Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1896)
- Date
- 1896-05-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448644--41771-2490744- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
736 ist das Vermögen zwischen der evangelischen und der jüdischen Gemeinde in Glogau zu theilen. Dieses Zeichen des Vertrauens ist um so bemerkenswerther, als es von einem strengen Protestanten den Juden gewährt wird. Vereinsnachrichten. R. Worms. Der Jahresbericht des Israel. Unterstützungsvereins dahier ist erschienen. Derselbe enthält in erster Linie die erfreuliche Thatsache, daß dem unangreifbaren Kapilalftocke immer mehr Geschenke und Zuwendungen zufließen. Durch 4 neue Geschenke ist das Vermögen des ungreifbaren Kapitalstockes um M. 700 erhöht worden, so daß derselbe jetzt M. 20 950 beträgt. Die Einnahmen im Allgemeinen betrugen M. 3526 45 Pfg.; die Ausgaben M. 3798. 70 Pfg. Es wurden 1795 Gaben vertheilt und zwar an 223 Handwerker, 216 Gewohnheitsbettler aus dem Jnlanve, 947 aus dem Auslande, 227 verschämte Arme, 52 Hausirer, 24 Lehrer und Gelehrte, 68 Kaufleute, 38 Personen für Beköstigung. Beständig unterstützt wurden: 9 Familien mit 1 monatlichen Gaben von M. 2—3, 18 ft // 3 „ „ „ rr 3 5, 80 „ ,, 6 tf ff ,t 3 o. Möge dem so segensreich wirkenden Vereine noch reichlichere Gaben zufließen, damit er den zahlreich an ihn gestellten Forderungen jederzeit gerecht werden kann. Gerichtszeiiung Berlin, 2. Mai. Wegen einer Störung des jüdischen Gottesdienstes stand der 14jährige Arbeitsbursche Johannes Sachreczewski am Donnerstag vor der 9. Strafkammer am Landgericht I. Er war im Hause Schillingstraße 12 in einer Schlosserei mit Motorenbetrieb beschäftigt, lieber der Schlosserei befindet sich eine Synagoge. Der Besitzer der Schlosserei hatte sich stets bereit gezeigt, während des Gottesdienstes den Motor anzuhalten. Am 15. Februar fand wiederum ein Gottesdienst statt, und in gewohnter Weise war der Motor zum Stehen gebracht morden. Da kam, während der Vorbeter Danziger die Gebete sprach, Sach reczcwski in die Synagoge und fragte, ob der Motor wieder in Gang gebracht werden dürfe. Der Synagogcndiener wünschte, daß noch etwas gewartet werde, er werde nach der Andacht Bescheid sage». Sachreezewski ging, kehrte aber sogleich wieder zurück und ahmte mit lauter Stimme dem Vorbeter nach, so daß dieser das Gebet unterbrach In der Verhandlung machte er einen recht zerknirschten Eindruck. Sein Vertheidiger wollte ihn nur wegen groben Unfugs abgeurtheilt wissen, da man nur von einem dummen Jungenstreich sprechen könne. Der Gerichtshof hielt mit dem Staatsanwalt eine Zuwiderhandlung gegen den 8 167 des St -G.-B. durch absichtliche Störung des Gottesdienstes für vorliegend, ließ jedoch den Angeklagten mit einem Verweise davonkommen. vermischtes. Pest. Eine altehewürdige Gemeinde, die den etivas konfessionell angehauchten Namen „Jsidö" (Jude) trägt, fand es plötzlich, daß dieser Namen, den diese Gemeinde noch unter den Arpaden bekam, dem würdigen Gemeinwesen nicht wohl anstehe und Petition« te um Abänderung des ominösen Ortsnamens. Diese Umtaufe wurde nicht gestattet, Referent fürhte aus, daß die guten Landwirthc keinen Grund haben, sich des Ramens, der einige Jahrhunderte alt ist. zu schämen, denn es gicbt noch heute eine stattliche Anzahl altungarischer Familien, die das Prädikat „Jsid«'»" führen, aber wegen des recht semitischen Anfluges in demselben noch keine schlaflose Nacht gehabt haben. Dlrco. Vor einigen Tagen ist hier Dr. med. Emannel Bunzel, ein gebürtiger Präge, der fick in Wien niedergelassen hatte und seit Jahrzehnten in Gastein als Eurarzt thätig war, im Alter von 68 Jahren an einem Herzleiden gestorben. Derselbe hat ein Vermögen von ea 350,000 sl hinter lassen, über welches er lctztwillig derart verfügt hat, daß etwa 100,000 fl. als Legate an Verwairdte und Bekannte auszusolgen, der Rst aber wohllhätigen Institutionen zuzuführen sei. Unter deir letzteren befindet fick) eine «Llistung für Doetoren der Medieirr, welche i» Wien oder Prag (deutsche Universität) ihr Diplom erworben Häven und in Folge Kränklichkeit oder Alters ihre Präzis nicht ausnben oder durch Unglücksfäüe in unverschuldete Nothlage gcrathen sind. Jeder Bewerber erhält 200 Kionen. Bei der Vertheilung sind beide Eonfessionen gleichmäßig zu berücksichtigen. Die Unterstützungsansprecher müssen deutscher Rationalität sein. Notorische Antisemiten sind von der Unterstützung ausgeschlossen. Zweitens eine Stiftung zur Unterstützung von Wittwe» und Waisen von Doetoren der Medicin, welche Doetoren denselben Anforderungen wie oben entsprochen haben müssen. Jede Wittwe erhält jährlich 200 Kronen, jede Waise bis zu ihrem 16. Lebenswahre 100 Kronen jährlich. Auch bei dieser Stistung sind beide Eonfessionen gleichmäßig zu berücksichtigen Die Höbe der Stiftungen ist vorläufig noch nicht fixirt: doch dürfte jede mtt über 100,000 fl. dotirt werden. Unter den Legaten befindeit sich solch von je 600 Kronen für das medizinische Eollegium in Prag, für die israelitische Kleinkinderbewahranstalt und deit Verein für jüdische Hausarme in Prag. Bei der Bedarlion neu eingegangene Bücher. (Besprechung Vorbehalten). Moses Mcndelsohn und die Aufgabe der Philosophie von Heinrich Kornfeld. Berlin, Earl Dunker. Geläuterte Religion oder vom Errungenen zum Ersehnten. Voit I. Mentor, Saarbrücken. Klingebeil Zw ei I ug e nddr n m en vott Alexander Weill (Alexander der Große, Haß und Liebe), Zürich, Verlags-Magazin. Geschichte d e r I u d e n u n d i h r e r L i t t e r a t u r. Für Schule und Haus, bearbeitet von Dr. M. Braun Theil I.: Vom Auszug aus Egupten bis zum Abschluß des Talmuds. Zweite durchgcsehene Auslage. Breslau, Verlag von Wilhelm Jacobsohn u. Eo. Meyers Konversations-Lexikon, Band Xi. Der soeben ersckiienene elfte Band ist an sich ein Meisterwerk lexikogrnphiicher DarstcUungskunst unterstützt von einem reichen, wahrhaft künstlerischenJllustrationsschmuck. Man erkennt, daß hier Meister des Faches in ernster Arbeit mit eisernem Fleiß ein Kulturwerk der höchsten 'Vollendung entgegensübren, und als vornehmstes Merkmal dieser ruhmvollen Schöpfung glänzt auch im neuen „Meyer" die geradezu geniale Durchführung des Bearbeitungsplanes. In dieser