Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1894)
- Date
- 1894-02-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Im Großherzogthum Hessen lebten 26,114 Juden, sie bilden 2,73 Mt. der Gesammtbevölkerung, in Baden 27,104 Juden — 1,69 Mt. der Gesammtbevölkerung. Der Antheil der Juden an den Verbrechen und Vergehungen der Gesammtbevölkerung hätte demnach in Hessen 2,73 pCt., in Baden 1.69 Mt. sein dürfen, wenn der moralische Stand der Juden und der der Gesammtbevölkerung als gleichmäßige bezeichnet werden sollen. Die Kriminalstatistik für die ganze Periode, für welche sie existirt, ergiebt jedoch, daß in Hessen verurtheilt wurden 50,469 Personen, darunter 952 Juden, also nicht 2,73 pCt., sondern nur 1,88 pCt., und in Baden 94,779 Personen, darunter 1090 Juden, also nicht 1.69 pCt. sondern nur 1,15 pCr. Der aus der Kriminalstatiftik sich ergebende moralische Stand des Großherzogthums Hessen war also nicht schlechter, sondern um 0,65 Mt. besser, der des Großherzogthums Baden um 0,54 Mt. besser als der der Gesammtbevölkerung der betreffenden Staaten. — Das Berhältniß der hessischen und badischen Juden zur deutschen Judenheit ergiebt sich aus folgenden Zahlen. Die Anzahl der Juden in Deutschland betrug 563,i72, in Hessen 26,114, also 4,63 pCt., in Baden 27,104 --- 4,81 pCt. derselben. Der Antheil der hessischen Juden an den Verurtheilten der deutschen Juden muß also mehr als 4.63 pCt., der der badischen mehr als 4,81 pCt. betragen, wenn auf eine geringere Moralität der hessischen oder badischen Juden geschlossen werden soll. Und wie verhält es sich inderThatd Von 27,453 in den Jahren 1882 bis incl. 1889 verurtheilten Juden waren 952, also nicht 4,63 pCt., sondern nur 3,46 pCt. Hessen, und 1090, also nicht 4,81 pCt., sondern nur 3,97 pCt. Badenser. Der aus der Kriminalstatistik sich ergebende moralische Stand der jüdischen Bevölkerung in Hessen und Baden war also nicht schlechter, sondern in Hessen 1,17 pCt., in Baden 0,84 pCt. besser, als der Durchschnitt der übrigen Juden in Deutschland. Auch in den Großherzogthümern Hessen und Baden sind es nur die wirthschastlichen Schäden, die den Antisemitismus begünstigt oder veranlaßt haben, auch hier ist es ein Unrecht, wie Herr Geheimer Hofrath Dr. Meyer selbst es ausgesprochen: „alle diese Mtßstände den Juden in die Schuhe zu schieben." Literarische Berichte. A Ackermann. Das hermeneutische Element der biblischen Accentuation. Berlin 1893. S. Calvary u. Co. Diese fleißige und belehrende Arbeit behandelt nach einleitenden Bemerkungen über Geschichte und Bedeutung der Accenten die Stellung, die im Verlauf der Zeit die Exegese ihnen gegenüber eingenommen hat. Die einzelnen Kapitel sind Talmud und Midrasch, Saadia Gaon, Raschi und seiner Schule, Abraham ibn Esra und endlich der neueren Zeit gewidmet. Im Schlußwort kommt der Verfasser zu dem Resultat, „daß dem hermeneutischen Element der Accentuation die Priorität gebührt, daß dasselbe das ursprüngliche Prinzip der Accentuation gewesen ist." * * * Die jüdische Litteratur seit Abschluß des Kanons. Eine prosaische und poetische Anthologie mit biographischen und literargeschichtlichen Einleitungen . . . herausgegeben von I. Winter und Aug. Wünsche. 14. und 15. Lieferung. Trier. Sigmund Mayer 1893. Wir verweisen auf unsere ausführliche Besprechung dieses sehr verdienstlichen Literaturwerkes in dem abgelaufenen Jahrgang dieser Blätter (Lieferung 1—13.) Jetzt liegt die 14. Lieferung „Die halachistische Literatur" von Dr. S. Bäck und die 15. Lieferung „Die jüdische Mystik und Kabbala" von Dr. Philipp Bloch vor uns. Erstere behandelt den Zeitraum von den Thosaphisten bis zu R. David Abi Simra (Radbas). Letztere beginnt mit Othijoth de Rabbi Akiba und erstreckt ihre Darstellung bis in's 18. Jahrhundert. Besonders im Hinblick auf dieses Heft müssen wir auf unfern bereits früher erhobenen Protest gegen all das der jüdischen Tradition Zuwiderlaufende wiederholen, das sich hier in den Besprechungen der behandelten Literatur (vgl. das über den Sohar Gesagte) in der unangenehmsten Weise breit macht. Wir bedauern, daß der Werth dieses sonst so erfreulichen Werkes hiedurch so erheblich beeinträchtigt wird, und wir darum seine weitere Verbreitung durchaus nicht empfehlen können. * * * W. Max Müller. Asten und Europa nach altegyptischen Denkmälern. Mit einem Vorwort von Georg Ebers. Leipzig. Wilhelm Engelmann 1893. Wir wollen hier nur eine vorläufige Anzeige dieses bedeutsamen Werkes geben, das auf gründlichster Erforschung der altegyptischen Denkmäler und scharfsinnigster Verwerthung der gewonnenen Resultate beruht. Auf Geschichte und Geographie in erster Linie Asiens und insbesondere Palästinas, aus den ältesten Zeiten werden hier neue und überraschende Lichter geworfen. Wir müssen aber jetzt schon betonen, daß wir von de- Stellung des Ver-