Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1898)
- Date
- 1898-01-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448866--45352-2495610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
147 so werden auch die Kinder Derer, die jetzt nur den ersten Schritt zur Umkehr gethan haben, dem Judenthum wiedergewonnen werden, das sie als Träger der höchsten weltbauenden Ideen, als Förderer der wahren Kultur und Aufklärung kennen lernen, und werden dann auch in treuer Erfüllung aller derjenigen Gebote ihres Gottes, die sie bisher nicht kannten, die sie aber dann als die Motoren, als die liebermittler und Verbreiter der höchsten Gedanken und Lehren verehren gelernt, sich als würdige Sprossen desmenschheitspriesterlichen Abrahamsvolkes bewähren. In diesem Sinne begrüßen auch wir, fiir die ein Zionsstaat sich nur auf dem Fundamente der Thora erbaut, hingebungsvoll bereit für jeglichen Beistand unserer bedrängten Brüder, — aber unentwegt des am Ziele der Zeilen verheißenen heimbringenden Schofarrufes harrend, — in diesem Sinne begrüßen auch wir diese Bewegung als einen erneuten Beweis, «p nu n *b vs, daß Gott sein Volk nicht fahren läßt und auf Wegen, die keines Sterblichen Auge ahnt, es seinem Ziele immer mehr entgegenführt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Oe st er r. - Ungar. Monarchie. ** Budapest, 24. Jan. Vor einigen Tagen ist im Armenhause Armin Suranyi, der erste jüdische Schornsteinfeger Ungarn's, gestorben, dessen Lebensgang beweist, welche Schwierigkeiten früher den jüdischen Handwerkern in den Weg gelegt wurden, ©in Kind armer jüdischer Eltern, mußte er es schon als Glück betrachten, daß ein Meister in Kalosca ihn in die Lehre nahm. Gegen das Versprechen des Glaubenswechsels sollte er zum Gesellen freigesprochen werden, er blieb jedoch seinem Bekenntnisse treu und erhielt erst nach Jahren auf direkte Anordnung des Erzherzogs Albrecht den Freispruch. Da er als Jude nirgends Arbeit fand, wandte er sich nach jahrelangem Umherwandern an den König Franz Josef, der ihm in einer Audienz seine Hilfe zusagte. Die Innung verhinderte ihn aber unausgesetzt an der Ausübung des Gewerbes, und er blieb nach wie vor brodlos, bis ihn im Jahre 1870 die Kongregation des Neutraer Komitats zum Meister machte. Bald daraus wurde er „Herrschafts-Rauchfangkehrer" der gräflich Karolyi'fchen Familie und kam später hierher, wo er von seinen Glaubensgenossen aus' reichend unterstützt, sein Gewerbe unverdrossen fortsetzte, bis ihn die abnehmenden Körperkräste zwangen, im Armenhause Unterkunft zu suchen. Rußland. ** Petersburg. Nach einer Meldung der „Polit. Corr." aus Petersburg ist im Ministerium des Innern eine besondere Kommission mit dem Gehülfen des Baron Uexküll-Gyllenbandt an der Spitze eingesetzt, um die Frage einer Revision deS Gesetzes vom 3. Mai 1882, wonach den Juden sowohl der Erwerb als auch die Pachtung von Liegenschaften in den westlichen Gouvernements untersagt wurde, zu studiren und allfällige Reformanträge in Vorschlag zu bringen. Türkei. ** Constantinopel. Die „Freie osmanische Post" bringt unter dem Titel „Eine Wohlthäterin" folgende Notiz: Frau Baronin Elara v. Hirsch-Gereuth, die Wittwe des bekannten Millionärs Baron Moritz v. Hirsch-Gereuth, hat sich in fast allen europäischen Ländern unvergängliche Denkmale gesetzt. Wir wollen nur einer neuerlichen hochherzigen Entschließung dieser Wohlthäterin gedenken, welche darin besteht, daß sie allen ehemaligen Beamten und Bediensteten der orientalischen Bahnen, welche 10 Jahre unter ihrem verstorbenen Gemahl treu und ehrlich gedient haben, oder deren Witwen und Waisen einen Jahresgehalt ausgeworfen hat. Im gleichen Ausmaße sind alle niederen Bediensteten und Arbeiter, welche noch im Dienste stehen und eine 10jährige Thatigkeit unter Baron Hirsch aufweisen, bedacht worden. Mit ihrem hochherzigen Entschluß hat Frau Baronin v. Hirsch einen Lichtstrahl in viele arme Hütten geworfen, der den Bewohnern derselben das Dasein freundlicher erscheinen läßt. Für die activen Beamten der orientalischen Bahnen hat bekanntlich Frau Baronin v. Hirsch zum Andenken an ihren verstorbenen Gemahl zwei Millionen Francs zur Gründung einer Pensionskasse gespendet, welche mit 1. Januar d. I zu functioniren begonnen hat. Möge die edle Frau in ihrem segensreichen Wirken in jenen Kreisen Nachahmer finden, die in der Lage sind, die socialen Ungleichheiten und Geuensätze auf diesem Wege abzuschwächen und die Armuth zu mildern. Afrika. ** Algier, 23. Jan. Gestern Abend fand hier eine antisemitische Versammlung statt, an der etwa 6000 Personen theilnahmen. Es wurden heftige Reden gehalten. Die Versammlung nahm mehrere Tagesordnungen an, in denen sie sich energisch gegen die höhere Verwaltungsbehörde ausfprach und eine Vereinigung aller Algerier beschloß, um die Juden bei den nächsten Wahlen auszumerzen. Während der antisemitischen Versammlung zogen etwa 30:) mit Stöcken bewaffnete Juden auf das Gebäude zn,