Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 48 (20.6.1898)
- Date
- 1898-06-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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880 ner war, der eingeschränkter und knapper seinen Lebensunterhalt bestritt, daß aber auch keiner dabei glücklicher und fröhlicher im Studium der heiligen Thora war, als der unermüdliche R. Seligmann Fromm. R. Nathan Wolf der damalige Preßbnrger pn, der, selbst aus Fürth stammend, ein Landsmann des jungen uro war, hat damals schon seine wunderbaren Eigenschaften erkannt, er zog ihn an sich heran und unablässig widmete er sich der Ausbildung dieses seines Lieblingsschülers, — N. Seligmann Fromm bvi hat nie aufgehört, des dti, des gewaltigen Mannes in unauslöschlicher Liebe zu gedenken. Die vielen Entbehrungen, das unausgesetzte Studium schwächten ihn zwar sehr; doch wurde er in nuii nim immer größer und nach etwa fünfjährigem Aufenthalte zu Preßbnrg erhielt er von seinem großen Lehrer nvw sie die nulin imv Mit den freudigsten Gefühlen kehrte er nun wieder in seine Heimath zurück. Auf der Rückreise besuchte er in Fürth den damals schon erkrankten berühmten nnlinun n. Dieser lernte ihn so schätzen, daß er bei ihm zu bleiben, ihn immer wieder bat und erst auf den dringenden Wunsch R. Seligmanns, den es wieder nach dem geliebten Elternhause zog. ließ er ihn reisen, und in der Stunde des Abschieds sprach der pro R. Wolf Hamburger den Wunsch aus, gerade er, der damals noch so junge uro, möge dereinst als Würdigster in Fürth Dipv u^vo sein. Inzwischen war sein Jugendlehrer R. Seligmann Bär Bamberger als Distriktsrabbiner nach Würzburg berufen worden. Dahin lenkte nun Rabbi Seligmann Fromm seine Schritte, um von Neuem dessen Schüler zu werden, gleichzeitig aber auch um die dortige Universität zu besuchen. Wie sehr ihn sein großer Lehrer zu schätzen wußte, beweist wohl die Thatsache, daß auch er ihm die rwm mm verlieh, eine Auszeichnung, deren sich von allen seinen Schülern nur noch ein zweiter (der sel. Oberrabbiner Stern zu Hamburg) rühmen konnte. Nach Abschluß der Universitätsstudien amtirte Fromm ein Jahr als Substitut des Rabbi Seckel Löb Wormser (genannt Bal Schem) zu Michelstadt, dann wirkte er als Lehrer in Karlsruhe. Sein Ruf verbreitete sich rasch, und so ward er im Jahre 1851 als Rabbiner nach Homburg v. d. H. berufen. Der große Würzburger 21 erkor ihn zu dieser Zeit zum Schwiegersohn und gab ihm seine mit allen Vorzügen der Tugend und der Frömmigkeit ausgezeichnete Tochter Rachel zum Weibe. Und welches Haus haben die beiden Edlen sich und der Welt errichtet, einen Sitz der Tugend und der Menschenliebe, eine ragende Burg, die über alle Unruhe der Leidenschaft hinaus sich erhob; ein Zufluchtsort für alle Gedrückten und Sorgerfüllten ist dann das Haus dieser beiden seltenen Menschen geworden. Wohl hatte der junge Rabbiner in Homburg auch manchen Kampf zu bestehen. Auch dort suchten sich neologe Strömungen geltend zu niachen; aber der sonst so herzensgute, friedliebende Mann kannte da kein Wanken! Muthig schlug er die gegnerischen Angriffe durch die Waffen feuriger Rede, scharfer Feder zurück; da gab es nur eine Richtschnur für ihn, die m:n, für die er allezeit männlich eintrat und siegte. Als Rabbiner gehörte er dem Vorstande zu H. an, und in dieser Corporation sah er sich gar oft ganz isoliert in seinen Bestrebungen; dann aber entfaltete er desto größeren Muth, und seine felsenfeste Ueberzeugung, daß die gute Sache durchdringen müsse, ließ ihn nicht verzagen, nicht muthlos werden. Der Kämpfe reicher Lohn zeigte sich darin, daß seine Gemeinde verschont blieb vor allen sogenannten fortschrittlichen Neuerungen, denen Zwiespalt und Streit stets folgen; er hatte die erhebende, beglückende Genugthuung, seine Gemeinde durch die brandenden Wogen zerstörender Neologie in allen ihren Gliedern unversehrt hindurchgeführt zu haben, derart, daß keiner von allen jüdischen Geschäftsinhabern Homburgs, auf denen sein Auge ruhte, den rav entweihte. Als Rabbiner hatte er auch den jüd. Religionsunterricht zu ertheilen, und wie hingen noch alle die, die als Kinder seinen Unterricht genoffen hatten, als gereifte Männer, in allen möglichen Berufen stehend, voll unendlicher Liebe und Verehrung an ihrem Lehrer, immer glücklich, wenn sie wieder vor ihn treten konnten und ihm sagen durften, was ihnen im Leben seine Arbeit schon genützt habe. Die herrliche Synagoge in Homburg ist in erster Linie sein Werk. Als mit deren Bau begonnen worden, bemerkte er am Sabbat, daß die Maurer daran arbeiten wollten. Er veranlaßte dieselben, davon abzustehen, indem er sich verpflichtete, sie schadlos zu halten. Und als die Verwaltung glaubte, die größeren Kosten nicht tragen zu können, zahlte Rabbiner Fromm aus eigener Tasche die Löhne, welche die Arbeiter für die allsabbatliche Arbeitseinstellung entschädigten. Er war ein Meister der Rede! Seine Predigten waren kernig, eingekleidet in klassische Sprache. Da gab es kerne Phrasen! Mit dem T;n in der Hand, bestieg er die Kanzel; er beleuchtete — ohne persönlich oder verletzend zu werden — die Schäden der Zeit, belehrte und begeisterte seine Hörer für nxii ™, für Sitte und Zucht, für Tugend und Pflicht, für Wahrheit, Frieden und Rechtlichkeit für alles Erhabene, Edle und Gute. Da quoll jedes Wort aus dem Herzen, getragen von tiefster Ueberzeugung, von höchster Begeisterung und wirkte über-