Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 39 (16.5.1895)
- Date
- 1895-05-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448559-2448597--40757-2489684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
zry- ^-^7-: 735 selbst war ein lebendiges Beispiel, daß hohe Bildung und frommer Sinn keine Widersprüche seien; er beherrschte fünf Sprachen, besaß hohe Intelligenz, was schon sein Ehrenamt als Schulrath der Stadt Preßburg bewies und war nichtsdestoweniger ein eifriger und begeisterter Vorkämpfer für die Interessen des orthodoxen Judenthums, ein strenggläubiger und überzeugungstreuer Jehudi. Noch in seinen jungen Jahren, schon zur Zeit des großen Rabbi Moses Sofer saß er bereits im Vorstaude der Preßburger isr. Cultusgemeinde und einige Jahre später in der stürmisch bewegten Zeit des Jahres 1848 fptelte er eine große Rolle in seiner Gemeinde, indem er die bedrohten Interessen dieser -vy auf das Muthtgste gegen die damaligen Machthaber vertheidigle. Wir wollen nur eine kleine Episode aus dem thatenretchen Leben des Verblichenen *?-r hcrvorhcben. Nach der Bewältigung des Ausstandes im Jahre 1848 seiiens der kaisirl. Regierung begann ein strenges Regime für die sich an der Revolution bethetligt habenden Städte und Ortschaften. In erster Linie fühlten dies die Juden. Zu dieser Zeit ließ der damalige Poliziedirektor der Stadt Preßburg Herrn Hermann Pappenheim, in seiner Eigenschaft als angesehenstes Mitglied des Vorstandes der Preßburger Judengemeinde, rufen, ihm die Mtttheilung machend, daß die Regierung der Preßburger Judengemeinde eine Contribution von fl. 50,000 zu zahlen auferlegt habe. Als ihm der Verewigte die Unmöglichkeit der Bezahlung dieser enormen Steuer in Folge der großen Armuth der Gemeinde in überzeugender Weise auseinandersetzte, schrie ihn der Polizeidiroktor mit den Worten an: „Was unmöglich! Es muß möglich sein." Als Herr H. Pappenheim in höflichen, aber entschiedenen Worten seine erste Versicherung wiederholte, herrschte ihn der Polizeidircctor mit den Worten: „Wissen Sie mit wem Sie reden?" da hatte der Verewigte den Muth, die Antwort zu ertheilen: „Ja wohl Herr Polizei-Direktor! Ich weiß es, daß Sie die Macht besitzen, mich verhaften und auf zwei eventuell auf drei Monate einsperren zu lassen, muß aber trotzdem meine Ihnen gegebene Versicherung wiederholen." Dieser Wortwechsel, der in Folge der Erregtheit Beider so laut geführt wurde, daß der in einem anstoßenden Zimmer weilende damalige Statthalter Graf Atems plötzlich erschien und um den Grund der so in lebhaftem Tone geführten Auseinandersetzung fragte. Als ihm der Polizei-Direktor den Thatbestand erzählte und über das „respectwidrige" Auftreten und den Widerspruch Pappenheims sich beschwerte, da machte der Statthalter der peinlichen Scene, mit den Worten, e.'n Ende : „Ich kenne Herrn Pappenheim schon seit Jahren als loyalen Kaisertreuen Staatsbürger. ' Wenn er versichert, daß seine Gemeinde diese Steuer nicht leisten kann, so ist er gewiß im Rechte." Die Eontributton wurde schließlich auf Anordnung des Statthalters auf den fünften Theil nämlich auf fl. 10,000 reduziert. Der V rblichene war aber nicht nur ein wackerer Vertheidtger seiner Glaubeusbrüder nach außen hin, sondern auch gegen innere Gegner, die den altüberlieferten Väterglauben durch ihre maßlose Reformen untergraben wollten. Da konnte er durch seine begeisternden Reden in öffentlichen Versammlungen, durch seine überzeugenden Worte seine Gemeindemitglieder für das traditionelle Judenthum hinreißen, die Schwankenden gewinnen. Daß Herr H. Pappenheim seit mehreren Dccennien als Führer der Martini-Deputation bei S. M. dem Kaiser fungirte, daß er oft von S. M. mit einer Ansprache beehrt wurde, daß Dieser ihn unlängst huldvollst erinnerte, daß er ihn bereits seit seinem Regierungsantritte als Führer der Martini-Deputation kenne, dürfte wohl nicht Jedem bekannt sein. Ungeachtet seiner angesehenen Stellung war der Verblichene ungemein bescheiden, ein Freund und Rathgeber jedes Bedrückten und einer Hilfe Bedürftigten. Er besaß einen unverwüstlichen Humor, der ihn auch in der dunkelsten Periode seines Lebens nicht verließ. Sein Gottvertrauen, sein strenges Festhalten an dem unverfälschten altüberkommenen Väterglauben hielt ihn in jeder Situation aufrecht. Nach dem letzten Willen des Dahingeschiedenen wurde dessen entseelte Hülle Dienstag den 7. d. M., Abends 8V4 Uhr nach feiner Vaterstadt Preßburg überführt, nachdem zuerst der Vereinsrabbiner des Beth - Hamidrasch Herr Baumgarten im Trauerhause in der Hermineugasse einen sehr ergreifenden, die zahlreichen Anwesenden zu Thränen rührenden i&Dn dem Verblichenen gewidmet. Die ,y6 war eine äußerst imposante, wie wir schon lange nicht eine solche gesehen. Die ganze Herminengasse und ein großer Theil der großen Schiffgaffe waren angefüllt von Freunden und Verehrern des Dahingeschiedenen, die ihm das letzte Geleite bis zur Ferdinandsbrücke gaben. Die Bestattung, zu welcher außer seiner zahlreichen Familie noch viele Verehrer und Freunde des Verewigten nach Preßburg gereist, fand Mittwoch unter Betheiligung der ganzen Preßburger Gemeinde statt. In den Straßen, wo die rrfr vorüber passirte, waren die Geschäfte geschloffen. Dem Sarge folgten außer dem Gesammtvorstande der Preßburger Gemeinde, aller min 'imb, der Schüler der Volks- und min -nv^n-Schule, der Handelsschule mit ihrem Lehrkörper, beinahe die ganze rmfcv In Abwesenheit des Herrn Oberrabbiner widmeten am D”nn iva Herr Rabbinats- Assessor Friedman«, als pso der ntenp man ' Herr D on a th, der Sohn des Verewigten »jton mo