Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1907)
- Date
- 1907-09-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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'De* WWW RRPÜR WWW « 12.Septewber M)7. r- K zwischen dem Reptll und dem Säugetier." logisch gesprochen die Sekundärzeit der Die Versteinerungen dieses Tages, welcher zunächst Trias, Jura und Kreide umfaßt, fördern riesengroße Landtiere zü Tage: Die lgnanodonten Schlangen, den Brontosanrns und andere. Neben ihren aber erscheint jetzt auch das Säugetier Man kann es dem Naturforscher nur nachfühlen, wenn er im Anblick dieser großen Zeit versunken, beinahe trunken ausruft: „Doch das ist ja eben das Allertiefste, Allerbedeutsamste einer geläuterten und wahrhaft vereinheitlichten Naturauffaffung, ' daß sie überall die starke Hand des gleichen Gesetzes erfennt. Vor der Allgegenwart dieses Gesetzes . in Zeiten und Räumen wird der schöne Psalmenspruch wirklich wahr von den Flügeln der Morgenröte, die dich doch nur wieder dahin , führen würden, wo es waltet. Es ist auch im Brontosanrus." Der Abend des sechsten Tages rückt heran. Die Erde verändert während der Kreidezeit ihr sÄHflmes Kleid und bekränzt sich und sticht bunte Mumengurrlanden in ihr Haar. Die PflanzenwW tritt zusammen mit all ihren paradiesischen Formen, ein Fest vorrubereiten. „Da pflanzt der Weltgeist einen wunderbaren Garten. Blaue Ströme fließen aus ihm herab, und Gold kommt mit chnen, Gold vom Paradiese." Die Schöpfung empfängt ihr „Jubelgeschenk", den Menschen. Das Paradies aber muß in der Tat ein Urwald von ungeahnter Göttlichkeit mit ewigem Sommer gewesen sein, in dem „die Flora ihr Meisterstück im Bereinigen aller ihrer Leistungen" geschaffen. In einem ewigen feuchten Sommer bis zum Pol vereinigte sich die „herrliche Vegetation" oer Kreidezeit wie „riesige Fächerpalmen, Pisangs, Drachen- und Lebensbäume, Campher, Zimt, Aralien, Lorbeer und Judasbäume" mit den Farren der Steinkohlenzeit und dem Nadelholz des Trias und Jura: „fremdartige Kiefern im rosig angehauchten Blütenschnee. Das Bernsteingold diefts Paradieswaldes träufelte aber noch in seine Ströme nieder, die es dem Meere zutruaen — da erschien im Walde der Mensch." Palaologisch erscheinen die ersten Spuren des Menschen, die Eolithen, bearbeitete Steinwerkzeuge, in der Mitte des Tertiärs, zu einer Zeit „als die ganze pflanzliche und tierische Schöpfung zum erstenmal ungefähr fertig dasteht." „Noch schließt der alte und erdumspannende Paradieswald jene Tage als fein tiefstes Geheimnis ein, wo der Mensch zu erst in ihm gelebt hat. Aber ■ etwas wie Duft des Paradieses als Friedensasyl muß wirklich darüber gewesen sein. Vielleicht war die giftige Schlange allen Ernstes der einzige Feind, der darin lauerte." Aber, ach, nur kurz war der schöne Traum. „Gewiß ist, daß auch die Geologie in ihrer Art eine Austreibung aus dem Paradies kennt. Von /neuem,, wie einst am Abend der waldsrohen Steinkohlenzeit, folgt auf die fabelhaft üppige, wahrhaft paradiesische Vegetation der tropischen älteren Tertiärzeit eine allmähliche Abnahme der Wärme, die um den Ausgang der Epoche zu einer Katastrophe führt." --Noch einen wehmütigen Blick in das Sonnengold der Kindheit, und dann fort — für immer. — Aber auch diesmal nicht ohne Erbarmen. Einsam und einfältig und sorglos, unter Tieren spielend nahm der Garten des Paradieses den Menschen aufängstlich und treu besorgt, mit liebender Brust und erleuchtetem Herzen, gereift zum zoon politicon, schickte er ihn hinaus in die kahle eisige Einöde. Während Mastodon und Mammut hilflos im Gletschereis versinken, schmilzt Eis und Kälte am trauten Feuer seines heimatlichen Herdes."-Himmel und Erde und all ihr ungezähltes Heer waren vollendet. Der siebte Tag brach an. Der Schöpfer schloß sein Werk. Doch ruht sein Schöpferwille fort in ihm, auf daß es, wie er es hineingelegt, fortan nun wirke.- auch der Widerstrebende ahnt die Wahrheit.des Gotteswortes: „Es ist eureWeisheit und eure Einsicht bei den Völkern!" Nur ein kurzer anderer Völker, der ' und Babylonier, auf Blick auf die Kosmogeni^ Arider und Griechen, Assyrer Odyssee und Gilgamesch, und 1818 Hebrew Encydopedia of all Matters concemlng Jews and Jndaism, complete in 10 Volume». I. D. Eisenstein Editor, New-Iork 1907. Bol. . I. Irr-«. Das Bedürfnis nach einem sichern, wegeknndigen Führer durch das weite, vielverzwetgte Gebiet der talnmdischen und hebräischen Literatur hatte bereits vor zwei Jahrhunderten Jsak Lampronti zur Abfassung seines umfangreichen ReallexikonS veranlaßt. Dieses Bedürfnis ist durch die Erweiterung des modernen jüdisch-theologischen Studiums, namentlich durch intensivere Berücksichtigung der Aggüdah und Kabbalah, der jüdischen Bibelexegese, der reugions-philosophischen,' sprachwissenschaftlichen und poetischen Literatur der Juden und vor allem der unvergleichlich großen, vom grauesten Altertum bis auf die jüngste Gegenwart fortgeführten Geschichte der jüdischen Gesamtheit wie ihrer Einzelgemeinden noch erheblich gewachsen und hat nach mancherlei Vorarbeiten in neuerer Zeit zu dem an sich großartigen Versuch, die Arbeitskräfte der einzelnen Fachgelehrten zur Herausgabe einer „Jevish Encydopedia" zu konzentrieren geführt. Doch schon zwei äußere Umstände, die Wahl der vielen Juden unzugänglichen englischen Sprache sowie der naturgemäß hohe Preis dieses Riesenwerks rechtfertigen das Unternehmen Eisensteins, eine jüdische Encyklopädie in der allen Juden gemeinsamen, heiligen Ursprache in gedrängter Form zu schaffen. Aber nicht nur in Sprache und Anlage, sondern auch in der Tendenz unterscheidet sich der?811£n 1818 von seinem unmittelbaren Vorgänger, denn er will in jüdischem Geist zunächst Juden über ihre Geschichte und jüdischen Geistesprodukte aufklärenfern von lustigen Hypothesen der aüflvsenden Kritik will er die positive Tradition objektiv wiedergeben und in weiser Selvstbeschränkung alles nicht zum Judentum Gehörige ausschließen. Soweit der bisher erschienene 1. Band ein Urteil zuläßt, ist das Werk diesen Zielen, die der fachkundige Herausgeber sich und seinen Mitarbeitern gesteckt hat, im allgemeinen treu geblieben. In einfachem, möglichst reinem und darum leicht verständlichem, gefälligem Hebräisch werden nach diesen Grundsätzen die einzemen Artikel in besonnener Auswahl sachgemäß dargestellt. Wesentlich wird der Genuß und Gewinn der Lektüre durch eine klare, logisch-übersichtliche Anordnung nicht nur der geschichtlichen Partien sondern auch der religionsgesetzlichen und selbst kabbalistischen Themata (vgl. 5. v. F)1D p8 ni^JK/ DKDIttn ni28/ ppn % 228, nW8) wie die einzelnen, trefflich behandelten Realbegriffe wie -1218, s^8 D81 28, nnri8, u. A. Da wo der Herausgeber, dem die meisten der bisher behandelten Artikel angehören, selbst Stellung nimmt gegen übliche oder oft verbreitete Entstellungen wie bei der gediegenen Charakteristik des mit Unrecht zum einseitigen Erschwerer (TIDnD) herab gedrückten. R. Moses Jfferles, wird man seinen überzeugenden Ausführungen unbedingt zustimmen. Anzuerkennen ist auch die gründliche Darstellung der Geschichte der einzelnen jüdischen Gemeinden der alten wie der neuen Welt unter Verwertung der neuesten, statistischen Ermittelungen, ebenso wie daß in einer „Geisteskammer Israels" die Bilder seiner Häupter mit dem Kranze der volkstümlichen Aggadah geschmückt erscheinen, wenn auch bisweilen dieselbe einen zu großen Raum einnimmt. Ueberhaupt wird man bei einem so vielseitigen, umfassenden Werk nicht erwarten können, daß es in allen Teilen gleich gut und vollkommen ist. Bei einzelnen Artikeln wird die Berücksichtigung der einschlägigen neueren Literatur vermißt, so bei Süß Oppenheimer S. 209 die Ermittelungen Kroners, bei 218 S. 168 Joels Programmarbeit, bei Akiba Eger selbst Bin) Hamburgers Real-Encyklopädte war mehr als einmal (S. 216) zu nennen, ebenso sein Geist der Haggadah. Wieners Reallexikon wäre wohl gleichfalls öfters wie 8. v. Urim zu erwähnen gewesen. Unbegründet erscheint auch bei der Behandlung des sonst sehr instruktiven Arttkels ni2D18 der Sprung vom Altertum zur Neuzeit. Der Begriff: „Orthodox" ist auch etwas zu stiefmütterlich behandelt, obschon die größtmögliche Objekttvität erstrebt wird. Ganz ungerechtfertigt erscheint es dagegen, daß die Grätz'sche Hypothese von den Ebjoniten in einer hebräischen Encyklopädie über Gebühr breitgetreten wird. Doch sollen diese und ähnliche Ausstellungen den günstigen Gesamteindruck des auch äußerlich gefälligen und vornehm auSgestatteten Werks keineswegs herabdrücken, vielmehr sein hoher informativer Wert unumschränkt zuaestanden werden. ES bedeutet nicht bloß für die östlichen Glaubensgenossen ' ein edleres jüdisches Kutturwerk, sondern es ist ihm auch in den Kulturländern eine größere Verbreitung zu wünschen, um auch die gebildeten Juden von dem Reichtum ihrer religiöS-nationalen Literatur, Geschichte und last nost least Sprache zu überzeugen, vorausgesetzt, daß der 1818 seinen ursprünglichen Zielen getreu zur Vollendung reift. Dr. Wreschner-Samter. [ —- Der Baalschern von Michelftadt. Kulturgeschichtliche Erzählung von Judäus, Band I. der Belletristischen Bibliothek des Israelit. Frankfurt a. M. 1907. 189 Seiten. Preis Mk. 2.—, elegant gebunden Mk. 2.50. Was wir an dieser Stelle vor eMigen Monaten als- Herzenswunsch ausgesprochen, ist rascher, als wir eS dachten, in Erfüllung gegangen. Judäus hat unS mit einem neuen Kinde seiner Muse beglückt, das sich, wenn auch nicht an Umfang, aber an Gedteg«cheit des Inhalts und der Form würdig dem Vorgänger anschlteßt. „Aus unbekannter Welt" scheint die Verbreitung gefunden zu haben, die eS so sehr verdient, wenn ich aus einem mir bekannt geworbenen Falle auf viele andere schließen darf. Als Barmizwoh-Geschenk erhielt mein junger Vetter von sechs verschiedenen Seiten dieses selbe Buch. Ein Beweis dafür, nicht nur wie paffend man dieses Buch für solchen Zweck hält, sondern auch welcher Mangel an Auswahl auf diesem Gebiete herrschen muß. Nun, der „Baalschem" ist geeignet, ebenfalls diesem Mangel abzuhelfen, denn auch er kann nicht warm genug als Lektüre für Jung und Alt empfohlen werden. Er enthält die Levensgeschichte ves wie ein FelS ins Meer noch in unsere Zeit hineinragenben Rabbi Seckel Löb aus Michelstadt im Odenwald. Alle über 60 Jahre ' alten Zeitgenoffen haben ja noch einige Jahre mit ihm zugleich gelebt und gewiß haben viele, selbst ungelehrte, schon von ihm gehört. In dem Dorse, in welchem meine Wiege stand, hat man nicht viel von jüdischen Größen, gewußt. Die einzigen Namen, die mir aus meiner Kindheit in Erinnerung geblieben, find Löbele-Fürth, von dem man lustige Streiche und tolle Einfälle ä la Eulenspiegel erzählte, und der Baalschem, von dem allerlei Wundergejchtchten, Krankenheilungen, Geisterbeschwörungen zum Besten gegeben wurden, die aber auf uns gierig, lauschend^ Kinder nichts weniger als segensvollen Einfluß übten. Dieser Wundergeschichten nun erzählt bas Buch eine ganze Reihe mit der Judäus zu Gebote stehenden Lebhaftigkeit, Schlichtheit der Form, Erhabenheit der Gedanken und Reinheit der Gesinnung, und weiß die Teilnahme und Spannung des Lesers zu fesseln bis zur letzten Sette und bis zum letzten Wort. Es find wunderbar schön erzählte Geschichten, an denen das Wunderbarste und Erfteulichste ist, daß sie gar keine Wunder berichten, sondern natürlich verlaufende oder zum Schluß ihre natürliche Erklärung findende Begebenheiten, aus denen man lernen kann, was echte Frömmigkeit, grenzenlose Menschenliebe und durch die Beschäftigung, mit der Gotteslehre geschärfte Weisheit vermögen. In ihrer Gesamtheit geben die Geschichten nicht nur ein klares Lebensbild des einzigartigen Frommensondern gewähren auch einen Einblick in die jüdischen und allgemeinen Zeiiverhältniffe, die mit den unsrigen so sehr konttastieren, obschon sie doch gar nicht so weit zurückliegen. Das Büchlein erfüllt, was es auf dem Titelblatt verspricht, es ist eine „kulturgeschichtliche Erzählung." „Ist denn auch alles wahr, was hier erzählt wird?" fragte mich nach der Lektüre mein Sohn. „Im Grunde und den Hauptsachen nach gewiß", konnte ich ihm unbedenklich antworten, find doch zum Teil genau die Quellen angegeben und in unsere Tage hineinreichende Männer als Zeugen angeführt. Einzelheiten mögen ausgeschmückt sein. Vielleicht hat die Versteigerung der Mizwauß nicht ganz so sich zugetragen, wie es im Eingang geschildert wird, vielleicht hat der Baalschem als ganz -junger Knabe nicht ganz so schlagfertig und klug dem Grafen geantwortet, als es ihm hier in den Mund gelegt wirb. Jedenfalls kann es so gewesen sein, paßt alles in den Rahmen der Zeit und zu dem Charakter der vorgeführten. Personen, und uns kann es gletchgllttg sein, ob Judäus der geistreiche Erfinder oder der einfache Berichterstatter ist. Freilich hätte auch ich eine wesentliche Vermehrung. der eigentlich biographischen Nottzen Lerne gesehen, z. B. Einzelnes aus den Grabreden der Rabbinnen, die Aufschrift auf seinem Grabsteine, Näheres und Ausführliches über seine Schüler und dergleichen. Gerne möchte ich auch den Grund wiffen, weshalb der Baalschem erst am dritten Tage-nach seinem Hinscheiden, beerdigt werden wollte (S. 169), weshalb er den Wechsel des Gasthauses tadelte, obschon doch Grund zum Wechseln vorlag (S. 52), wieso er die für Aerzte re. ausgegebenen 1600 fl. (S. 100) in die Erfüllung des Gelöbnisses mit einrechnen konnte. Das Buch, daran zweifle ich nicht, wird gar bald in 2. Auflage erscheinen müffen. Es sollte mich freuen, wenn der Berfa», er alsdann meinen Bemerkungen Beachtung schenken möchte. vr. S. C.