Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1907)
- Date
- 1907-09-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Der €nkel. eurüeton. Erzählung von Friedrich Rott. 6) (Fortsetzung.) „Um Gotteswillen, Louis!" ries diese, auf ihren Gatten zueilend, „was ist vorgefallen?" „Nichts arges, liebes Kind," sagte Gotthold, ein Lächeln erzwingend, „hat der Herr Doktor Dir nicht gesagt —" „Doch,doch,"^fielder Arzt.ein,. „ich habe der gnädigen Frau bereits mitgeteilt, daß Ihr Herr Sohn Sie ersucht hat, mit dem nächsten Zug nach M. zu reisen, Weil ein Keffel gesprungen ist und in der Fabrik alles alles drunter und drüber liegt." „Wenn ich nur sicher wäre, daß unserm Albert nichts geschehen ist — was meinst Du, Louis?'< Er zuckte die Achseln. „Ich hoffe das Beste, aber wenn Du besorgt bist, könntest Du doch mitfahren." „Ja, ja, das werde ich tun, ich hätte hier keine Ruhe bevor ich mich mit meinen eigenen Augen überzeugt habe, daß ihm Nichts geschehen ist. Aber da müffen wir unve^üglich nach Hause fahren, sonst wird es zu spät. Wir müffen doch einen Handkoffer mitnehmen, wenn wir vielleicht über Nacht dort bleiben möchten. Meinst Du nicht?" Gotthold war es inzwischen möglich gewesen, wenigstens äußerlich seine Fassung wieder zu erringen. „Gewiß," sagte er, „wir müssen vorbereitet sein, über Nacht fortbleiben zu können. Dürste ich Sie bitten, Herr Doktor, unseren Kindern und Herrn Schröder mitteilen zu wollen, daß wtt veranlaßt waren, uns auf französische Manier zu empfahlen?" „Sorgen Sie nicht, ich werde es bestellen. Ich habe auch bereits Ordre gegeben, daß ein Wagen für Sie bereit steht." „Besten Dank, Herr Doktor. Komm' Louis, laß uns eilen." Sie nahm den Arm ihres Mannes und beide 'entfernten 'sich eilends, indem sie dem Zurückkleibenden grüßend zuwinkten. Bor dem Hause fanden sie den ihrer harrenden Wagen, Gotthold war seiner Frau beim Einsteigen behilflich, dann stieg auch er ein und setzte sich neben sie und der Wagen rollte davon. Ihm war so weh, so unaussprechlich weh, unwillkürlich ergriff er die Hand seiner Frau und hielt sie mit warmem Druck umschlossen. Sie mißverstand seinen Händedruck. „Es war doch ein schönes Fest heute — ich habe auch nie ein schöneres Brautpaar gesehen, wie unsere Kinder — wie für einander gefchafstn." Was er erwiderte? — Der Wagen rollte eben über holperiges Straßenpflaster, das Raffeln nnd Rütteln machte vermutlich seine Worte unverständlich. Endlich hatten sie ihre Wohnung erreicht. Gotthold hatte den Hausschlüssel bei sich, schloß auf und zündete einen Wachsstock an und so begaben sie sich hinauf in ihre in der ersten Etage gelegenen Wohnung. Hier, war der Flur noch erhellt und jetzt Brst gewahrte Frau Gotchold, wie Mich uNd entstellt das Angesicht ihres Gattten war: Nr. 37 des „Israelit". „Um Gotteswillen, Louis! wie siehst Du aus! fühlst Du Dich nicht wohl?" „Sei unbesorgt, Kind, ich fühle mich ganz wohl, aber T)u wirst doch zugeben, daß es nicht zu den Annehmlichkeiten gehört, das Berlobungssest des Sohnes mit einer Reise in der rauhen stürmischen Winternacht schließen zu müssen." Sie zuckte die Achseln. „Wenn es weiter nichts ist. —" „Ich bewundere Deine Elastizität." „Ich weiß nicht, was Du so nennst. Wenn ich nur unseren Albert erst frisch und gesund gesehen habe und sicher bin, daß kein Menschenleben zu Grunde gegangen ist, dann kümmert mich die Reise in der Winternacht sehr wenig." Er athmete schwer auf. „Wir haben nicht viel Zeit, es ist gleich ein Uhr, nach Drei müffen wir zum Bahnhof fahren. Ich werde unsere Leute wecken. Du mußt Dich vor allem umkleiden, mußt vermutlich für die Zeit unserer Abwesenheit verschiedene Anordnungen treffen und einige Wäsche und dergleichen in den größeren Handkoffer' packkn lassend " „Freilich, freilich, ich muß eilen um fettig zu werden." Raschen Schrittes begab sie sich in das Schlafzimmer um sich der Festkleider zu entledigen und eine warme Reisekleidung anzulegen. Schmerzlich seufzend blickte er ihr nach. Sie war noch so ahnungslos, hoffte noch den fernen Sohn frisch und gesund anzutreffen — und — wie sie ihn treffen würden? — Er fühlte seinen Herzschlag stocken, der Atem versagte ihm — Fort mit allem. Denken! — er durfte nichts denken, als daß er seine Frau stützen müsse. — Und vielleicht würden sie ihn doch noch treffen. — Allerdings schwer verwundet — und die telegrafische Aufforderung des Arztes, die Eltern müßten sofort hinkommen, ließ wenig Hoffnung. — Ein Aechzen entrang sich seiner Brust. — Nur nicht denken! — Nur nicht denken! * * * Die Vorbereitungen zur Reise waren rechtzeitig beendet, sie hatten auch noch eine Taffe starken heißen Kaffee getrunken und dann ging's hinaus in die stürmische finstere Nacht. Der Zug war wenig besetzt, sie waren allein in dem wohldurchwärmten Coupee, sie konnten die schweren Ueberkleider ablegen und sich auf den gepolsterten Bänken der Länge nach ausstrecken und schlafen, wenn sie schlafen konnten. Das Heulen des Windes wurde übertönt durch das laute Rasseln des Zuges, das durch seine Eintönigkeit den Schlaf mehr förderte als hinderte.' Gotthold hatte die Genugtuung seine Frau sehr bald in ruhigem Schlummer zu sehen, ihn aber floh der Schlaf, er saß ihr gegenüber und starrte mit weit offenen Augen auf die Schlafende und unablässig mußte er an das Grauenvolle denken, das ihr und ihm bevorstand an dem kommenden Tage. Wie würden sie den Sohn treffen? Explosion im Laboratorium, Gotthold schwer verwundet, Eltern sollen sofort kommen. — So lautete die Depesche, was war da zu erwarten? — Ein schlecht unterdrücktes Wimmern entrang sich seiner Brust. Nock lag der Widerschein der gestrigen freudevollen Sttmmung aus dem lieblichen Angesicht der Schläferin, noch ahnte sie nichts von den Schreckniffen, die kommende Tage ihr bringen würden. — Grauenvolles Spiel des Zufalls! — Gestern aus dem Gipfel des Glücks und morgen — er schlug die Hände vor's Gesicht und ächzte laut. — Und in ihm tönte es seltsam fragend: „des Zufalls?" Fort und sott mit dieser Sttmme! — er kannte sie nicht und wollte sie nicht kennen. — Er wollte nicht denken! — er durfte nickt denken — um alles in der Welt, nur nicht denken! Unwillkürlich wandte er den Blick zum Fenster. Es schneite und stürmte noch immer und durch die dicht herniederfallenden weißen Flocken wälzte sich gleich einer ungeheuer« schwaitzon Riefen- ' schlänge der Dampf, der der dahin brausenden Lokomotive entströmte, und aus dem unabläfftfl feurige Funken sprühten. (Fortsetzung des Feuilletons fiehe nächste Seite.) HH—5S-BS-—-HBa---— Sabbat-Anfang u. Ausgang» -i^'i ORT: Anfang RtMR »US UhrlMm. 1097 JMM7 Uhr Frankfurt a M Berti« .... 6 05 14.Sep. 4. Tifchri 7 7 «o > o» i oa* *9_»_ unuiMivttt . . . 6 — - 7 m-i Strakbnrg . 6 — 7 35' Pole». « .55-.1 ' V* Für de« Reklameteil ist die. Redaktion «icht wörtlich: insbesondere ist es ausschließlich Leser, die im Reklameteil enthaltene» t ritneller Ware« oder sonstige Angabe» xt liche« Charakters ans ihreJuvemSstigkeit Kaiser Friedrich QucUc 6346) - OfTenbMh a. M. , „Gegen Gicht u. Bhennatisans bewihrt»u 4 Landesbuter Leinen* und Gebild-Weberei F. V. Qrünfeld Königl., Grossherzogi. o. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W., UfdinlnM 21-t Grösste Aiswaty aller Wäscheartikel für du HnsMarf. Ditirtiiii! inzer nisstattnui. Preisliste ult AMUMnvm sowie Kostmanscbläge zn Diensten. (7S5v) Was — Fays ächte Sodener Miaeuck- Pastillen? Aber großartig, sag ich Jchrmm Unser einer hat doch vielerlei Btttirl zur Hand, aber ich selbst nehme mit BorÜvbe> Fays ächte Sodener. 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