Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1894)
- Date
- 1894-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WWWMW 215 fassers zur Bibelkritik himmelweit divergiren. Die Göttlichkeit der Bibel und die Authenttcität ihres Textes ist für uns ein Noli me tangere. Alles, was der Herr Verfasser im Gegensatz zu diesem Fundamentalprtnzip in seinem Werke vorbringt, ist irrig und hinfällig. Gelehrten Forschern, die diesen obersten Gesichtspunkt im Auge behalten, können wir das hochinteressante und anregende Buch, bei dessen Ausstattung der Herr Verleger kein Opfer gescheut, zu eingehendem Studium empfehlen. Zeitrrngsnachrichteu und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 5. Febr. Die antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" versucht in einer gestern veröffentlichten Erklärung ihre bisherigen Genossen und Gehilfen Ahlwardt's, Schwennhagen, Plack und Podgorski von sich abzuschütteln, weil sie anläßlich des von Miguel gegen dieselben angestrengten Beleidigungsproceffes, der noch schwebt, erfahren habe, daß Plack nicht weniger als fünfmal wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung mit Gefängniß, in einem Falle zu sechs Monaten mit einjährigem Ehrverlust, und Schwennhagen ebenfalls zweimal wegen Eigenthums-Vergehen, darunter einmal wegen Diebstahls, mit einem Tage Gefängniß bestraft seien. Das Blatt kündigt an, es wolle die „antisemitische Partei mit eisernen Besen auch von anderen Personen reinigen, die mit ähnlicher schmutziger Vergangenheit noch heute in der Bewegung stehen und sich in der Partei vordrängen". Als seinerzeit die „Freisinnige Zeitung" Enthüllungen über die Vergangenheit Schwennhagen's brachte, schwieg die Antisemitenpresse still. Berlin, 6. Febr. Die von der Stadt beschlossene Anstellung des Gymnasiallehrers Caspary ist, nach einem hiesigen Blatt, vom Minister nicl>t bestätigt worden. Herr Caspary hatte, der „Voss. Ztg." zufolge, unter Verleugnung seines jüdischen Glaubens ein Anstellung in den russischen Ostseeprovinzen erlangt, war nach einiger Zeit dort entlassen worden und in großer Noth gewesen, so daß die städtischen Behörden glaubten, wegen der wissenschaftlichen Befähigung des Mannes und weil er den sittlichen Makel durch große Entbehrungen gesühnt, seine Bewerbung nicht abweisen zu sollen. Gegen diese Anstellung hat der hiesige Gymnasiallehrerverein Front gemacht, und es ist ihm gelungen den Minister zu veranlassen, die Bestätigung zu versagen. Stettin. Auf dem städtischen Schlachthofe dahier funktionirt, wie der Obermeister der dortigen Fleischer-Innung, Herr A. Rupnow, der „Fleischerzeilung" schreibt, ein aus Eisen mit Polsterwerk hergestellter von Herrn M. A. Blöede konstruirter und von Herrn I. Gollnow hier gebauter Apparat zum Niederlegen der Rinder zum Zweck des rituellen Schächtens. Obermeister Rupnow empfiehlt den Apparat besonders deshalb, weil er das für die Gesellen so mühsame und für das Thier so schmerzhafte Fesseln und Umwerfen, sowie das Halten des Kopfes beseitigt und den Gesellen zeitraubende und unangenehme Arbeit erspart. Ueber die Einzelheiten des Apparates und über seine Vorzüge theilt der Herr Obermeister ein amtliches, fachmännisches Urtheil des Herrn Veterinär-Assessors Dr. Müller Stettin mit, welches lautet: Auf Einladung des Aeltesten der hiesigen jüd. Gemeindevertretung wohnte ich dem rituellen Schlachten einer Kuh mit Zuhilfenahme eines besonders zu diesem Zweck konstruirten Apparates auf hiesigem städtischen Schlachthofe bei. Der Zweck war derjenige, zu beurtheilen, ob durch diesen Apparat alle diejenigen Nachtheile, die z. Z. etwa noch bei den Vorbereitungen zum Schlachten im Interesse der Humanität gegen die Schlachtthiere bemängelt werden können, vollständig beseitigt sind. Der aus Eisen mit Polsterwerk bestehende Apparat ruht auf kleinen, niedrigen Rädern und kann mit Leichtigkeit fortbewegt werden. Derselbe besteht aus 4 Theilen und zwar aus einer 95 am breiten Fußplatte mit je einer zu beiden Seiten befindlichen gepolsterten Gummiwand und einem vor beiden Wänden angebrachten Kopfstücke behufs Aufnahme und Festlegung des Kopfes. Die beiden Wände können durch Charniere auf- und niedergeklappt, auch nach Eintritt des Schlachtviehes in den Apparat, am oberen Rande durch eine Zahnstange an einander befestigt werden. Beim Einführen des Schlachtthieres in den Apparat resp. die Fußplatte steht die linke Polsterwand senkrecht, die rechte horizontal. Letztere wird nach Eintritt des Schlachtthieres jedoch sofort gehoben und legen sich nun beide Wände an der ganzen Körperfläche zu beiden Seiten io an, daß Körper und Füße mir Ausnahme des Halses und Kopfes bedeckt sind und vom Polster zusammengehalten werden. Beide Polsterwände werden dann durch die Zahnstange mit einander fest verbunden. Der Kopf des Thieres wird hierauf an dem Kopfstücke des Apparates so befestigt, daß er auf den Hörnern ruht. Das Thier ist nun zwischen den Polsterwänden unbeweglich und wird durch das Umlegen deS Apparats mittels einer Tande sanft zur Seite gelegt, so zwar, daß der Kops zurückgebogen und der untere Halsrand nach oben liegt. In dieser Lage wird der rituelle Halsschnitt nach vorgeschriebener Anordnung ausgeführt. Das Schlachten der Kuh ging mit großer Leichtigkeit und verhältnitzmäßiger Schnelligkeit von Statten und ohne daß das Thier durch das Einführen in den Apparat und bei dem Umlegen desselben Beunruhigung oder Schmerzen kundgegeben hat. Die Reinigung des Apparates ist durch Wasserspülung leicht bewirkt. Zieht man diese Schlachtmethode im Vergleich zu derjenigen mittelst Keulung, so ist der bedeutende Vorzug vor letzterer unverkennbar, da alle die Widerwärtigkeiten beim Keulenschlachten als wiederholtes Zuschlägen, Losreißen des Schlachtthieres vom Befesligungsringe, Zerreißen des Stranges u. s. w-, was häufig bei ungeschickten Fleischern beobachtet worden ist, niemals eintreten kann. Meinen Wahrnehmungen nach, halte ich den beschriebenen Schlachtapparat für sehr sachgemäß, sowie die Methode des Schlachtenmit demselben für sehr praktisch,