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Der Israelit · 1893-04-10 · Heft 29 (10.4.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 29 (10.4.1893)
Date
1893-04-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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y——-- I 541 Nachruf und jede Trauerrede für solch ein abgeschlossenes Leben nicht hinreichend, mußte jeder nsDn wegen des gegenwärtigen Nisanmonats unterbleiben. Von ono erzählt die heil. Schrift njtraro nnm* omn, daß ihr zur Verehrung Gottes alle jüdischen Frauen folgten. Möge das Beispiel auch dieser n"y npns der jüdischen Frauenwelt zur Nachahmung dienen, sie M edlem, frommem und menschenfreundlichem Wirken entflammen, dann hat sie gelebt für alle Zeiten, und wie im Leben sie segenspendend und glückbringend stets gewesen, wird sie es auch dort sein, bis Noth und Elend aus aller Menschen Mitte gebannt und alle Thränen verwischt sein werden. Der schwergeprüfte, würdige Gatte »"j aber möge Trost finden in dem sichern Bewußtsein, daß die Verklärte n"j/ an seiner Seite und in der Mitte ihrer sie so unendlich liebenden Kinder ein ungetrübtes Glück, wie nur wenige es kennen, stets gefunden hat und daß sie fortlebt und fortwirkt in seinen und ihren edlen und frommen Kindern. Lübeck, 20. März. Die Meihe der im hiesigen Haschkomoh-Verein gehaltenen jüdisch-geschichtlichen Vorträge fand in der vorigen Woche ihren Abschluß. Es sprachen während des Winters Dozent Herr Dr. Hildesheimer -Berlin über „Palästina", unser verehrter Rabbiner, Herr Dr. Carleb ach über die „Geschichte der Juden in Moisling und Lübeck (Fortsetzung)", Herr Lehrer Goldschmidt von hier über „Die Verfolgungen des Talmuds", Herr Rabbiner Dr. David-Hannover über „Das innere Leben der Juden im Mittelalter" und zuletzt Rabbiner Dr. Stern-Kiel über „Venedig und Neapel", als zweiten Theil seiner „Bilder und Eindrücke aus Italien." An einem jeden der Vorträge, der von den auswärtigen Herren gehalten wurde, schloß sich ein gemüthliches Beisammensein, an dem sich ein großer Theil unserer Gemeinde beiheiligte. Um die Entwickelung des Vereins haben sich der Vorsitzende, Herr I. Würzburg und der Schriftführer stuä. phil. E. Carleba ch besonderes Verdienst erworben. J. In Göttingen, wo die Antisemiten ein reiches Feld zu haben glaubten, rüstet man sich energisch zur Abwehr. So tritt dort der Rabbiner Dr. Jacob mit sichtlichem Erfolg gegen die antisemitischen Agitatoren auf. Nachdem derselbe bereits vor einigen Monaten unter dlm Beifall einer zahlreich besuchten Versammlung , den bekannten Liebermann von Sonnenberg mit jenen Angriffen zurückgewiesen Halle, trat Dr. Jacob auch gegen den Antisemiten Werner auf, der in Drausfeld, einem Nachbarorte Göttingens, eine antisemitische Versammlung einberufen hatte. Auch hier konnte in Folge der sachgemäßen und richtigen Gegendarstellung des Rabbiners der Antisemit Werner die erhofften Lorbeeren nicbt einheimsen. Auch gegen die zur Osterzeit zahlreich vertheilten Flugblätter, die sich gegen die jüdische Geschäftswelt richten, geht man durch kurze, sehr gut abgefaßte Gegenflugblätter energisch vor, in denen man die antisemitische Behauptungen als grobe Lüge uachweist. Ich übersende Ihnen mitfolgend einige solcher Blätter, deren Inhalt Sie vielleicht gelegentlich einmal den Lesern des „Israelit" mittheilen können. (Gern, sobald es der Raum unseres Blattes gestattet.) Möge das Beispiel dieser energischen Gegenwehr unseren Glaubensgenossen zur Nacheiferung dienen. Haigerloch (Hohenzollcrn), am 17. März. Heute ist hier ein Mann zu Grabe getragen worden, der, obwohl einem andern Glauben angehörig, dennoch auch in diesen Blättern einen ehrenden Nachruf verdient. Es ist dies der Herr Oberamtmann Emele, der ca. vierzig Jahre lang an der Spitze des diesseitigen Kreises gestanden und während dieser ganzen Zeit nicht nur für die Kreisinsassen im Allgemeinen, sondern auch und ganz besonders für die seinem Ressort unterstellten jüdischen Gemeinden segensreich gewirkt hat. Wie vielleicht kein Zweiter hat er in glücklichster Uebereinstimmung die Tugenden des Vorgesetzten, wie die des Menschenfreundes in sich vereinigt. Was speziell die jüdischen Angelegenheiten betrifft, so hat er denselben stets das lebhafteste und wärmste Interesse gewidmet. Gerecht und unparteiisch hat er unsere Sachen behandelt, aber auch mit zarter Rücksicht und Schonung, mit besonderer Liebe sie geleitet. Er hat das Recht jedes Einzelnen, wie das der Gesammtheit trefflich zu wahren und Meinungsdifferenzen glücklich zu lösen verstanden. Meinungsdifferenzen, die nicht selten den Frieden unserer Gemeinde bedrohten. Er war uns nicht nur der pflichttreue Vorgesetzte, sondern viel mehr: ein liebevoller Vater, ein väterlicher Freund, der zu jeder Zeit mit Rath und That, sowohl innerhalb der Grenzen der amtlichen Pflichten als auch außerhalb derselben uns zur Seite stand. Ja noch mehr: Obwohl nicht unseres Glaubens, hat er dennoch auch unsere religiösen Interessen so zu fördern sich bemüht, als wären sie seine eigenen. Nur auf sein liebevolles Zureden und kraftvolles Mahnen hat die Gemeinde, die nach dem Abgänge des vorigen Rabbiners, in Nachahmung unserer fast ebenso großen illachbargemeinde Hechingen, den Rabbinatspoften unbesetzt lassen wollte, diese ihre Absicht aufgegeben und von Neuem einen Rabbiner angestellt. Ein solches Verhalten des Oberhauptes des Kreises gegen die Bewohner desselben und insbesondere gegen unsere Glaubensgenossen konnte nicht

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