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Der Israelit · 1897-02-04 · Heft 10 (4.2.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 10 (4.2.1897)
Date
1897-02-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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hamidrasch, ein jüdisches Lehrhaus. Hier finden allwöchentlich regelmäßig folgende Vorträge statt: Am Samstag Vormittag Vortrag des Nabbinatskandidaten Herrn Wesel über die Sidra. Am Samstag Nachmittag Vortrag des Herrn Dr. Cohn über Schulchan Aruch. Am Sonntag Abend Vortrag des Herrn Dr. Cohn über Psalmen. Am Dienstag Abend Vortrag des Herrn Dr. Cohn über die Haftora. Am Donnerstag Abend Vortrag des Herrn Dr. Cohn über Menauras hamauor. Es gereicht uns zur großen Genugthuung zu eonstatiren, daß diese Vortrüge sich eines großen Zuspruches erfreuen. Hoffentlich kommen wir bald dahin, daß wir an jedem Abend einen Lehr-Vortrag veranstalten können. Die Einnahmen betragen 1142 Frs., die Ausgaben 742 Fr. Feuilleton. Woher MdI Joels Keiltzthum flammte. Von R. H. Rabbi IM Katzenellenbogen und Rabbi Moschch Charis saßen über einem schwierigen Stück Talmud in der Klaus — wo sag ich nicht — zu N. N. — Sie saßen, ist eigentlich nicht ganz correkt; sie standen an einem großen Pult einander gegenüber. Einen größeren Gegensatz, als diese beiden Männer auch in ihrem äußeren Austreten, konnte man sich kaum denken. Rabbi IM war von kurzer, gedrungener Natur mit entschiedener Anlage zur Corpulenz; Rabbi Moscheh war eine lange, hagere Gestalt mit einem der bleichen Gesichter, wie sie Cäsar fürchtete. Aber es lag so viel Herzensgüte und helle Weisheit in jedem Zug des langen Gesichts, daß ein Blick auf daffelbe genügte, um es dem Beschauer sympatisch zu machen. Rabbi IM war reich, Rabbi Moscheh arm. Aber das war ein Gegensatz, der in der Klaus nie zur Geltung kam. Rabbi Moscheh konnte es nie warm genug im Zimmer haben. Rabbi IM nie kalt genug. So groß beide in der Kenntniß der Thora waren, und so hoch sie sich im tiefsten Herzen wegen dieser ihrer Gelehrsamkeit achteten, so war dennoch auch in dieser Hinsicht Verschiedenheit und Gegensatz genug vorhanden. Rabbi IM war groß durch seine ungewöhnliche Belesenheit, die von einem ungemein guten Gedächtniß unterstützt wurde. Rabbi Moscheh aber überragte ihn durch seinen seltenen Scharfsinn, der ihm auch den Ehrennamen Charis eingebracht hatte. Rabbi IM war dem entsprechend mehr für das cursorische Studium des Talmud und 175 der Poskim, während Rabbi Moscheh mehr für das statarische Vertiefen in jede Piöce, mehr für das multum als für das niulta sich begeisterte. Rabbi IM war ein Schüler von Rabbi Akiba Eger, Rabbi Moscheh ein Schüler von Rabbi Moscheh Sofer. Rabbi IM war in seinem Innern so fest davon überzeugt, daß Niemand richtig ein Stück Gemoro verstehen kann, der nicht bei Rabbi Akiba Eger, die Jeschiba besuchte, wie Rabbi Moscheh dieselbe Ueberzeugung von demjenigen hatte, der nicht bei Rabbi Moscheh Sofer gelernt hat. Diese Männer waren die erbittertsten Gegner und die intimsten Freunde in einer Person. Was der eine behauptete, bestritt der andere, wenn aber die Behauptungen des Einen von einem Dritten angegriffen worden, so leistete ihm der andere sofort werthvollen Sukkurs. In der Klaus konnte in der Hitze des Gefechtes der eine über den andern die Zähne knirschen und die Hand gegen ihn erheben; in Familien- und Gemeindeangelegenheiten gingen sie beide Hand in Hand, wie es zwei alten Freunden zukommt. — Endlich waren es noch zwei Momente, welche den Contraft zwischen diesen beiden Männern vervollständigten. Rabbi Moscheh war auch in weltlichen, profanen Dingen nicht unerfahren, las populäre Schriften und jeden Tag seine Zeitung, so daß er auch in politischen Dingen ein gesundes, zutreffendes Urtheil hatte. Rabbi IM las auch seine Zeitung, natürlich eine conservative, während Rabbi Moscheh auf eine radikale abonnirt war, aber in das politische Gebiet vertiefte er sich weniger. Er las die Inserate, die Unglücksfälle und Verbrechen, sowie die Stadtneuigkeiten, den politischen Theit streifte er nur, wenn besonders wichtige Eceigniffe die allgemeine Aufmerksamkeit beschäftigten. Da er auf diese Weise R. Moscheh in politischen DiScussionen nicht gewachsen war, so nahm er oft zur Phantasie seine Zuflucht. Ec beobachtete die Welthändel von dem Standpunkte der Klaus aus und ließ seiner Phantasie dabei oft so weiten Spielraum, daß er im Laufe der Jahre in seinen Berichten, Darstellungen und Folgerungen über alles das, was außerhalb seiner Folianten lag, sich etwas aneignete, was stark an den seligen Münchhausen erinnerte. Rabbi Moscheh war dagegen ein nüchterner Kopf, der die politischen Extravaganzen seines Partners lächelnd hinnahm und sie höchstens durch eine feine, lakonische Gegenbemerkung parirte. Einen einzigen Punkt gab es, der aus feinem Taktgefühl niemals in dem Verkehr der beiden Männer zur Sprache gekommen war, und der wie ein kalter Schatten zwischen beiden Freunden schwebte; das war die Verschiedenheit der Vermögensverhältnisse. Rabbi IM und Rabbi Moscheh waren beide Kinder blutarmer Eltern. Rabbi Joöls Vater war Dienstmann und Rabbi Moscheh'S Vater Hausirer.

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