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Der Israelit · 1896-05-21 · Heft 40-41 (21.5.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 40-41 (21.5.1896)
Date
1896-05-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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771 MWWWWWWWM VWWMWWM wmm testen Sinn für Wahrhaftigkeit und Redlichkeit und werfen damit einen Stein auf die Generationen, die vor ihnen seit Jahrtausenden aus demselben Gebetbuch beteten, ohne mit ihrer Wahrhaftigkeit in Collision zu kommen. Sie verdächtigen die ganze jüdische Gesammtheit, welche noch ihren alten Siddur in Händen hält, der Unredlichkeit ihrem Gotte gegenüber. Dafür sind die westphälischen Verbandjuden die Pioniere des Fortschritts, der Erleuchtung und der Wahrhaftigkeit innerhalb der zeitgenössischen Judenbeil, oder thun wenigstens so, was für sie selbst auch vollkommen genügt. Aber, was in aller Welt, kann die Hand voll Rabbiner bestimmen, zu diesem Treubruch und dieser Verdächtigung ihr Amen und Placet zu geben und vor aller Welt erklären ein Gebetbuch, das die Auferstehung der Todten leugnet, das die Opfergesetze zum abrogirten Trödel wirft, das den persönlichen Messias und die Rückkehr nach Zijon und Jeruscholajim in Abrede stellt, ein solches Gebetbuch uud seine Beter ständen noch immer aus dem Boden des Judeuthums! Und nun die armselige, schülerhafte Weise, in der sich das alles hier spreizt! Selten ist uns die vollendete Impotenz des heutigen Reformjudeuthums so unabweisbar zum Bewußtsein gelangt als an der Hand dieser Gutachten. Wenn man die Schriften der Geiger, Holdheim und selbst eines Philippson mit diesen wirklich „sogenannten" Gutachten vergleicht, dann sagt einem diese bloße Vergleichung alles! Diese Taufpathen des Reform judenthums hatten wenigstens in der Jugend so viel gelernt um ihre Allüren mit einem Schein von Gelehrsamkeit und plausiblem Dunst zu umgeben; das alles geht ihren Epigonen ab. Sie verstehen sich nicht einmal auf die Wahrung des Scheins und greifen alles so täppisch an, daß ihre Sache verloren ist, wenn sie dieselbe uur in die Hand nehmen. In der „Vorbemerkung" erzählt uns oiese Ausschußweish it, daß die 50 Gutachten von orthodorer Seite es ihr angethan haben. Diesen sollen nun andere Gutachten gegenüber gestellt werden, durch welche dokumentiert werden soll „daß es doch auch noch Männer von unbestrittenem Ansehen in der Rabbiner- und Gelehrtenwelt giebt", welche die Behauptungen jener orthodoxen Gutachten zurückweisen. OhO. Wer sich über den Gegenstand, um den es sich handelt, aus Grund seiner Kenntnis; und Erfahrungen selber ein Urtheil bilden kann, braucht zu seiner Jnformirung weder die Gutachten der Orthodoxen noch die ihrer Antipoden. Rur wer das nicht vermag, ist aus diese Gutachten angewiesen, um seine Zweifel zu beseitigen. Hat da der Westphälische Ausschuß seiner Sache nicht schon von vornhinein einen sehr dis kutirbaren Dienst erwiesen, wenn er 50 Gutachten nicht viel mehr als ein Minjan anderer entgegen zu setzen hat? Sollte die unbefangene öffentliche jüdische Meinung wirklich eine Klärung durch diesen Beitrag erfahren, wie der Ausschuß glaubt, kann man nach alledem im Zweifel sein, nach welcher Seite hin dieselbe erfolgen muß? Unter solchen Umständen bleibt freilich nichts übrig als die Versicherung „daß es bei unserer Sammlung weniger auf die Quantität als vielmehr aus die Qualität der Gutachter ankam." Wenn die Qualität ihrer Gutachter auf der Wa g e d i e se r A us s ch uß w e i she i t schwere r wiegt als die Quantität und Qualität der gegnerischen 5o, so ist das ihre höchsteigene Sache, über die Niemand mit ihr rechten wird. Aber da durch diese Gutachten nicht die Meinung des Ausschusses, sondern die der großen Oeffentlichkeit geklärt werden soll, so wird es doch wesentlich darauf ankommen, wie diese letztere über jene Herren und ihre Qualifikation denkt. Wenn diese hier als Männer von unbestrittenenl Ansehen in der Rabbiner- und Gelehrtenwelt vorgeführt werden, so wird man auch das mit einigen Modifikationen gelten lassen können. Wir muffen gestehen, daß wir einen wesentlichen Theil der hier aufgeführten Namen bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Wenn das anderen ebenso ergeht, so werden dieselben einräumen, daß das Anseben dieser geistlichen Herren bis jetzt nicht viel Streit veranlaßt hat. Ob ein solch unbestrittenes Ansehen wirklich zur Ausstellung von Gutachten autorisirt, das ist eine andere Frage, welcher wir aber jetzt nicht näher treten wollen. „Den maßlosen Angriffen der Orthodoxie aber werden wir in Zukunft mit der Nichtachtung begegnen, die sie verdienen." 'Wirklich? Aber warum denn erst in Zukunft? Warum setzt diese Ausschußweisheit die Federn von sechszehn vielgeplagten geistlichen Herren und die höchst eigene in Bewegung und schenkt maßlosen orthodoxen Angriffen eine solche Beachtung, während sie doch Nichtachtung verdienen? „Der durchaus unwürdige Ton, in welchem jene Herren das Gebetbuch und seinen Verfasser geschmäht haben, bekundet nur auf's neue, wie wenig jene Herren sachlich zu kämpfen verstehen." Ob dem Ausschuß, der in dieser Sache doch jedenfalls Partei ist, ein Urtheil und gar ein so absprechendes zusteht, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Eines haben in ihrem Kampfe jedenfalls die orthodoxen Kämpfer verstanden: Sie haben dem westphälischen Verbandausschuß das Gestäudniß abgerungeu, daß vou den nach Hunderten zählenden Rabbinern Deutschlands nur ein so zähliges Häuslein die Verleugnung des Judenthums gut heißt, welche

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