Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 34 (28.4.1892)
- Date
- 1892-04-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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durch den Zwang vorheriger Betäubung völlig unmöglich zu machen. Wir leben der festen Ueberzeugung, daß dem Kgl. Sächsischen Ministerium gewiß nichts ferner liegt, als ein solcher Gewissenszwang und daß es nur des Hinweises auf die Unerträglichkeit derselben bedarf, um hier Wandel zu schaffen. Zeitungsnachrichten nud Correspondenzen. Deutschland. Aus Hessen, 21. April. Wie der „Reichshervld" mittheilt, schweben gegen dessen Herausgeber, den Antisemiteufilhrer Dr. Böcke!, „21 politische Prozesse". Das ist ein starker Jrrthnm. Beleidigungen, Beschimpfungen, Verleumdungen und Verhetzungen, die unseres Wissens in sämmtlichen Fällen das Substrat der Anklage bilden, mögen vielleicht im antisemitischen Sinne „politische Thaten" sein, in den Angen anderer Leute sind sie etwas ganz anderes. Vor dem Schöffengericht zu Windecken bei Hanau kommt am 27. d. M. die „Affaire von Windecken", die sich gelegentlich einer antisemitischen Versammlung im Winter vorigen Jahres abspielte und das Ausrücker! einer Compagnie der Hanauer Garnison zur Folge hatte, zur Verhandlung. Angeklagt sind zwölf Sozialdemokraten wegen Hausfriedensbruchs, unter den Zeugen befindet sich Dr. Böcke!. (Fr. Zt.i Schrimm. Am 21. April wurde Rabbiner Dr. B a m b e r g e r aus Schwersenz zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Vierzehn Bewerbungen waren eingelaufcn. Vier Bewerber wurden zur Probe berufen und zwar drei Zöglinge des Hildesheimer'schen Seminars und Dr. Bamberger. Der Letztere besitzt außer anderen rvnnn eine solche von den berühmten Rabbinern Horowitz'"^ in Leipzig und Cohn in Nördtingen, und hat sich durch Veröffentlichung der Werke Lekach tob zu Megillat Ruth, Einleitung zu demselben in deutscher Sprache (Prvmotionsschrist) sowie: civdn ins* “i£D, in der jüdischen Welt bereits einen Namen erworben. Dr. Bamberger war s. Z. auch von den Gemeinden Pinne und Obornik als Rabbiner gewählt, und ihm von der Gemeinde Schildbcrg die Rabbinerstelle angeboten worden, derselbe suchte jedoch einen größeren Wirkungskreis, den er in Schrimm gefunden haben dürfte. (Anmerkung der Redaction: Wir freuen uns, daß die Schrimmer Gemeinde die edlen Bestrebungen des Dr. Bamberger erkannt und diesen trotz mannigfacher Gegenströmungen auf diesen wichtigen Rabbinerposten berufen hat.) Aus Fischach erhält die „Augsb. Abendztg." folgende Berichtigung: „Der Ausschuß der Freiwilligen Feuerwehr erklärt hiermit auf den Artikel in dem zweiten Blatte Nr. 96 der „Augsburger 632 Abendzeitung", daß derselbe auf Unwahrheit beruht, indem die hiesige Freiwillige Feuerwehr noch wie bisher aus den hier wohnenden beiden Confessiouen besteht. Deßhalb bedurfte es keiner bezirksamtlichen Genehmigung. Der verehrliche Bezirksausschuß hat durch sein parteiloses Handeln nur dazu beigetragen, den zwanzigjährigen Verein zu erhalten und den Artikelschreiber, sowie dessen Anhänger, an ihrem Vorhaben, den Verein zur Auflösung zu bringen, zu verhindern. Der Verwaltungsrath der Freiwilligen Feuerwehr Fischach. Lemle, Kommandant. Hembacher Vorstand. Gunz, Kassirer und Schriftführer." Eine zweite dem genannten Blatte in derselben Angelegenheit zugegangene Berichtigung lautet: „Z usm arsh ausen, 9. April. Der in Nr. 96 der „Augsb. Abendztg." vom 5. ds. Mts. enthaltende Artikel aus Fischach, die dortige freiwillige Feuerwehr betreffend, beruht in allen seinen Ausführungen auf Unwahrheit, und zwar: 1) ist es unwahr, daß sich die Feuerwehr Fischach aufgelöst hat; 2) es ist unwahr, daß auf den Trümmern der alten Feuerwehr eine neue sich gegründet hat, und 3) ist es ferner unwahr, daß das k. Bezirksamt die neugegrüudete Feuerwehr bereits genehmigt hat. Dagegen ist es Wahrheit, daß erst am Mittwoch den 6. April l. I. 16 Mann ihren Austritt erklärten, wovon 1 Mann seinen Austritt jedoch am anderen Tage sofort wieder zurücknahm. (Die weiteren zurückgetretenen 15 Mann, welche sich in jüngster Zeit zur Feuerwehr angemeldet hatten und wegen deren der ganze Streitfall entstanden ist, können nicht in Betracht gezogen werden, weil sic nicht satzungsgemäß ausgenommen worden waren und folglich auch noch nicht Mitglieder waren.) Nach dem Dienstbuch der Feuerwehr Fischach betrug der Mannschaftsstand vor dem Streitfälle 52 Mann; hiervon sind ausgetreten 15, jetziger Stand demnach 37 Mann; davon sind 15 Mann christlicher, 22 Mann israelitischer Confession; von den Ausgetretenen waren 2 Mann Mitglieder der Sterbekasse. — Gegen den spöttischen Zusatz: daß die Fischacher es dem Beztrksvertreter zu verdanken haben, daß sie nun doch eine israelitische Feuerwehr besitzen" k. 2c., habe ich nur mitleidsvolle Heiterkeit für die Herren Einsender; denn eine solche blamable Redeweise einer weiteren Beleuchtung zu unterziehen, halte ich und der ganze Bezirks-Feuerwehr-Ausschuß gänzlich für überflüssig. Wilkenmeyer, Bez.-Vertreter." Weinheim. Eine Freuden- und Festesfeier beging am 2. April die hiesige israel. Gemeinde, zu Ehren ihres Lehrers Herrn Elkan Schreiber, welcher an diesem Tage sein 50jähriges Dienstjubiläum beging und bereits 40 Jahre in hiesiger