Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 12-13 (9.2.1899)
- Date
- 1899-02-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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m wurde um des Lernen willen. Man konnte es geradezu anfeheu, wie tüchtig die Herren das Thema studiert hatten. Der geistreiche Bortrag, der auch einen sogenannten gebracht, wurde beifällig ausgenommen, Nachamenswerthe R a b b i n e r v e r - sammlnng! L. Roth. Aus Bayern. Unter Bezugnahme auf Ihren jüngsten Artikel im „Israelit", Ablösung der Hochzeitstelegramme durch Spenden für das heilige Land betreffend, gestatte ich mir. Ihnen zu berichten, daß ich jüngst eine Hochzeitseinladung erhielt, aus der ungefähr folgende Bemerkung zu lesen war: „Sollten Sie die Absicht haben, uns an unserem Hochzeitstage durch ein Telegramm zu erfreuen, so diene Ihnen zur Nachricht, daß Sie uns eine viel größere Freude bereiten würden, wenn sie den betreffenden Betrag den Armen des heiligen Landes zukommen lassen würden. Die Quittung erbitten uns zur Erinnerung. Rabb. X. > Wersonatten. Berlin, r>. Febr. liefe Iraner ist in die Israelitische Synagogengemeinde AdaS Jisroel eingekehrt, und weit über ihren Bereich, ja über das Weichbild unserer Stadt hinaus wird die schmerzliche Kunde das Echo ausricktiger-Antheil nähme wecken, daß der Vorsitzende des Vorstandes jener Gemeinde, Herr Herrmann London, die Augen zuin Todesschlummer geschlossen hat. lAm Au-gange des vorletzten SabbatS ging der Funfundsiebzigjährige zur ewigen Ruhe ein. Ein mühenreiches, bis zu seinem Erlöschen erfolggesegnetes, den edelsten Aufgaben unseres Bekenntnisses zuge wandtes Leben hat seinen Abschluß gesunden. Ein toproß erlauchter Ahnen, empfand der Verblichene in seiner schlichten Größe cs als höchsten Stolz, in Anschauung und That der gefeierten Altvordern würdig sich zu bewähren. Als ein Enkel deS R. Salomon Hirsche!, Rabbiners zu London, so schreibt die „Jüdische Presse", durste er sich rühmen, im vierten Gliede von dem hochberühmten M. Hirsche! Lewtn (Rabbiner in Halberstadt und Mannheim, zuletzt in Berlin), eines Enkeldes ..Chncham Zewi“, abzustammen. Am 4. Roveinber 1823 in Santomischel geboren, wurde der frühreife^ Knabe von seinem gelehrten Vater in daS jüdische ^chriftthnm cingeführt; er erweiterte dann seine .Kenntnisse aus diesem Gebiete im Hause des R. Salomo Eger, (Sohnes und ^Nachfolgers des R. Akiba Eger) in Posen und erwarb sich zugleich ein umfassendes profanes Wissen. 'Nachdem er einige Jahre in Posen und dann in Rogasen dem kaufmännischen Berufe obgelegen, übersiedelte er i. I.1867 nach Berlin, wo er sofort fast ausschließlich gemeinnütziger Thätigkeit sich widmete. Als zwei Jahre später jener Kreis wackerer Männer zur Begründung der Adaß Jisroel zusammentrat, schloß er sich mit freudiger Bereitwilligkeit ihnen an, und seit der Leit galt sein wärmstes Interesse dieser Gemeinde, ihrer Kräftigung und Ausgestaltung. Vor wenigen Wochen erst hat aus Anlaß seiner fünfundzwanzigjährigen Wirksamkeit als Synagogen-Vorsteher die dankbare Gemeinde ihm vohlverdiente Ovationen bereitet. Im Jahre 1878 in den Verwaltungs- Vorstand, acht Jahre späer zum Vorsitzenden desselben gewählt, hat der Entschlafene mit einer Unermüdlichkeit, die einer Steigerung nicht fähig war, seine Kraft, seine organisatorische Meisterschaft und weise Einsicht in den Dienst der Gemeinde gestellt, als das Ideal eines ms ’D")S3 pDiy ruiosD als die Verkörperung nimmer rastenden Pflichteifers sich bewährt. Sein Sinnen und Mühen galt der Gemeinde, und nickt nur jeder einzelnen ihrer kultuellen und rituellen Institutionen, allen Zweigen der Verwaltung, sondern mit gleichem Hilfseifer auch allen ihren WohlthäligkeitS-Ein richtungen, den zahlreichen Vereinen innerhalb der Adaß jisroel, an deren Leitung er hervorragendsten Antheil nahm. Aber auch in der Erfüllung dieser vielseitigen Pflichten hat sich die einzigartige Thätigkeit des Tahingegangenen keineswegs erschöpft, wie dieselbe auch durchaus nicht auf die Adaß Jisroel beschränkt blieb. Herrmann London bat da neben eine philanthropische Wirksamkeit entfaltet, wie sie ihres (bleichen kaum wieder haben dürfte, und die um so bewundernswerther deßhalb gewesen, weil sie sich vor dem Lichte der Oeffeutlichkeit scheu verbarg und kaum den Allernächsten in ihrer ganzen Großartigkeit bekannt wurde. Daß er elf Woblthätigkeits Kassen vcrivaltete, an nahezu drei Dutzend Waisenkindern, darunter nicht wenige christliche, als liebender Vormund Vaterstelle vertrat, daß kein Hilfesuchender vergebens an seine Pforte pochte, ist Zeugniß ge nug für die Bruder- und Meuscheuliebe des edlen Mannes; aber er bethätigte zugleich jenes echtjüdische, leider so selten gewordene Gemilluth Ehessed, das nicht wartet, bis daS Elend sich ihm offenbart, sondern dasselbe aufsucht, das sich nicht begnügt, der uumiltelbarsten Noth gesteuert zu haben, sondern ihrer Erneuerung vorzubeugen sucht. Mit dieser unerschöpflichen Herzensgüte verband sich der Adel eines makelreinen Charakters, der Zauber eines liebeathnienden Wesens, welche ihm die Verehrung und Werthschätzung eines Jeden erwarb, der das Glück hatte, dem herrlichen Manne zu nahen. Schlicht und einfach ist er durchs reden, durch ein Leben der unermüdlichen Arbeit un Dienste unserer heiligsten H-nligthümer gegangen, und nun, da sein Erden wallen abgeschlossen ist, belrauerl in gerechter Klage die verwaiste Gemeinde ihr Oberhaupt. 'Nachdem im Trauer- Hause die Neffen, die Herren Sallp und (Gustav Michalski, ihrem liefen Schmerze Worte des Dankes an den thenren Lvdten, in dem sie, die Frühverwaisten, das Familienhaupt, den fürsorgenden Erzieher beweinen, abgerungen, setzte sich der Eondukt nach dem Friedhofe in Bewegung. Voran schritten Schüler der obersten Klassen der Religionsschule der Adaß Jisroel, hinter dem Leichenwagen nach den An gehörigen das Rabbinat, der Vorstand und die Repräsentanten, dann die Leiter der Wohlthätigkeits-Vereine der Gemeinde und hierauf ein nach vielen Hunderten zählendes Gefolge, das durch seine imposante Zahl auch dem Fernstehenden offenbarte, daß einem wahrhaft Großen diese Ehrung galt. Aus dem Friedhofe ergriff zunächst Here- Prediger Dr. Meier Hildesheimer das Wort, um dem Schmerze und der Trauer der Gesamtgemeinde ergreif nden Ansdruck zu verleihen. Sodann widmete Raincns des Vorstandes Herr Isidor Rosenblütb dein Heimgegangenen Kollegen das Gelöbniß unvergänglichen Dankes. Mit Ihranendurchbebter Stimme feierte hierauf der Vorsteher des Revräsentanten- Eollegiums, Herr Dr. Berliner, die Verdienste des Heimgegangenen nni die Verwaltung der Gemeinde, indem er zugleich einige, den Seelenadel des mehr als ein Menschenalter in innigsterFreundschaft ihm verbundenen wiederspiegelnde Züge hervorhob. Nachdem zum Schluß als Wortführer der Vereine Herr Dr. Hirsch Hildesheimer herzlichsten Dank ausgesprochen, wurde die Bahre zum Grabe geleitet und dem Schooße der Erde übergeben. Die Abendscharten senkten sich nieder, als Scholle aus Scholle gehäuft wurde und der Hügel sich wölbte, unter dem einer der Edelsten und Besten, die je auf Erden gewandelt, den Todesfchlaf schlummert.