Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-05-21 · Heft 40-41 (21.5.1896) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 40-41 (21.5.1896)
Date
1896-05-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448646--41809-2490784
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

772 das Attentat ihres neuen westphälischen Gebetbuches bedeutet. Es wäre ein dankenswerthes Unternehmen einzelne dieser Gutachten-Blüthen zu pflücken und den geistlichen Herren ein Kränzchen daraus zu winden. Aber die Geistlosigkeit, Plattheit und Beschränktheit, die aus allen Fugen dieser „Gutachten" leuchtet verschwindet doch gegen den Faustschlag, den dieses ganze Unterfangen der jüdischen Wahrheit ins Antlitz versetzt. Gegen das frivole Gebühren dieser 16 Herren, die durch Gutachten und Briefe den Glauben zu erregen suchen, man dürfe die fundamentalsten Wahrheiten des Judenthums verleugnen, ohne daß man deshalb mit den Lehren des Judenthums in Widerspruch steht, wissen wir zur Zeit nur das eine Mittel: ihre Namen öffentlich zu nennen. Es sind dies die Herren: Rabbiner Dr. L. Blumenthal, Frankfurt a. O., Lehrer A. Brüll, Frankfurt a. M., Rabbiner Tobias Cohn, Potsdam, Rabbiner Kayserling, Budapest, Rabbiner Levi, Gießen, Rabbiner Lewin, Freiburg i. B., Rabbiner Maybaum, Berlin, Rabbiner N. Porges, Leipzig, Prediger Caesar Seligmann, Hamburg, Rabbiner Selver, Darmftadt, Raobiner Silberstein, Wiesbaden, Rabbiner Singer, Coblenz, Rabbiner Wolfssohn, Stargard i. P., Rabbiner Ziegler, Karlsbad, Rabbiner Dr. Blumenstein, Luxemburg, Rabbiner Dr. Rippner, Glogau. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. E. R. Berlin 17. Mai. Um einem Werke wahren Menschenthums die Weihe zu geben, hatten sich heute, fern vom Getriebe der Weltstadt im stillen Pankow eine Anzahl hervorragender Glaubensgenossen versammelt. Es handelte sich um die Eröffnung des neuerbauten jüdischen Lehrlingsheims. Wir sahen dort die Vorsteher der Gemeinde Justizrath Meyer, Julius Jacoby, Julius Jsaac und Dr. Lachmann, die Repräsentanten Hermann Landsberger, Joseph Fraenkel, Leonhard Sachs, Dr. Weigert, Landschaftsmaler Bodenstein und Rudolph Mosse, ferner die Direktoren Dr. Holzmann, Dr. Adler, Dr. Goetz, Dr. Jutrosinski und Dr. Kirchenstein, sowie die jungen Chefs des Welthauses N. Israel, die Herren Hermann und Berthold Israel u. a. — Die Feier begann mit einem Chorgesang, vorgetragen von den Zöglingen des Heims. In der Ansprache, welche hierauf der Vorsitzende des Curatoriums, Herr Dr. Weigert hielt, setzte derselbe die Ziele der Anstalt auseinander. Die Ideen, welche den Gründern vorgeschwebt, seien keine neuen. Schon im Jahre 1813 habe Joseph Mendelssohn, der Sohn des für alle Zeit unvergeßlichen Moses Mendelssohn den Verein zur Beförderderung des Ackerbaues und des Handwerks unter den Juden gegründet. Während der große Vater die Juden geistig zu heben getrachtet, habe der Sohn den Juden am meisten zu nützen geglaubt, wenn er sie von der gewohnten Beschäftigung mit dem Handel loslöse und sie allen anderen Berufsarien zuführe. Daß der Jude auch im Handwerk tüchtig sein könne, dieser Beweis sei längst erbracht. Ich will hier nur einige klangvolle Namen anführen Joseph Fraenkel, Bodenstein, Arnheim, Fabian, Collin, ja selbst mein Vater hat auch als Webermeister angefangen. Für das Gelingen einer Sache hat Göthe drei Dinge angeführt. „Wohlgegründet, am rechten Flecke, und vollkommen ausgeführt." Daß das neue Haus wohlgegründet und am rechten Flecke sei, dafür hätten edlen Glaubensgenosien, besonders Frau Johanna Levy und Herr Moritz Mannheimer gesorgt, die vollkommene Ausführung sei Sache der Zöglinge. — Reicher Beifall belohnte den Redner. — Alsdann hielt Herr Rabbiner Dr. Maybaum die Weiherede. Anknüpfend an das Wort des Psalmisten: „Wenn du deiner Hände Erwerb genießest, heil dir und wohl dir," schilderte Redner den Werth des Handwerks, empfahl aber dringend bei der Erziehung dazu auch der Religion eingedenk zu sein, denn alle sozialen Fragen hätten Beziehung zu ihr. Es sei heute schon allen klar, daß man im Kampfe um die Existenz ein Ideal haben müsse. Dieses sei aber nur im Glauben und in der Selbstüberwindung zu finden. Durch die Unzufriedenheit mit bestehenden Verhältnissen sei der Culturfortschritt entstanden, der sei aber nicht zu verwechseln mit jener Begehrlichkeit, die aus Neid und Mißgunst entsteht. Auf die Wohlfahrt des Ganzen muß unser Blick gerichtet sein. Die Inschrift, welche in der Gewerbeausstellung prangt „Selbstlos und treu", möge auch die Devise dieses Hauses sein. Beharrlichkeit führe stets zum Ziele. Mit der Ertheilung des Priestersegens schloß die eindrucksvolle Rede. — Im Namen des Gemeindevorstandes sprach noch dessen Vorsitzender Herr Juftizrath Meyer innige Worte des Dankes. — Ich schließe meinen Bericht mit dem Wunsche, daß sich erfüllen möge der heutige Chorgesang: O segne alle Obrigkeiten, die unseres Reichs Geschicke leiten, und segne diesen unfern Heimathsort. Auch allen Männern, allen Frauen, die diese Stätte halsen bauen, sei Vater, Du Beschützer stets und Hort! Hechiltgen, 16. Mai. Der „A. Z. D. I." wird geschrieben: Vor 4 Jahren wurde ich durch einen Pariser Freund im Bad Ems mit dem sel. Baron Hirsch bekannt. Wir trafen uns regelmäßig früh 7 Uhr am Keffelbrunnen B und schlürften gemüthlich plaudernd die vorgeschriebene Becherzahl. Nachher gingen wir durch die Anlagen der unteren Lahn-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.