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Der Israelit · 1893-04-10 · Heft 29 (10.4.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 29 (10.4.1893)
Date
1893-04-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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540 ZeitAUgSnachrichte« mtb Correfpoubeuzeu. Deutschland. Marburg, 29. März' Selbst dem Dr. Böckel ist der Ahlwardtismus zu bunt geworden. Er läßt durch den „Reichsherold" verkünden, daß er nach der Beschimpfung, die er öffentlich von Antisemiten erfahren, sich vom Anttsemitenthum, wie es heute in Deutschland florirt, zurückgezogen habe. Eine Partei ohne politischen Scharfblick, die jedem Ausschneider und Schreier nachläuft, habe keine Zukunft. Frankfurt a. M., im Nißan. Es war ein Tag im Frühlingsmonat, an dem vor alter Zeit ganz Israel in tiefe Trauer versetzt wurde, am 10. Ninan ward rwaan emo von ihnen genommen, der Erde übergeben. Da erkannte erst unser Volk, was es besessen, was es verloren, denn mit O'->v verschwand der Brunnen, der in Wüste und Steppe Israel labte und erquickte. Auch der jüngste l6. Nißan hüllte unsere Gemeinde in tiefste Trauer, ein Born versiegte auch uns, ein kostbares Kleinod, eine seltene Menschenperle, eine can ynbn na, eine nan TioVn ne« — Beides in der vollsten Bedeutung des Wortes — wurde in das Grab gebettet: Frau Rabbiner Rachel Fromm n"y ist eingegangen zum ewigen Leben. Die hohe Verehrung, die unbegrenzteste Fürsorge, die L'ebesfülle, mit der sie ihren edeln, frommen Watten '"r beglückte, die aufopfernde Mutterliebe, die rührende Zärtlichkeit, die völlige Hingabe, dies Alles füllte ihr ganzes Sein noch nicht allein aus: Ihr edles Herz war ein Born, dem Menschen- und Nächstenliebe entquoll, die Verewigte war aus frommem, edlem Hause, das erste Kind des weltberühmten Würzburger :r, Rabbi Seligmann Bär Bamberger. Ihren würdigen Eltern nachzustreben, als edles Reis sich an ihrem treuen Gatten '"a emporzuranken, das betrachtete sie als Lebensaufgabe, der sie bis zu ihrem letzten Atemzuge umwandelbar treu blieb. Von ihr konnte man so recht sagen: .11122 t>a HD MD "J^D P2 Nicht im Gewühle des Lebens suchte sie Befriedigung ihrer Wünsche, das „Haus" war ihr alles, da wußte sie ein Glück aufzubauen, wie es in unserer Zeit leider nur wenige kennen. Im vollsten Umfange besaß sie die Liebe und das Vertrauen ihres Gatten '"2, n^ya 2b na noa, und immer von Neuem entdeckte er in ihr Tugenden und Herzensadel, die ihn zur Bewunderung hinrissen, sein Glück mehrten. Wer immer in ihr Haus trat, ihre hehre Erscheinung, ihr edles, durchgeistigtes Wesen, dem glückliche Zufriedenheit, vollste Seelenruhe und herzgewinnendes Entgegenkommen ausströmten, sah, der nahm stets den wohlthuendsten Eindruck mit sich hinweg. Die treue Verblichene n"y wurde niemals an Vergnügungsplätzen gesehen, ihr war irdischer Genuß Tand, die höchste Freude empfand sie, wenn sie in der Umgebung ihrer Familie sich wußte, für diese bis in die späteste Nacht sorgte, ganz besonders, wenn sie ihren Galten '"a und ihre Söhne sich vertiefen sah rwnpn uvnma. Da leuchtete ihr seelenoolles Auge und ihr edles Antlitz strahlte von himmlischer Verklärung. Und was sie den Armen gewesen l Wie sie es verstanden, die Herzen jüdischer Frauen zu Spenden, insbesondere für pK zu gewinnen, wie sie durch emsigen Sammelflerß es ermöglichte, Tausende dafür aufzubringen, das berichteten die bekannten Spendenverzeichnisse; aber mit Aengstlichkeit wachte sie darüber, daß es nicht in die Oeffentlichkeit drang, wie sie für die Armen, für die Hungernden, für die Nackten mütterlich sorgte. Kein Armer ging unbefriedigt von ihr: es war ihr ein innerliches Bedürfniß, an ihrem Tische Dürftige zu speisen und jeden Bedrückten durch herzliche Worte in gefühlvollster Weise zu trösten, aufzurichten, mit seinem Geschicke ausznsöhnen, was ihr durch ihren selten klugen und wahrhaft frommen Zuspruch auch meistens gelang. Ging sie über die Straßen, da schlossen sich gar oft Arme an sie an und stets hatte sie Zeit, ihre Klagen zu hören, und, wenn äußerst möglich, ihrer Noth Lmderung zu verschaffen. Wie wußte die theure Verblichene n"y in selbstverleugnendster Weise dafür das Herz und Gefühl von Bekannten und Freunden zugewinnen, und wie dankbar und glücklich war sie dann, wenn ihre Bemühung von Erfolg gekrönt war, wie freudig bewegt glänzten ihre Augen, wenn sie „ihre Armen" versorgt, vor bitterer Noth geschützt wußte. Es war rührend, wie sie, obwohl selbst rm letzten Jahre durch Krankheit angegriffen, Dachwohnungen erklomm, um denen Liebesgaben zu bringen, die durch Krankheit ans Haus gefesselt waren oder, weil verschämt, geschont werden sollten. Da gab es keinen Zeitunterschied, da war keine Morgenstunde zu früh, keine Nachtzeit zu spät! Und ach! dieses Herz, das für alle Menschen so warm fühlte, es steht nun stille. Wahrlich, da ist der Schmerz gerechtfertigt, dem wir Zurückgebliebene uns überlassen, und ist die allgemeine Theilnahme wohl erklärlich, die in allen Kreisen der hiesigen Stadt der unersetzliche Verlust hervorgerufen, welche ganz und voll zum Ausdruck kam durch den imposanten Leichenzug, der ihr die letzte Ehre erwies, und als wären alle Lobreden, jeder

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