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Der Israelit · 1915-02-11 · Heft 7 (11.2.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 7 (11.2.1915)
Date
1915-02-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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11. Februar 1915 Der JSraeltt. No.? Sette 3 überaus groß, darum muß ihnen auch reiche Hilfe werden. Jedenfalls stehen wir da vor einer überaus eminenten Frage. Wir wollen und werden sie läsen und zwar in einer Art, daß die Armen in ihren religiösen Gefühlen nicht gekränkt werden, sind wir doch durchdrungen von dem Bestreben, ihnen wohlzutun. Im Namen des „Zentralhilfskomitees in Pilsen für galizische Flüchtlinge" bitte ich nochmals: Gedenket der Armen, vom Kriege so hart Betroffenen in Liebe und Erbarmen! Geistige Kriegssürsorge. (Fortsetzung.) Daß die Menschheit, vor gewaltige Ewigkettsprobleme gestellt, voll Ehrfurcht nach dem Buche der Bücher greift, um darin das Maß aller Dinge zur Wertung der großen unbekannten Vorgänge zu gewinnen, ist ganz natürlich. Im Kreise derer, die sich bet der Bibel über den Krieg befragen, verdient Professor Dr. Karl Duckmann mit seiner Broschüre „Die Bibel und der Krieg" besondere Beachtung. (Verlag Edwin Runge, Berltn-Lichterfelde.) Die Religion der Bibel ist die Religion des Friedens. Mit dem Frieden beginnt die jüdische Bibel und mit dem Frieden endet sie. (Darauf weisen schon unsere Lehrer hin mit den Worten Ion TS1D1 *1Dn) Mit dem Sündenfall usw. entsteht der Riß. Doch auch hier läßt uns Gott durchblicken, daß er mitten in der Sündenflut seinen Bund des Friedens mit dem Menschen aufrechrerhalten wissen will. In der Schilderung der Prophetenzeit zeigt der Verfaffer, daß er die Phantasieen der modernen Bibelkrittk richtig zu würdigen versteht, und es berührt wohltuend, wie er das Märchen von dem „Gotte der Rache" widerlegt und die sogenannten „Haß- und Rache- Psalmen" in ihren tieferen Zusammenhängen aus ihrer Zeit heraus zu begreifen sucht. Im zweiten Teile, der sich mit dem Neuen Testamente befaßt, vermögen wir dem Verfaffer nicht weiter zu folgen. Von einem Arzte und Kenner der russischen Verhältnisse wird in einer kleinen Broschüre, in der in gefälliger Form der ruffisch-japanische Krieg, der Friedenspalast zu Haag, die Schlacht bet Tannenberg und allerlei Rück- und Ausblicke enthalten sind, der Weltkrieg als Weltgericht geschildert. Das belehrende Büchlem ist beim Verfaffer, Herrn Dr. med. Ratner, Wiesbaden, zu beziehen. An solchen Ausblicken, besonders für die Juden Polens, reich, ist auch die Schrift, „Der Krieg und die polnischen Juden in vom Dorfe her, auf den gekrümmten Waden. Bald wurde auch die Gestalt sichtbar. Es war ein Jndenknabe von 13—14 Jahren. An seiner kleinen Gestalt wirkte komisch der schwarze, lange Kaftanrock. Nun war auch schon sein Antlitz sichtbar. Fahle Blasse aus diesem kleinen, traurigen Judengesicht, aus welchem zwer schwarze, feurige Augen leuchteten. An beiden Schläfen waren die üblichen langen Seitenlocken sichtbar. Vorsichtig und ängstlich senkte der kleine Judenknabe immer seine Blrcke zu Boden. Scheinbar suchte er die Spuren der Welschkörnchen. Nach deren Zickzack richtete er auch seine Schritte ein. — Tun ftüsterte schon ganz triumphierend: „Nun, Herr Leutnant, wer wird Recht behalten?" Sofort kragte er dann ganz ungeduldig: „Darf ich eine Porrion Schießpulver auf diesen verschwenden?" Der Leutnant hielt jedoch die Hand des Fragenden zurück und sagte: „Still, wir werden sofort auf der Spur sein." Es wurde immer dunkler und ein kalter Wind blies von den Bergesspitzen her. Der kleine Judenknabe ging immer weiter, vorsichtig, umher- und auf die Welschkörnchen herunterblickend, dem naheliegenden Hügel zu. — Mil ihm gingen nun in gleicher Richtung die drei Soldaten hinter dem Wachholderfichten geräuschlos einher. Sie folgten ihm. auf Schritt und Tritt. Der Judenknabe hatte scheinbar fein Ziel endlich erreicht. Er blieb am Hügel vor einer mit Schnee bedeckten Anhöhe stehen, aus welcher ein Holz-- brett emporragte, an dessen Vorderseite die Worte zu lesen waren: „30 den Heldentod gestorbene ungarische Soldaten." Die Mondessichel glänzte schon zwischen den Berfen hervor, einen schwachen Lichtstreifen auf die legend wkrsend. Bei diesem Schein sah man, wie sich ihrem Verhältnis zu Deutschland" von Felix Perles, (Verlag Gräfe und Unzer, Königsberg i. Pr.) Hoffen wir mit dem Autor, daß seine in dieser Schrift gehegten Hoffnungen sich recht bald erfüllen. Nicht unerwähnt soll in diesem Zusammenhänge eine Schrift bleiben, die dem Befreier Ostpreußens gewidmet ist. Der Artikel „Beim Generalfeldmarschall von Htndenburg" von Dr. Paul G ol d m a n n, der vor einiger Zeit in der „Neuen Freien Preffe" berechtigtes Aufsehen erregt hat, ist nun als Broschüre erschienen und von der Deutschen Verlagsanstalt Concordia G. m. b. H., Berlin zum Preise von 50 Pfg. zu beziehen. „Der Weltkrieg und die Judenfrage" betitelt sich eine Broschüre von Jonas Kreppet (Verlag: Redaktion „Der Tag", Krakau—Wien). Kreppe! ist überzeugt, daß in der großen Reihe der vom Kriege zu lösenden Probleme die Judenfrage nicht fehlen wird und daß das Resultat des Völkerrtngens entscheidend für das Schicksal der Judenheit sein wird, der Judenheit der ganzen Welt. Vom Siege Deutschlands und Oesterreich-Ungarns hängt die Zukunft der Juden ab, und darum sei der Kampf gegen Rußland für den Juden ein heiliger Krieg. Das Büchlein schildert die Leiden des russischen Juden und meint, daß schon wegen der unzähligen Millionen, die die russischen Juden jährlich ihre Brüder kosten, die Niederwerfung des russischen Bedrückers von der gesamten jüdischen Welt herbetgesehnt werden muß. Eine scharfe Abfuhr erfahren mit Hinweis auf die Pogrome während des Krieges Zangwills Illusionen. Nicht sehr angenehm berührt in der Schrift die Behauptung , daß der Krieg denen, die eine jüdische Einheit negieren, recht gäbe. Daß die Juden in allen Ländern ihre patriotische Pflicht voll erfüllen, kann nur für denjenigen ein Versagen des jüdischen Gemeinschaftsgefühls bedeuten, der in der Stellung und Beantwortung der Probleme an der Oberfläche haften bleibt. Im übrigen stimmen wir aber dem Verfaffer bet, daß vom Sieg der Zentralmächte die Freiheit und Erlösung für Millionen verfolgter Juden erhofft werden darf. Groß ist die Zahl der religiösen Reden und Gebete, ote seit Ausbruch des Krieges, zum großen Teil zu Gunsten des Roten Kreuzes, in Broschürenform erschienen sind. Manche von ihnen werden ihre heilsam stärkende Wirkung auf Hörer und Leser nicht verfehlen. Es liegen uns vor: „Gottrsdienstliche Vorträge" von Dr. Salomon Stein, Distriktsrabbiner in Schweinfurt (Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a.M.) „Reden aus ernster Zeit" von Rabbiner Dr. M. Lew in, Wreschen (bei Jtzkowskt, Berlin), „Zwei Reden in schwerer der kleine Judenknabe vor diese schneebedeckte Erderhöhung stellte und seinen mageren, mit dem schwarzen Kaftan bekleideten Körper vor- und rückwärts beugend, in die Nacht und in das Massengrab mit tränenerftickter Stimme und gebetartiger trauriger Melodie hineinweinte: „Jiszgadal wejlszkadasch scheme rabbo"... Herzzerreißend hörten sich diese Werte in der öden Gegend und der stillen Nacht an. Tun brummte ganz gerührt im Verstecke die Worte: „Ich kenne die Melodie aus meinem Dne. Es ist das jüdische Gebet nach Verstorbenen." Als der Knabe nun sein Gebet vollendete, trat der Leutnant aus dem Verstecke auf ihn mit dev sanften Worten zu: „Wen beweinst du da, mein Kind, in dunkler Nacht auf diesem Hügel?" „In dem vorwöchentlichen erbitterten Kampf mit den Russen siel hier mein guter Vater", antwortete der Judenknabe, „hier wurde er mit den übrigen Helden begraben. 33 Jahre war erst mein frommer, teuerer Vater alt. Als jung'? Witwe ließ er meine arme gute Mutter mit fünf Wai,enkindern, von denen ich das älteste bin, zurück. Meine teure Mutter hat mir Hierher den Weg zum Grabe bezeichnet. Heute ist Freitag Abend. .... Zu Hause brennen schon die Sabbachlichter... aber der gute Vater legte heute zum ersten Male nicht segnend die Hände auf mein Haupt... So kam r ch zu ihm, seinen väterlichen Segen zu erbitten ... Kam i ch zu ihm hinaus, um auf seinem Grabe das Kaddifchgebet zu verrichten...." Zeit" von Dr. Jakob Spira, Rabbiner in Mähr. Ostrau (Selbstverlag). Drei kleine Broschüren, Krtegspredigten enthaltend, von Rabbiner Dr. M. Appel, Karlsruhe (Kommissionsverlag von A. Btelefeld's Hofbuchhandlung, Karlsruhe). „Predigten und Gebete", zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm II. im Kriegsjahre 1915 von Lion Wolfs, Prediger der Synagogengemetnde, Tempelburg i. P. (Verlag von Eugen Manig, Tempelburg.) An Andachtsbüchern, die neben der einfachen, alten, durch nichts zu ersetzenden Tefillah, unseren Kriegern eine erhebende und erbauende Stunde bieten sollen, empfehlen wir das AndachtsKüchlein von Rabbiner Dr. Bamberg er, Schönlanke (bet JtzkowSki, Berlin). Schön zusammengestellt, auch , in der Form handlich und gefällig, ist das „Gebetbuch für israelitische Soldaten tm Kriege"von Rabbiner Dr. Max Grunwald, Wien (Verlag der israelitischen Kultusgemeinde, Wien). In gleicher Ausstattung find von demselben Verfaffer „Gebete in Kriegszeiten für israelitische Frauen und Mädchen" erschienen. (Verlag Jos. Schlesinger, Wien I). „I m K r i e g Sjahr 1914" betitelt sich ein Bittgebet für Kaiser, Volk und Vaterland, in hebräischer und deutscher Sprache, von Abraham Glaßberg, KultuSbeamter der jüdischen Gemeinde zu Berlin (Selbstverlag). Zur rechten Zeit ist jetzt in zweiter Auflage das D'Tt mmiK "pVin von Bengis (Selbstverlag: S. W. Bengis, Memel) erschienen, das neben allen einschlägigen Gebeten auch viele intereffante Kapitel aus der agadischen und Muffarliteratur enthält, die dem hebräischkundigen Krieger in bangen Stunden auf großen Märschen und langen Eisenbahntoüren willkommene Reise-Lektüre sein werden. Vermißte Mische Familien. XVl. Es werden gesucht: M. A. Gems. geboren in Zolliew, später in Lemberg, etwa 30 Jahre alt; flüchtete von Antwerpen nach Düffeldorf. Mendel Wald aus Csisna (Galizien). Gimpel Wischrrowitz, Lemberg, Zuimow 32. Chaim Rose«, Bialy. kamin b. Zloczow (Gal.) Frau Malle A«cker kandel, GologooysGal.) Frau Dresel Zwiebel, Gologooy (Galizien). Von Veer-Seba zum Serge Sinai. (Aus einem Feldpostbrief eines ottomanisch-jüdischen Soldaten.) Die ungarisch-jüdische Monatsredue „Mit es Jovö" in Budapest erhielt von ihrem Jaffaer Mitarbeiter den Feldpostbrief eines jüdischen Soldaten, welcher an dem Feldzuge gegen Aegypten teilnimmt. Der Brief stammt von dem hebräischen Journalisten Hirsch Schapira und ist an seine Eltern in Rischon le Zion bei Jaffa gerichtet. . Unsere Truppe schritt fröhlich, türkische, arabische und hebräische Freiheitslieder singend, vorwärts. Der Marsch in der Ebene auf ziemlich guten und zum Glücke genug trockenen Straßen war nicht übermäßig ermüdend. Nur Weyen deß Waffermangels hatten wir hie und da zu leiden. Meine Kameraden blickten mit geradezu ehrwürdiger Scheu auf die neben uns sich wiegend dahin trabenden zahmen Kamele, welche unter der Last der schweren Wafferschlänche fast znjammenzubrechen schienen. Me Kamele knieten mit fast glückseliger Höflichkeit vor uns nieder, damit wir die herabyängenden Waffergefäße ausleeren, worüber sie sich nicht nur deshalb freuten, weil dadurch ihre Last leichter wurde, sondern vielleicht auch deshalb, damit ihre treuen. Begleiter ihren brennenden Durst stillen können. Haben wir uns doch unterwegs gegenseitig so lieb gewonnen, daß wir ein gefallenes Kamel ebenso aufrichtig betrauerten, wie einen gefallenen Kameraden. Ich weiß nicht weshalb, aber wir Hielten unsere erste längere Rast bei Beer-Seba. Das Anfüllen der Wafferschlänche der Iattgen Reihen von Kamelen, sowie die sonstige Ausrüstmrg des Drains hat wohl Es sucht: Redaktion des „Israelit". Paula Wald aus Cfisna (Gal.), Prag i. Böhmen, Ptschlergaffe 14,1. Stock. Büro der Agrrdas Jis roel, Frankfurt a. M., Zeil 85.

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