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Der Israelit · 1915-01-01 · Heft 1 (1.1.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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1. Januar 1915 Der Israelit. No. 1 Sette 3 tun' . Der Herausgeber nennt seinen Leitartikel „Der g e s e tze s treueJude und der K r i e g", Ec knüpft an die vom Kriege geschaffene deutsche Einheit an und zeigt in geistvoller Weise die Triebfedern, Motive und Gefühle, aus denen der Patriotismus des deutschen Juden, besonders cber des gesetzestreuen Juden quillt. Dieser Patriotismus ist rein, weil interesseu- und bedingungslos; ernst und tief, tief, weil in den letzten Gründen jahrtausendealter religiöser Ueberlieferung verankert. Jederzeit treu dem Gesetz, kämpft der religiöse Jude tvie ein Held und stirbt als Held wie das Gesetz es befiehlt. Wie in Altisrael die Moral als Politik betrieben wurde, zeigt Dr. Joseph Carlebach an einer Stelle in Jirmejahu. Damit ist das Gerede von der „politischen Moral", d. h. die Ansicht, daß die Ethik, die den Einzelnen, bindet, im Völkerlcben keine Berechtigung hätte, widerlegt. An Stelle der „politischen Moral" tritt die „moralische Politik". Diese wird uns den Sieg verleihen, wie jene „politische Moral" den Gegnern die Stoßkraft nehmen muß. An weiteren Beiträgen enthält die stummer einen Artikel D r. Unnas über „die Bedeutung der Gutachtenliteratur für d i e j ü d i s ch e Geschichte". Ferner Aufs ätze von Dr. I. Wohlgemuth („Zur Bedeutung von „bezahlen") und O. Bahre („Das Kainszeichen"). (Fortsetzung folgt.) Die Kriegsnot im heiligen Lande. Zerulalemer Brief. Jerusalem/ 3. Dezbr. Wir leben hier sehr bewegte Zeiten. Durch den welterjchüiternden Krieg ist die ohnehin arme jüdische Bevölkerung in elne Not geraten, die mit jedem Tage größere Dimensionen annrmint. Das amerikanische Hilftwerk hat viel Gutes gestiftet, indem fürs erste an drei Hauptplätzen Norküchen errichtet wurden, in welchert täglich an 7000 Portionen verabreicht werden. Der Selbstkostenpreis einer solchen Portion stellte sich dlos auf 10 Centimes. Man kann ruhig behaupten, daß btefe Armenspeiinng in zahllosen Fällen eine lebenrettende Tat bedeutet. Für Rechnung des Waad kol Hakaulelim im Verein mit der hiesigen Vertretung des deutschen Hllfsvereins wurde mit einem hießgen Backhaus eine größere Brotlieferung abgeschlossen. Nun bestehr die Absicht hie uno da nur Brot um Apfelsinen zu geben. Bon diesen Früchten, die man leider nicht exportieren kann, werden zur Zeit 7 Stück für em MelaUk (5 Centimes) gekauft. In den Kolonien würde man die herrlich gestehst es in 6 schmucklosen Strophen. Du warft ein Dichter, das heißt ein Held. 20 Kilometer weiter liegt Toul, was auf Aramäisch „nimm" heißt. Und man ist eingepretzt in einen Kubikmeter Erde, und kann nicht einmal heraus, sollte eine Granate einschlagen. Mvaus zur? Moaus zur.' Und die Nacht rinnt weiter — Der Zugführer kommt und bringt eine Flasche Rum zur Stärkung. Sie wandert von Mund zu Mund und eine Kombination entsteht von Ehanuckoh und Elischah — eine Flasche reicht für alle und alle werden voll. Dann wieder einige Schüsse, endlose Stille endlich marschiert man ab, der Ablösung entgegen, nach den Unterständen, wo man sich gründlich ausschläft. Ben Fair. An seine „lieben Juden." Von Rudolf Presber. *) Gellebte Juden! Ich bin euer Zar; Empfangt meiner Liebe Bekenntnis. Und alles, was finstre Jahrhunderte war, Bleibt ein neckisches Mißverständnis. Euch Hab' ich die Knute, in Blut gelaugt, Ueber die Rücken gezogen; Ihr habt meinen Sohlen ztrm Schemel getaugt §eut bin ich euch gnädig gewogen, hr allzeit Geliebten, nur furchtlos hervor *>. Aus „Der Tag der Deutschen", Kriegslieder von Rudolf Presber, Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart-Berlin. geratenen Früchte gerne auch umsonst hergeben, wenn nur jemand für die Frachtspesen auskommen wollte. Durch Botschafter Morgenthau sind wiederholt größere Betrage hier eingetroffen und es steht zu.erwarten, daß die amerlkautsche Aktion die so notwendige Linderung der unbeschreiblichen Not recht wesentlich fördern wird. Verschiedene Wohitätigkeitsanstallen erhielten von dem amerikanischen Geioe kleinere und größere Beträge und wurden dadurch in den Standgesetzt, ihre Betriebe, wenn auch nur sehr notdürftig, fortsetzen zu können. Dem Greisenhetm wurde das nötige Brotmehl im Werte Fcs. 1300. — monatlich zur Verfügung gestellt. Für eme Ruhe verschämter armer Familien hat das Komtte emmal in der Woche bestimmte Gaben bestehend aus Mehl, Rels und Linsen in ihre Wohnungen geschickt. Der „Verband der Kausieme" haue einen Laden für Levensmittel eröffnet, damit die Prelfe nicht willkürlich gesteigert würden. Hierauf wurden auch seitens des amerikanischen Comttes ein ähnliches Geschäft eröffnet. AlS aber die jüdische Paläftlnadant geschloffen wurde, haben auch diese dewen Unlcrnehmungen mu emcm Male ihre Tätigkeit eingeitellt. Die Tatsache, daß die Anglo-Pälästlnabant ihre Bureaus schließen mußte, har die allgemeine Lage sehr ungünstig beeinflußt. Dieses Jnstum har im Laufe der Jahre in finauznnctichustt.cher Bez ehung eine ueuiuueua'wectehOe Taugten entsaget und hat sich m der großen G.io- und Geldnot rm Verhältnis zur drückenden Lage xeLutiü noch am besten bewahrt. Auch bei den Gnlschcimn dieser Bank mußte man allerdings mu eaum Verlust voll 10 — 15"/o rechnen, doch verlor man all den Bons dcr anderen Banken untunrer 20 — 250/o. rLS ist begründete Aussicht vorhanden, duß die jüdische Bank schon m kürzester Zeu ihre Tätigkeit aufs neue wird ausnehmen rönnen. Der erste Kislew als Umzugstag ist noch leidlich verlaufen. Selbstredend tonnreu Oie verarmten Kaulelun ihren Angehörigen rächt einmal Gutscheine sür Miete geben. Doch hat die Regierung verfügt, daß die Miete nicht wie m normalen Zelten un Vornherein zu entrichten ist. Nur sür einen Monat und nur die Hälfte des Mierberrages darf der Hauseigentümer fordern. Die zweite Hälfte ist nach Aviaus des MoratorluulS zu enrrlchten. Diese Rcgcerungs-Versngung har viel Jammer von den Aermsien der Armen ubgewender. Die lokale Regierung venimmt sich überhaupt sehr wohlwolleuo auch gegenüber oer jüdisch cu Bevölkerung. Die Staötgememoe hat eine jüdische Volksküche nur ansehnlichen Berrägen subventioniert. Die türtische Regierung beweist auch den „fremden" Juden Aus euren Kellern und Buden Und lest meine huldvollen Worte am Tor: „An meine lieben Juden!" Ihr zögert? Freunde, das macht mich betrübt. Wie sang' ich euch doch, ihr Verstockten? Ich Hab' selbst die Polen nicht so geliebt Wie euch, ihr Schwarzgelockten! Ich gab euch Beamte mit offener Hand, Die durstet in Demut ihr lecken; Ick ließ Sibirien, das herrliche Land, Von so manchem der euren entdecken. Ich schickt' euch ein bißchen in Hunger und Pest Und strich eure Kinder mit Ruten, Und all das gipfelt im Manifest: „An meine lieben Juden!" 0 wißt, wie bang meine Sehnsucht brennt. Daß id\ solch Briefchen euch schriebe. Euch schlottern die Knie, wenn ihr mich nennt? TaS kommt von der zärtlichen Liebe. Was zagt ihr, in dunkle Ecken geduckt? D, fühlt meiner Worte Geschmeichel; Und Hab' ich euch oft ins Gesicht gespuckt. Es war doch f ü r st l i ch e r Speichel. Raffr rasch aus dem Schranke das Feftgewand, Ihr sollt euch kleiden und sputen; Es winkt eures Väterchens gnädige Hand: „An meine lieben Juden!" Die Tore des Ghetto sperrt ich euch auf. So hübsch es auch ist, drin zu wohnen. Und gönne euch ruhmreichen Siegeslauf In die preußischen Kanonen. Ich gab euch nicht Land, noch Recht, noch Brot gegenüber ein weites Maß von Humanität und Liberalität. Tausende Juden, unter ihnen die angesehensten Rabbiner von Jerusalem, meldeten sich zur Aufnahme in den türkischen Staatsverband. Die materielle Sorge, von welcher die jüdische Bevölkerung bedrückt ist, läßt jedoch die Gemüter nicht zur Ruhe kommen. Nur eine Botschaft, daß von der einen oder anderen Seite irgend welche Hilfe eintreffen kann, unterbricht für einen Augenblick die fürchterliche Depression, die allenthaloen auf allen Gesichtern sich kund gibt. Allgemein freute man sich mir dem angekündigten Besuch des Herrn Lew in-Cp stein aus New- York, oer für verschiedene WohltätigkeitSanstcllten und für einzelne Familien FcS. 40 000 mit sich bringen sollte. Die,er Besuch dürfte jedoch kaum mehr stattsinden, indem Botschafter Morgenthau erst m öen jüngsten Lagen fcs. 25000 tu feinem Viamen übermittelte. Herr Adolf Frankl aus Budapest har im Wege oes Auswärtigen Amtes etwa Fcs. 50000 für die Angehörigen der ungarischen Gemeinde übermittelt. Eine Spezialtommission dieser Gemeinde hat größere Einkäufe ui Petroleum, Holzkohle, Mehl und anderer Lebensmutei rechtzeitig besorgt und dadurch die Marktpreise auch ln ihren sonstigen Entwicklungen recht günstig deernftaßt. Die „Deutschhotländische Palästinav erwalrung" hat seit Ausbrucy des Krieges wiederholt größere Beträge nach Pal äst in« geschickt, die m Jerusalem tn türk, vsoldlcre zur Auszahlung gelangen. Es ist durch die üverwieseneit Benähe für reguläre Auszahlung der Petidimanwels ungen gesorgt und außer den als uußerordelitciche Hilfe gewährten Guben gelaiigen auch die rückständigen Unterstützungen zur Auszahlung. Die Institutionen der PekidiNi und famcliche Schulen oer deutschen Palastina-Kommission in Jerusalem und m den Koioiuen haben übrigens unulclervrochen funktioniert, bis auf die Apotyete in der inneren Stadt, die wegen Maitgels einer fachkundigen Leitung — der Chef des Health Bureau Dr. Brünti ist als deutscher Militärarzt zur Dienstleistuiig eingerückt — zeitweilig geschlossen wurde. Aus Amerika wiro auch eine Sendung von Naturalien erwartet, um welche sich der unermüdliche Botschafter Morgenthau eifrig bemüht.*) Auch haben einige Kolonien, wie Ekron uno Gederah von chrem noch vorrätigen Getreive, Weizen und Mehl auch sür notleidende Jeschiwasamicien m hochherziger Weise abgegeveu. So sind diese Maßnahmen gewiß geeignet, vielen, vielen Unglücklichen Hilfe und Rettung *) Siehe hierzu die Meldung aus Jaffa an anderer Stelle. (Red.) (Nur Prügel und eiserne schrauben). Doch sichrer als all bas, den Heldentod Soll meine Huld euch erlauben. Zwei alte Stiesel, ein rostig Gewehr Und eine Trompete zum Tuten — Hört ihr die Granaten vom Grenzdors her „An meine lieben Juden!" jüdischer Gottesdienst im Gefangenenlager zu Hammerstem, W./pr. Von Lion Wolff-Tempelburg (Pommern). Die große, aber dennoch tieftraurige Zeit, darin wir leben, zerstört unaufhörlich gewaltige Werte, fordert täglich auf allen Schlachtfeldern Hunderte von kostbaren Menschenleben, aber sie schafft auch gelegentlich ganz neue, bisher unerhörte Einrichtungen, selbst aus den Gebieten des Gottesdienstes auch bei den anderen Konfessionen. -Nach einer längeren Korrespondenz mit der Kommandantur des Gefangenenlagers zu Hammerstein {1% Stunden Bahnfahrt von Tempelburg) und einer eingehenden Untersuchung meiner Qualifikation durch die Kreisbehörden, wurde mir die Erlaubnis gegeben, zu einer beliebigen Zeit im Gefangenenlager Gottesdienst mit Predigt zu halten, der vorher schriftlich angezeigt werden mußte. Die Gefangenen jubelten, als ich ihnen versprach daß am darauffolgenden Tage der erste Gottesdienst stattfinden sollte. Die freiwilligen Aufseher

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