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Der Israelit · 1915-02-11 · Heft 7 (11.2.1915) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 7 (11.2.1915)
Date
1915-02-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 4 No. 7 Der JSraeltt. 11. Februar 1015 Frau Ester Horowitz aus Sokolow (Gal.), z. Zt. Pretzburg (Ung.), Hochstraße 23. Sch. SompoliuAki aus Tschechotschinik (Russisch Polen), z. ZI. in Landsrrona (Schweden),Järnvägsgalen 2. Salomon Horowitz aus Sokolow (Bz. Podhajze), Galizien. Mosche Efroim Kut - fchinski aus Tschechotschinik (Ruff. Polen), zuletzt in Thorn. Meldungen nimmt auch die Expedition des „Israelit" entgegen. Lvrresponbenzen und Nachrichten. Deutsches Ketch. K' AWi /mm Jüdifdie tiriegsfürforge ln vsspreußen. Kö«i-söerg i. H., 4. Febr. Die abgelaufenen Kriegsmonate haben an die persönliche Arbeitsleistung wie an die Gebefreudigkeit unserer Gemeindemitglieder große Anforderungen gestellt. In einer Besprechung, die unmittelbar nach Beendigung des Gottesdienstes am Kriegsbettage (5. August) stattfand, wurde unter dem Namen „Jüdisches Hilfskomitee 1914" ein Komitee gebildet, dem die Synagogengemetnde, die verschiedenen Wohl:ätigkeitsvereine und einzelne Gemeindemitglieder zunächst nahezu 20000 Mark zur Verfügung stellten. Die Lage Königsbergs als Grenzfestung in unmittelbarer Nähe des Kriegsschauplatzes bot dem Komitee sofort Gelegenheit zu umfassender Tätigkeit. Die zahlreichen russischen Glaubensgenossen, die sich in Kliniken oder zu ambulanter ärztlicher Behandlung hier aufhielten, mußten mit Ausnahme der nichttransportfähigen auf Anordnung der Behörde, aus militärischen Rücksichten die Festung verlassen, ebenso die zahlreichen jüdischen Badegäste aus Rußland, die in den im Festungsgebtete belegenen Seebädern am Sam landstrande von dem Ausbruch des Krieges überrascht worden waren. Zu diesen traten hinzu Erholungsretsende, die aus westlicher gelegenen Badeorten auf der Hinreise nach Rußland nur noch bis Königsberg gekommen waren, und eine größere Anzahl von jüdischen Gemüsebauern aus Rußland, die alljährlich in den Sommermonaten vor den Toren der Staat ihrem Gewerbe nachzugehen pflegten. Nach vielen Hunderten zählten diese Fremden, die in der ersten Krtegswoche von hier fortgeschafft wurden. In der folgenden Woche mußten Hunderte von zumteil seit langer Zeit hier ansässigen Mitgliedern unserer Gemeinde, die russische Staatsangehörige waren, Königsberg verlassen. Dank der persönlichen Fürsprache hervorragender Gemeindemitglieder und angesehener nicht jüdischer Persönlichkeiten, die vielfach Entgegenkommen bei den Behörden fand, sind die unvermeidlichen Härten dieser Maßregeln nach Möglichkeit gemildert worden. Das Hilfskomitee hat die vorübergehend internierten Fremden verpflegt, die Abreisenden, soweit erforderlich, mit Geldmitteln versehen und nach Möglichkeit die Fürsorge für die zurückgelassenen Wohnungseinrichtungen der Ausgewiesenen übernommen. Gleichzeitig setzte die Hilfstätigkeit für die Familien, deren Ernährer zu den Fahnen einberufen waren, ein. Eine neue Sorge waren seit der dritten Augustwoche die zahlreichen Flüchtlinge, die vor der russischen Invasion hier Schutz suchten. Die Hilfsarbeit der interkonfessionellen Flüchtlingsfürsorge, an welche auch die jüdischen Flüchtlinge zunächst verwiesen wurden, hat unser Komitee durch Gewährung von einmaligen und dauernden Unterstützungen ergänzt. Für die Dauer der Herbstfeiertage wurde für die Flüchtlinge und für die zahlreichen jüdischen Soldaten unserer Besatzung für Verpflegung gesorgt. Biele Familien in unserer Gemeinde haben sich gern erboten, den Soldaten in ihrem Hause die Festtage zu bereiten. Der Gottesdienst am Neujahrs- und Versöhnungstage glich fast einem Feldgottesdienste. Nach Beendigung des Festmonats ist für die Flüchtlinge in den von der (Bne-Briß) Kantloge zur Verfügung gesteten Räumen eine rituelle Volksküche eingerichtet worden, zu deren Kosten das allgemeine Komitee für die ostpreußischen Flüchtlinge einen je nach der Anzahl der Bespeisten bemessenen Betrag — zeitweise 300 Ji wöchentlich beisteuerte. In der Volksküche speisen auch einige Soldaten der hiesigen Garnison für den Betrag von 20 Pfg. täglich. Für die Versorgung der Flüchtlinge mit Kleidung und Wäsche ist unsererseits über das von dem allgemeinen Komitee hinaus geleistete Maß reichlich gesorgt worden. Größere Mengen von Kleidung und Wäsche sind uns für diesen Zweck aus den verschiedensten Teilen des Reiches als Liebesgaben zugegangen. Soweit diese Gaben bis jetzt nicht verwendet worden sind, w'rden sie bet der hoffentlich bald zu erwartenden Rückkehr der Flüchtlinge an geeignete Zentralstellen in der Provinz zur Verteilung gesandt werden. Der Gesamtbetrag der von dem Jüdischen Hilfskomitee verausgabten Geldmittel belief sich am 1. Januar auf 33O0O Jl. Durch die russische Invasion sind zahlreiche Provtnzgemeinden zurzeit verschwunden, ihre Beamten mittellos geworden. Der Ausschuß der Synagoaengemetnden Ostpreußens wandte sich an die Wohltätigkeit der Glaubensgenossen im ganzen Baterlanoe und erhielt so die Mittel, den schwer geschädigten Beamten ihre Gehälter zu zahlen und sie vor Not zu schützen. Mit überraschendem Erfolge ist die Unterbringung von Flüchtlingskindern in jüdischen Familien des Westens in die Wege geleitet worden. Selbstverständlich haben sich Gemeinde, Wohltätigkeitsvereine und Private mit reichen Spenden für alle allgemeinen Organisationen auf dem Gebiete der Kriegshtlfe beteiligt. Ebenso sind sie auch eifrige Mitarbeiter, zumal unsere Frauen in dem anstrengenden Dienst auf den Bahnhöfen, namentlich bei den Truppentransporten, bet der Ankunft Verwundeter und bei der Bespeisung der auch nachts in Riesenzügen durchreisenden Flüchtlinge. Oesterreich. Karksvad, 25. Jan. Entgegen ungerechtfertigten Behauptungen in der Presse über das Los der Flüchtlinge in Karlsbad teilt Herr Rabbiner Dr. Ziegler auf private Anfrage folgendes mit: „Ein Teil der Aermsten hat zwei ausgezeichnete Ubikattonen, die anderen, fast 3000,. wohnen in Privathäusern und sind bestens versorgt, unsere Bevölkerung nimmt sich ihrer wärmstens an und opfert, was sie opfern kann. Die Flüchtlinge sind auch-glücklich, hier Unterkunft erhalten zu haben, und der fortwährende Zuzug beweist, wie wohl sie sich hier fühlen. Anders allerdings in den Dörfern unseres Kreises, wo sie die Regierung untergebracht hat, und wo es ihnen mehrfach elend geht. Diesen Flüchtlingen senden wir Strohsäcke, Decken, Wäsche, Schuhe u. s. w., was wir eben nur ausbrtngen können, und mein Aufruf galt nur diesen Unglücklichen, deren Zahl in unserem Kreise allein auf 3—4000 angewachsen ist. Unsere ganze Tätigkeit ist jetzt diesen Bedauernswerten gewidmet." fllUiaasn. Aus 8en GemeinSen. Budapest. König!. Rat Dr. Josef Simon, der seit dem Kongretzjahr der 8piritus-kr«ktor der ungarischen Neologte war, ist gestorben. Durch seine vor-, aber noch mehr hinter den Kulissen entwickelte Tätigkeit, verhinderte er Jahrzehnte hindurch den organischen Zusammenschlutz der Gesetzestreuen. Für ihn war das geschaffene Kongretzstatut, gegen das sich die ganze orthodox denkende Judenhett im Schomre Hadatzverband auflehnte, ein noli me tangere. Er brachte dem gesetzestreuen Judentum gar kein Verständnis entgegen und sah im Kern der ganzen orthodoxen Separatorganisation — wie er dies Ihrem Korrespondenten vor Jahren erklärte — „nichts als auch viel Zeit in Anspruch genommen, aber wir verbrachten überdies noch zwei Mchte auf diesem heiligen Platze und in tiefer Andacht, von Erinnerungen überwältigt und gerührt, umstanden wir diesen viel Jahrtausende alten „Brunnen des Schwurs", welchen noch unser Urvater Abraham gegraben hatte. Ein zionistischer Trainsoldat hatte einen trefflichen Einfall: man sollte die biblische Szene erneuern! Und er führte fernen Plan auch sofort aus. Er trieb sieben Schafe vor den Brunnen, stellte dann die arabischen Jungens auf die eine Seite des Brunnens auf und die jüdischen ihnen gegenüber. Auf ein Kommando erhoben sämtliche ihre Schwerter und schwuren einander bei dem „Brunnen des Schwurs" Frieden und Treue zu: Araber und Jude« sollen fortan im heiligen Lande einander nichts zu Leide tun... Nachdem wir das Seir-Gebirge und die Paranwüste gestreift hatten, gelangten wir zu den „Gräbern der Sehnsucht", wo ich Verständnis bekam für jene meiner Vorfahren, welche nach ihrem Auszuge aus Aegypten in dieser Gegend von Hunger geplagt, sich zu den alten ägyptischen Fleischtöpfen zurückgesehnt hatten. Ich selbst war auch so hungrig und sehnte mich gleichfalls nach dem ägyptischen Proviant, welchen wir von dem englischen Train erbeuten werden.... Die Engländer ließen auch nicht lange auf sich warten. Bee Akaba landete eine recht stattliche Truppe, und wir ließen sie fast bis zum Fuße des Sinaiberges Vordringen. Unsere Artillerie hatte damals bereits die Geschütze auf den Sinaiberg hinausgeschleppt und auch der Berg Horeb wurde von einer starken Artillerieabteilung besetzt. Du kannst Dir denken, teurer Vater, welche Freude es war, den Kanonendonner vom Berge Sinai zu hören. Und was für „Offenbarung" war M die ans Aegypten ausgezogenen englischen Truppen. Ehrlich gestanden hat mich ein eigenartiger heiliger Schauer ergriffen, als wir uns dem Sinai näherten, und ich sah, wie arabische Rosse mörderische Maschinen auf jenen Berg hmauszogen, von welchem unter den zehn Geboten auch der Ruf in die ganze Welt hinausscholl: „Du sollst nicht morden!" Aber wir können wahrlich nichts dafür, daß die englischen Söldner sich hieher gewagt haben, vielleicht, um hier für ihr Verbrechen gesttaft zu werden. Denn nur wenig englische Soldaten haben das Wort von' dem Fuße des Berges Sinai weitergettagen... Ars unsere Truppe vom Sinai gegen den Suezkanal zu marschieren begann, kam es mir in den Sinn, daß wir ungeführ denselben Weg in umgekehrter Richtung von Palästina nach Aegypten zurücklegen, den unsere Vorfahren gewandert sind, als sie aus Aegypten nach Palästina auszogen. Aber damals mußte der Suezkanal noch nicht gestürmt werden. Damals war das Gebiet bei Baal Zefon und Pi-Hachirot noch trockenes Land. Sie hätten übrigens auch den Kanal trockenen Fußes übersetzen können, denn damals Uetz Gott Wunder geschehen. Uns aber wird es wahrscheinlich noch viel Muhe und Arbeit kosten, um den Suezkanal trocken oder zu Wasser zu übersetzen. Die Hauptsache ist doch, daß wir uns ihm schon nähern und daß unsere Kamele, tvenn die „Amalekitten" uns nicht irgendwo in der Flanke «ngreiferr werden, bald in Mi'rajim im Lande Goschen werden weiden können, und wir uns ergötzen können an den zerfallenen Pyramiden der Pharaonen, welche der aNsgezeichueren türkischen Artillerie als großarttge Deckung für die Geschütze werden dienen können. (Aus dem Feldpostbriefe eines Frankfurters.) Schützengraben, 29. 1. 15., mittags 1 Uhr. Heute Nacht hatte ich Unteroffiziersposten von 10—12 und 5—7 y2 Uhr bezogen und zwar zusammen mit dem Studenten, der mit mir im Unterstand liegt. Der Unterokftziersposten liegt etwa 200 Meter vom Feind entfernt, ist aber ganz ungefährlich. Es war eine wunderschöne Nacht, der ein herrlicher Morgen folgte, und altes lag fo still und friedlich, daß man sich kaum vorstellen konnte, daß sich zwei Völker im blutigen Ringen gegenüberliegen. Und eben ist es Freitag Mittag, alles schläft im Unterstand um mich her, und da gehen meine .Gedanken hinweg von dem grausigen Kriegsschauplatz, gehen von Frankreichs Erde hinweg, und im Geiste bin ich in unserem schönen Frankfurt, und da sehe ich die liebe Mutter m der Küche herumhantieren, und die andernsalle, um alles für den lieben rat? in die Reihe zu bringen. Ja, meine Gedanken gchen nicht weg von zu Hause, und heute Abend gehe ich im Geiste um 4 Uhr 50 Ä-j„. zur Synagoge, um den rav zu empfangen. Und .morgen am rav ist ein doppeltes Erwachen, erstens ist inorgen rn'V rav, das Erwachen eines Volkes ans der Knechtschaft Aegyptens, und dann ist noch ravs -ivy nvon, ein neues Aufblühen der Natur. Möge 2'.i doch auch bald geben, daß dieses furchtbare Völkerringen endlich auch einmal ein Ende nehmen möge, und alles wieder ins alte, schöne Geleise käme. Der in den Höhen den Frieden schafft, er möge auch bald den Frieden über uns und über gan» Israel bringen, svn. I. L. (Ein blutiger Schlüsselbrief.) Die in Newyork erscheinenden „Jüdischen Galetten" veröffentlichen eine Postkarte, die em Leser des Blattes aus einem

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