Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1896)
- Date
- 1896-05-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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735 den Worten, den unersetzlichen Verlust, den die Gesammtjudenheit, die Gemeinde, besonders das D"roa und er selbst erlitten. Alsdann verrichtete der Leiter des o"n:> Herr Herzberg, mit thränenerstickter Stimme das v'vn-, bx-Gebet für den Dahingegangenen, das alle Anwesenden tief erschütterte. Wieder ertönte das Schofar, und der Trauerzug bewegte sich an der Synagoge vorüber dem Friedhose zu. Die gesammte jüdische Bevölkerung der Stadt gab das letzte Geleite. Auf dem o^y iva nahm der Ortsrabbiner Sr. Ehrw. Herr Dr. Richter zuerst das Wort. In Zugrundelegung des Textes '2 iy"in ovn bvi bnn iv erklärte er in formvollendeten Worten, der letzte Wille des Verklärten lege ihm eine Zurückhaltung auf, die zwar schwer zu beachten sei, die ihm aber dennoch leicht falle, weil dagewaltige Wissen des gleichsam durch eine nnuD np’tw uns Entrückten allerorten bekannt sei. Er rief dem Scheidenden das letzte Lebewohl zu im Namen der jüdischen Gemeinde zu Rogasen, der er die treuesten Dienste geleistet, im Namen Derjenigen zu Filehne, deren Stolz und Zierde er gewesen, der man nmp, deren Ehrenmitglied er gewesen, und schließlich nahm er von dem Freunde und Berather, aber auch von der guten alten Zeit Abschied, in welcher das Talmudftudium in so hervorragender Weise auch in Privatkreisen betrieben wurde. Zum Schluß sprach der ehrwürdige Rabbiner von Schönlanke lyb-Kzm nübv n"m ein pna-.o YD?n des ietd ans und Freund des Verstorbenen. Ausgehend von demselben Schriftverse, wie der Vorredner, führte er aus, daß der Verklärte keines Nachruhms bedürfe, denn alle Welt wisse, daß >n ynd ,1 einer der bedeutendsten D'DDn H’D^n der Jetztzeit gewesen. Hierauf faßte der meisterhafte Redner das Wort '2 in der Bedeutung, „wenn" auf und hob das Wort nun besonders hervor. Wisset ihr aber auch, wie es ist, wenn heutzutage ein Fürst und Großer in Israel dahingeht? Heute gibt es keinen Nachwuchs, kein Ersatz mehr." Hierbei wendete der geistvolle Rabbiner die Agadah von dem Tode des Rabba bar Nachmeni (Baba mezia 86 a) an. Filehne sei früher eine Metropole jüdischer Gelehrsamkeit gewesen; vierzig weitberühmte D’nob hätten dort ihren Sitz gehabt, aber schon lange habe die Thora dort keine Stätte gehabt, bis R. Meir b"ST seinen Einzug gehalten. Möir hieß er, und die Leuchte der Thora erglänzte mit ihm hier wieder weit in die Lande. Schon sein großer Lehrer R. Akiba Eger sei t^bd inara gewesen. Er, der Redner, dem es vergönnt gewesen sei, den großen Toden viele Jahre zu kennen, habe sich stets erfreut und ergötzt an den köstlichen Perlen, die derselbe aus dem tiefen Meere des Talmud gefördert. Auf einen solchen Mann sei die Auslegung unserer Weisen anwendbar fp^N ,-i nw n"n nian^ x*vn. Zum Schluß flehte der Redner den Segen Gottes auf die trauernde Wittwe, der man nach den Worten ->ana -»an nr» tiefe Verehrung zollen müsse, und auf die trauernden Kinder herab. Alsdann verrichtete der Kantor der Gemeinde, Herr Lewin, nochmals das D'om Nte b«-Gebet, noch einmal hallte das Schofar, und was irdisch war an b"> i ykb jimn wurde der Erde übergebenn"awn y'p'so y/y,T. X. Aus Westpreutzeu, 6. Mai. Ein auffallendes Beispiel von Intoleranz ist von den Blättern kürzlich aus dem Kreise Tuchel berichtet worden. Dort hat ein neuer Landrath, Namens Venske, ohne jeden äußeren Grund 3 nichtprotestantische Kanzlisten (3 Katholiken und 1 Jude), die seit Jahren auf dem Landrathsamt thätig waren, plötzlich entlassen. Ueber die näheren Vorgänge hierbei wird dem „Mainz. Journ." aus jenem Kreise berichtet: Als der katholische Kanzlist S. den Landrath um Urlaub für einen katholischen Feiertag bat, antwortete dieser in erregtem Tone: „Was, hier arbeiten katholische und jüdische junge Leute? Wundern Sie sich nicht, wenn ich nächstens eine andere Anordnung treffen werde." Die „Anordnung" ließ denn auch nicht lange auf sich warten, denn am 1. April erfolgte die Entlassung aller Drei. Erwähnenswerth ist noch, daß S. derartig verkrüppelt ist, daß er zu keiner anderen Beschäftigung oder Gewerbe tauglich ist. Eine Beschäftigung hat S. bis heute noch nicht gefunden. Der jüdische Kanzlist war auf dem Landrathsamt 18 Jahre ununterbrochen unter verschiedenen Landräthen thätig. Er ist ein Mann von seltener Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit. Als allen Dreien die Zeugnisse ausgestellt werden sollten, erklärte der Kreis-Sekretär, sie möchten sich das beste Prädikat im Zeugniß ausbitten; er werde ihnen in's Zeugniß schreiben, sie gäben ihre bisherige Stellung deshalb auf, um eine bessere zu suchen. Gr.-Glogau, 6. Mai. Jüngst starb in Berlin ein hochbetagter reicher Herr, Johann Gottlieb Sucker, der vor 70 Jahren seinen Geburtsort, ein schlesisches Dorf, Priedemost bei Glogau, verlassen hat; er ist arm aus seiner Heimath gezogen und in Berlin zu großem Vermögen gekommen; er ist evangelischer Christ und hat, da alle ihm Nahestehenden vor ihm weggestorben find, die evangelische Gemeinde zu Priedemost zur Erbin eingesetzt. Hauptsächlich lagen ihm Bildungszwecke am Herzen. Zum Kuratorium der Stiftung hat er den Superintendenten, den Lehrer und den Schulzen von Priedenlost eingesetzt. Die Revision aber über die Verwaltung übertrug er dem jüdischen Gemeindevorftande in Glogau, dafür soll die jüdische Gemeinde in Glogau 400 Mark jährlich zu Unterrichtszwecken erhalten. Sollte die Stiftung die landesherrliche Genehmigung nicht erhalten, so