtet werden? Kann man tws einenl überzeugungstreucn Lehrer zumuten? Wir glanbe» nicht, daß der Oberrat solche Msichten h:gt, oder daß sich ha zu irgend ein jüdischer Lehrer hergeben wird, trotz allem, ivas man eben von einem Teil der jüdischen Lehrer erlebt. Die Oberratspartei hat nämlich diesen ganzen Stand gegen uns mobil gemacht. 'Geschah dies ohne Wissen des Oberrats? Hätte er dies nicht verhindern müssen, um keinen Gewissenskonflikt in diesen i von ihm teilweise finanziell abhängigen Beamten anfkommen zu lassen? I« dieser schwere« Gewissensfrage muß selbst der Schein vermiede« werden, daß Familienvater sich de« Brotherr« gefällig erweise»; Hätte der Oberrat da nicht znm mindesten feierlich erklären müssen, daß auch die Gesetzestreuen und andere überzeugte Gegner des Reformgebeibuches unter den Lehrern offen gegen den Oberrat in dieser Frage wirken dürfen, ohne Maßregelung von oben befürchten zu müssen? Welche grellen Mißstände hat doch diese leidige Gebetb«chreform des Oberrats hervorgerufen! Wir aber erwarten von dem gesunden Sinn der badischen Anden, daß sie «icht schwankenwerden und trotz aller Agitation der Lehrer für ihre Vorgesetzte Behörde ihre Stimme abgeben werden für den Frieden, für die Gewissensfreiheit und gegen das nene Gebetbuch! Wahlbnrea« der Gegner des oberratlichen «eformgebetbucheS." Man muß in der Tat schon einen hohen Grad von Naivität besitzen, um den neuesten Wahltrick der Oberratsfreunde nicht zu durchschauen! Ein Gebetbuch und Religionsbuch, das nicht ein geführt werden kann, würde ja, soweit ö ff e n t li ch e Mi tte l in Betracht kommen, geradezu eine Verschleuderung von Geldern bedeuten, deren wir den Oberrat nicht für fähig halten. Die Angst vor dem erwachenden Rechtsgefühl der badischen Juden muß in den Kreisen deS Oberrats schon einen recht hohen Grad erreicht haben, wenn diese durch den Mund ihrer Getreuen solche Legenden wie die von dem nirgends per majora einzuführenden Gebetbuch verbreiten lassen. Mannheim, 25. Febr. Der badische Ober-, rat und seine Frennde haben angesichts, der kommenden Synodalwahlen das Bedürfnis, die Toleranz und Gerechtigkeit der gegenwärtigen Machthaber ins hellste Licht zu stellen und die Bosheit der Orthodoxen, die eS wagen, sich ihrer taut zu wehren, gebührend zu brandmarken. o erschienen dieser Tage in der „Straßburger Israelitischen Wochenschrift", einem in Gebweiler herausgegebenen Wochenblatt unter der Spitzmarke „die Juden in Baden" und „die Wahlen zur badischen Landessynode" zwei Arttkel, die ebenfalls bestimmt sind gegen die Feinde des Reformgebetbuches Stimmung zu machen. Der eine sucht in der bekannten Weise den Streitpunkt zu verschieben und behauptet schlankweg, es handle sich bei dem ^Wahlkampfe gar nicht in; erster Linie um das Gebetbuch, sondern um die Beseitigung der staatlichen Organisation des badischen Judentumseine Behauptung,, welche die Artikelschreiber durch nichts beweisen können und die dank dem gesunden Sinne der jüdischen Bevölkerung Badens, der sich gegenwärtig allerorten zeigt, selbst nicht mehr auf naive Gemüter wirken dürfte. In dem zweiten Artikel wird hervorgehoben, was alles die liberale Mehrheit schon für die orthodoxe Minderheit geleistet hat. Nun leugnet frelich niemand, daß die Liberalen den größten Teil der Steuern aufbringen und damit auch zur Erhaltung der kleinen Landgemeinden am meisten beitragen. Der Kamps richtet sich auch ^ar nicht gegen die Liberalen, die zum größten Teil der Gebetbuchfrage gleichgültig gegenüberstehen, sondern ^egen die wenigen Männer, die ihre Macht dazu benutzen wollen, um ihre Lieblingsideen durchzuführen und die badische Judenheit mit einem Reformgebetbuch zu.beglücke». Die Darstellung der Mannheimer Berhältniff^wie sie jener Artikel ziebt, bedarf jedoch. Es heißt darin : „In Mannheim hat dhe Gemeinde den Orthodoxen die schöne Kläusfynagoge eingerämt und an dieser einen eigenen orthodoxen Rabbiner, Kantor usw. angestellt". Es ist zwar richtig, daß die offiziellen Kreise i« Mannheim von jeher mehr Toleranz und Gerechtigkeitssinn bewiesen haben, als die in Karlsruhe. Bon einer „Einräumung" der Klausfynagoge kann aber schon um deswillen nicht die Rede sein, weil diese Synagoge, die mit der uralten von dem frommen Lemle Moses^ zu Zwecken des Thorastudiums gestifteten Klaus in Verbindung steht, von jeher orthodox geführt wurde. Die Stiftung wird zwar vom Synagogenrat verwaltet, hat aber ihr eigenes Stistungskapital, von bon Rabbiner Kantor usw. besoldet werden - sie kostet also die Gemeinde keinen Pfennig. Sie erspart der Gemeinde im Gegenteil eine namhafte Summe, da die mit ihr verbundene hebräische .Schule die Gemeinde Mannheim der Notwendigkeit überhebt, gleich der Karlsruher Gemeinde selbst eine solche einzurichten. Daß aber die Gemeindeverwaltung die Orthodoxen nicht etwa durch Oktroyierung einer Orael aus der Klaussynagoqe hinaustreibt, und daß sie ans Kosten der Stiftung orthodoxe Beamte anstellt, wird auch der Schreiber jenes Arttkels nicht als eine übertriebene Toleranz auffaffen können. Genttni ngen, 1. März. Heute Nachmittag 4 Uhr hatten wir das Vergnügen, einen feurigen überzeugungstreuen Redner gegen das oberrätliche Gebetbuch sprechen zu hören. Die Versammlung fand im israelitischen Gemeindehaufe statt. Erschienen war die ganze Gemeinde Gemmingen samt Frauen und Kindern, zahlreiche Fremde aus Flehingen, Eppingen, Bretten und anderen Gemeinden, sodaß der Saal dicht gefüllt war. Auch die oberrätliche Opposition, welche um 2 Uhr in Eppingen eine Versammlung abgehalten hatte, sowie eine Menge anderer Gäste jener Versammlung kamen in die Gemming'er Zusammenkunft. Die Opposition bestand aus dem Oberratskandidaten Herrn Heinsheimer aus Bretten und Herrn Reallehrer W e i l l e r von ebenda. Herr Vorstand Dinkelspü h l er eröffnete die Versammlung. Der Redner, welcher von dem rührigen " Abwehrkomttee gewonnen war, ging von dem vorher gehaltenen Minchagattesdienst aus und sagte, sein Synagogennachbar hätte ihm eine Tephilla gereicht und in dieser hätte er sich sofort ausgekannt, da es ja dieselbe wäre, die er in seiner drei Schnellzugs-- stunden entfernten Heimat auch benutze, und käme er auch ins. Ausland, in die entfernteste Stadt zur Synagoge, so bete man dort genau in denselben Worten, den gleichen Gedanken und Gesinnungen, wie zu Hause, und bedürfe er der Hilfe, so brauche er ohne ein Wort zu sprechen mv aufvdie Tephilla zu deutM » fich-dvvch Teilnahme an dem gleichen Gememdegebet als Glaubensgenosse und Bruder zu zeigen und es würde ihm ohne weitere Bitte die erwünschte Hilfe zu teil. Diese brüderliche Gemeinschaft soll nun für die badischen Juden anfhören. Durch ihr neues Gebetbuch treten sie aus der Reihe der Brüder aus, denn für sie gelte nicht mehr die alte, ruhmvolle Vergangenheit mit Tempel und Opfer, sie schließen sich aus von der herrlichen Zukunft des Messias und der Wiedererrichtung von Staat, Tempel und Opfer und von der von den Propheten und der Thora verkündeten Erfahrung der unmittelbar und deutlich in die Augen tretenden Gotteswaltung. Die badische Judenheit würde mit ihrem neuen Gebetbuch nicht mehr für die Kranken Israels, nicht mehr für die Richter und das Sanhedrin Israels beten. Ausgelöscht sei auch die Erinnerung an die erhabenen Propheten Israels, das Kodausch des Jesaja, das Boruch Kewaud des Jecheskel sei den badischen Juden genommen. Denn, wenn es auch noch im Schemone esre stehen geblieben, so sei es doch im borchu und im uvo keziün gestrichen, sodaß also der allein Betende es nicht auf seine SÄe wirken laßen könnte. D«m verhältnismäßig selten P es auchdem FromrWn möglich, am G«neirü«gotteSdienfte sich zu he- < ML

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