Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1898)
- Date
- 1898-01-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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148 in der diese stattfand, wurden aber zurückgedrängt und auseinandergetrieben, ehe sie mit den Teilnehmern an der Versammlung handgemein wurden. Nach der Versammlung setzten etwa 500 Antisemiten zwei Kiosks auf dem Regierungsplatze in Brand und plünderten mehrere Magazine. Die Truppen griffen ein und nahmen etwa 40 Verhaftungen vor. Zahlreiche Polizisten wurden verwundet. Im Laufe des Abends kam es vor den Läden einiger jüdische Kaufleute zu Kundgebungen. Truppenabtheilungen hielten die Straßen besetzt. Um 21/* Uhr früh war die Ordnung wieder hergestellt. — Die Menschenmenge plünderte in der Rue Babazoum die jüdischen Läden. Von einer Jägerabtheilung wurde sie mit blanker Waffe auseinandergetrieben. Unter Hochrufen auf die Armee rottete sie sich wieder zusammen. Zahlreiche Personen wurden verwundet, eine wurde getödtet. Die Stadt ist in großer Erregung. Die Truppen sperren die Hauptstraßen. ** Algier, 23. Jan. Die Teilnehmer an der Kundgebung wandten sich nach der Mairie, wo sie die „Marseillaise" sangen. Hierauf versuchten sie, die Schaufenster an den Läden der Juden zu zertrümmern. Zuaven eilten herbei und der Oberst ließ die Menge auffordern, auseinanderzugehen. Diese rief: Hoch die Armee! Nieder mit den Juden! und zog zum Gouvernementsplatze. Die Truppen haben den Befehl erhalten, die Ordnung aufrecht zu erhalten. 150 Verhaftungen wurden vorgenommen. Um '/zll Uhr zogen die Manifestanten nach dem Sitz des 1!-. Armeekorps, brachten dort Hochrufe auf die Armee aus und verwüsteten sodann die jüdischen Mehlhäuser. Sie schüttelten die Säcke aus, beraubten verschiedene Magazine und warfen die Waare auf die Straße. Die Zuaven gingen mit aufgepflanztem Bajonett vor und zerstreuten die Manifestanten, von denen einige verwundet wurden. Die Menge sammelte sich jedoch wieder auf den Quais und zündete dort die jüdischen Schnapsbuden an. Die Truppen eilten sofort dorthin. Patrouillen durchziehen die Stadt, in welcher die Ordnung nunmehr wiederhergestellt ist. ** Algier, 24. Jan. Die Theilnehmer an der Kundgebung begaben sich schließlich nach der Vorstadt St. Eugene und beschädigten daselbst mehrere Landhäuser der Israeliten. Die Gendarmen verhinderten alsdann die Manifestanten, nach der Stadt zurückzukehren, in welcher jetzt Ruhe herrscht. Die Truppen haben ihre Quatiere wieder ausgesucht. Im Ganzen wurden 200 Verhaftungen vorgenommen. — Nachdem die letzte Nacht ziemlich ruhig verlaufen war, verbreitete sich heute früh gegen 0 Uhr unter der Volksmenge die Nachtricht, daß ein jüdischer Einwohner einen Spanier durch einen Messerstich schwer am Halse verwundet habe. Alsbald bildeten sich erregte Gruppen, die die Läden jüdischer Kaufleute plünderten, in denen Neuheiten aus Paris zum Verkauf standen. Sobald der Generalgouverneur Löpine hervon erfahren hatte, schritt er unter Vortritt von zwei Trominelern, während sechs Zuaven folgten, durch die Straße Babel - el - Oneb und ermahnte - zur Ruhe uno Ordnung. Die unter den Arkaden angesanimelte Menge stieß die Rufe aus: Ab danken, Nieder mit den Juden.' Mittags kehrte Lepine in das Regierungspalais zurück, unter verschiedenen Rufen der Menge. Wie es heißt, soll ein Stuhl nach der Richtung hin geschlendert worden fein, in der sich Lepine befand. Letzerer bewahrte große Kaltblütigkeit und ermahnte zur Ruhe. Unter den Theilnehmern an der Kundgebung befanden sich zahlreiche Eingeborene. Ein angesehener jüdischer Kaufmann wurde angegriffen und mißhandelt. Etwa 20 Personen wurden verhaftet. Alle Fremden, die bei den Ruhestörungen betheiligt waren, sollen sofort ausgewiesen werden. > vermischtes. Wien. Vor einigen Tagen beging der älteste Mann Wien's. Herr ML Kohn, seinen 111. Geburtstag. Wie urkundig nachgewiesen ist. wurde dieser Greis im Jahre 1787 in Frauenkirchen Wieselburger Comitat) in Ungarn geboten. '. Wie er selbst erzählt, erinnert er sich noch an Vorgänge vor mehr als achtzig Jahren lehr genau. Das Gehör bat sich nur sehr wenig geschwächt. Vor ungefähr zwei Jahren erst starb sein Bruder int hohen Alter »on 102 Jahren Kohn lebt mit seiner Frau, die ihm mit wahrer Selbstaufopferung trotz ihres hohen Alter? pflegt, sehr kümmerlich. Er bezieht eine Pfründe von acht Gulden monatlich und hat eine aus einem Zimmer und einer Küche bestehende Freiwohnung. Beides erhält er von der israelitischen Eultusgemeinde. Wien- Vor einigen Tagen verschied nach kurzem Leiden im Alter von 55 Jahren der Buchhändler Herr Jacob Schlesinger, Inhaber der bekannten Firma Jos. Schlesinger, Wien I, Seitenstcttengasse 5. Der Verstorbene, ein Enkel der berühmten Rabbinen Rabbi Akiba Eger in Posen und Rabbi Moses Sofer von Preßburg, war nicht allein eine durch hohe talmudische Gelehrsamkeit und innige Frömmigkeit, sondern auch durch strenge Rechtlichkeit und gewissenhafte Geschäftsthätigkeit ausgezeichnete und in aller Welt bekannte Persönlichkeit, verehrt und hochgeachtet von Allen, die ihn kannten. An der Bahre. des Verewigten trauern eine tiefgebeugte Wittwe und dreizehn Kinder Das in Mattersdorf unter lebhafter Betheiligung stattgefundene Begräbniß gab Zeugniß von den Svmpathien, welcher sich derselbe in weiten Kreisen erfreute. Hongkong. Auch unsere Insel h^t eine jüdische Gemeinde, wie fast alle englischen Kolonien. Dieselbe ist freilich klein und zählt nur ca. 150 Seelen, 52 Männer, 26 Frauen, 25 Mädchen, 40 Knaben, sie besitzt auch eine kleinere Synagoge, in der zum Versöhnungstage 57 Erwachsene und 10 Kinder versammelt waren.