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Der Israelit · 1899-02-09 · Heft 12-13 (9.2.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 12-13 (9.2.1899)
Date
1899-02-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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223 gemeinde testamentarisch aufgesetzt, die prinzipielle Stellung, welche die hiesigen Stadtverordneten jüngst der Naturalisation völlig einwandfreier Israeliten gegenüber einnahmen, soll den Erblasser jedoch zu einer Aenderung seines Tesiamenis bestimmt haben. -d- München, 5. Febr. Unserer Gemeinde ist wiederum einer von den Männern, wie solche leider in unseren Tagen immer seltener und ungewöhnlicher werden, entrissen worden. Herr Salom. Hirschinger, ein Mann, dem das Thorastudium Gewissenspflicht, Herzensbedürfniß und Lebensfreude gewesen, ist am 30. Januar im 71. Lebensjahre plötzlich verschieden. Roch am vorangegangenen Sabbat sah mau ihn zu den üblichen Zeiten im Gotteshause. Der Verstorbene wollte sich s. Zt. dem Rabbiner-Berufe widmen, studirte Thora bei Abraham Wechsler in Schwabach und bei Seligmann Bär Bamberger in Würzburg H Von mehreren Rabbinern wurde ihm die Morenu verliehen. Dank seiner Kenntnis; der Thora und seiner Liebe zu derselben kam er auch mit dem Rabbiner Chajim Schwarz in Hürben (dessen Sohn der im Jahre 1*7.7 verstorbene Kölner Rabbiner Herr Israel Schwarz gewesen) in Verkehr und führte dessen Tochter als Lebensgefährtin heim. Er lebte dann längere Zeit in Augsburg, wo er sich beit Beruf eines Religionslehrers u. Pensionats-Vorstehers gewählt hatte, bis ihn religiöse Differenzen veranlaßten, Augsburg zu verlassen und nach München überzusiedeln. Hier wandte er sich eine Reihe von Jahren dem Geschästsleben zu, wobei er aber niemals das „Lernen" vernachlässigte, Nachdem er sich von Geschäften zurückgezogen halte, widmete er sich gänzlich und ausschließlich seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Thorastudium. Wenn man immer den alten Herrn zu Hause antraf, war es am frühen Morgen, am Mittag oder nahe mn Mitternacht, man fand ihn immer sinnend über seinen geliebten Scphorim. Rühmte man seinen Eifer, mit dem er sich das Forschen in der heiligen Lehre angelegen sein ließ, so erwiederte er, daß dies bei einem gesetzestreuen Jthudi nicht anders sein dürfte, ihn leite der Satz des alten Weisen -psx cv ’jswi cs. „Wenn Du mich nur einen Tag verlassen Haft, werde ich Dich zwei Tage verlassen." Nicht genug hervorzuheben ist der rastlose Eifer und die aufopfernde Hingebung, mit welcher der Dahingeschiedene die so hochwichtige und doch von vielen Seilen so wenig beachtete Mizwah -pr übte. Keine Müdigkeit, kein körperliches Unbehagen, wie auch keine Ungunst der Witterung und kein noch so entlegener Weg hielten den wackeren Mann jemals davon zurück, das Schmerzenslager der Kranken und Leidenden aufzusuchen, sie mit freundlichen Worten zu erfreuen, sie mit Trost und Zuspritch aufzurichten. An der Bahre betonte Herr Rabbiner Dr. Werner, daß wir hier von einem Manne scheiden, von dem sich im wahren Sinne des Wortes sagen ließ: in:«» pnx 7v-'. Der Dahingeschiedene lebte nur in, durch und für seinen Glauben. Er gehörte zu den Menschen, die zum allgütigen Schöpfer aufblicken, wie das Kind znm Vater: In Herzenseinfalt, mit gläubigem Gemüthe und in kindlichem Gehorsam. Bescheidenheit, Demuth und Nächstenliebe sind in seinem an Wechselfällen so reich gewesenen Leben für ihn immer die Leitsterne gewesen. Jeder, der dem Heimgegangenen nur einmal im Leben näher trat, wird ihm ein dauerndes und ehrenvolles Andenken bewahren! Bremen. In unserer Gemeinde macht sich ein gewaltiger Umschwung im religiösen Leben bemerkbar, und von Neuem beweist sich hier, daß so häufig unter der Asche noch Funken glimmen, und wenn nur rechtzeitig der Blasebalg frischen Wind zuführt, so wird bald die Flamme hoch emporlodern. Nachdem hier durch die eifrigen Bemühungen des Herrn Rabb. Dr. Rosenack eine herrliche rrpa er richtet wurde, sind nunmehr auch Schiurim eingerichtet, welche sich einer zahlreichen Betheiligung erfreuen und um auch den für dergleichen Dinge weniger Empfänglichen Gelegenheit zu geben, ihr Band mit den Glaubensgenossen zu festigen, wurde nun auch ein Verein für Geschichte und Litteratur am vorigen Donnerstag eröffnet durch einen ebenso geistvollen als auch formvollenden Vortrag des Herrn Rabb. Dr. Rosenack über „Jüd. Geschichte und Litteratur". Der Redner entwarf ein Gesammtbild der Jüd. Geschichte und ermahnte am Schlüsse, indem er auch sinnig den 'w* ntrcn streifte, durch Studium der Thora sowie durch Eindringen in die Jüd. Litteratur die Liebe zur Vergangenheit unseres Volkes neu zu erwecken und der Pflichten zu gedenken, welche die Gegenwart von uns erheischt. Die nächsten Vorträge werden von den Herren Rabb. Dr. Carlebach, Lübeck, Landrabb. Dr. Mannheimer, Oldenburg, Dr. Pinnet, Bremen und Dr. Gorodiskp, Bremen gehalten. Colmar, 1. Febr. Gestern hatten wir in der Rabbinerversammlung einen recht anregenden Vortrag des Herrn Rabb. Schüler-Bolveil. Nahezu an vier Stunden hat dieser Herr in recht anziehender Weise über die "prc 'h trtr “ci dissertiert. Sr. Ehrwürden beschränkte sich nicht auf bloße Recapitulation des vorhandenen Stoffes in apre* :r, sondern hat sich auf den Grundlagen unserer maßgebenden Deeisoren zu einer halachischen Systematik sirung erhoben und den ganzen Compler in der Darstellung unter 10verschiedenen Gesichtspunktengebracht. Die Betheiligung der Herren Rabbiner war eine recht rege und man glaubte sich in die gute alte Zeit des Thorastudiums versetzt, wo noch gelernt

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