Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 34 (28.4.1892)
- Date
- 1892-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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633 Gemeinde wirkt. Morgens */j,9 Uhr versammelte sich die isr. Gemeinde in der Synagoge zum Fest- Gottesdienst. Die Gemeinde hatte Festgewand angelegt. Der unter der Leitung des Herrn Hauptlehrers Bomhard gut geschulte Kinderchor sang die Festgesänge in ergreifender Weise. Herr Lehrer Lehmann, Schwiegersohn des Jubilars, hielt die Festpredigt. Herr Schreiber hielt sodann eine Anrede an die Gemeinde, in welcher er einen kurzen Rückblick auf das Entstehen der Gemeinde warf; mit Dank an Gott und Gemeinde schloß seine Rede. Nach Beendigung des Gottesdienstes begab sich die Schuljugend unter Begleitung des Synagogenrathes und vieler Gemcindemitglieder in die Wohnung des Jubilars, wo der gesummte Synagogenrath seine Glückwünsche unter gleichzeitiger Neberreichung eines silbernen Tafelaufsatzes, darbrachte. Der Schüler Leopold Rosen seid beglückwünschte den Jubilar im Namen der jetzigen und früheren Schüler und übergab demselben einen Ruhesessel. Den zweiten Theil der Feier bildete das Abends 9 Uhr im Gasthause zum grünen Laub abgehaltene Bierbankett. Fast sämmtliche Gemeindemitglieder mit ihren Familien waren erschienen. Mehrere Toaste wurden ausgebracht, Gesang- und Musikstücke wechselten ab, erst Morgens 1 Uhr trennte man sich mit dem Bewußtsein, einen schönen Tag verlebt zu haben. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange in hiesiger Gemeinde zu wirken. Aus Thüringen schreibt man dem „B. T." Seit einiger Zeit entwickeln die Antisemiten von Leipzig und Erfurt aus eine sehr eifrige Thätigkeit, um Boden in Thüringen zu gewinnen, wo die verschiedenen Konfessionen bisher im Ganzen friedlich zusammengelebt haben. Nicht nur in den Städten, sodern auch in Dörfern, selbst in solchen, wo Juden bisher überhaupt nicht gewohnt haben und gänzlich unbekannt sind, wird mit gehässigen Flugblättern, schmutzigen Zeitungsnummern und giftiger persönlicher Wühlerei agitirt. Hauptsächlich kommt es natürlich dabei auf den Bauernfang an, nämlich auf Abonnenten für die unsaubere antisemitische Presse und auf die sauer erworbenen Groschen der Landbewohner für den stets durchlöcherten antisemitischen Klingbeutel. Bemerkenswerth ist, daß auch viele Konservative von den Antisemiten nichts wissen wollen, weil sie die Hetze gegen eine Religionsgenossenschaft als Schmach empfinden und überdies keinerlei Berührung mit den meist stark anrüchigen Führern der Antisemiten wünschen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 10. April. Dem „Freien Blatt" «Drgan zur Abwehr des Antisemitismus» wird ans Lemberg berichtet: Von hochstehender Seite wurde ein Landtags- Abgeordneter, welcher zugleich Mitglied der Repräsentanz der Lemberger jüdischen Cultusgemeindc ist, während der Landtagssession privatim darauf aufmerksam geulacht, daß ein mit dem „Imprimatur" des Fürstbischofs von Krakau, Cardinals Dunajewski, versehenes Gebetbüchlein eine Tendenzlüge enthalte, welche geeignet ist, bei der Leichtglällbigkeit der unteren Volksschichten Galiziens Judenhaß zu säen und Unheil zu stiften. Das polnische Büchlein, für eine neuntägige Andacht bestimmt, führt demgemäß den dem Italienischen entlehnten Titel „Nowenna“ unb erschien schon 1890 in Krakau in der unter Leitung A. Szpjewski's stehenden Vereinsdruckerei. Während der neuntägigen Andacht soll Gottes Erbarmen für Polen angerufen werden. Ein für den neunten Tag bestimmtes Gebet betrifft speziell Galizien, und die Andächtigen sollen da zum Stifter der christl. Religion beten, daß er sich ihrer erbarme, sic nicht verlasse und nicht in die Hände jener Feinde überliefere, welche auf ihr Verderben sinnen. Der Ueberschrift des dem neunten Andachtstag gewidmeten Abschnittes ist nun folgende Note beigegeben: Die Zeitung „Germania" und nach derselben polnische Blätter veröffentlichten den neuesten Aufruf der Pariser „Alliance Jsraelite", welcher im Jahre 1889 an alle jüdischen Gemeinden Galiziens verschickt wurde. Dieser Aufruf lautet: „Brüder und Glaubensgenossen! In der ganzen Welt gibt es gewiß keinen Erdenwinkel, der sich dazu, daß wir uns seiner bemächtigen und die ausschließliche Herrschaft daselbst erlangen, so gut eignen würde, wie gerade das Land Galizien! Dieses Land muß unser (jüdisches) Land sein — Alles begünstigt diesen Zweck! Bemüht euch daher, Brüder und Glaubensgenossen, bemüht euch mit allen Kräften, dieses Land ganz in eure Gewalt zu bringen, bemüht euch, die Christen endlich herauszudrängen ans all ihren Berufssphären, damit ihr die alleinigen, unbeschränkten Herren des Landes werdet! Bemüht euch, all das, was heute noch Jenen gehört, zu erhaschen und sestznhalten, und wenn ihr selbst dazu nicht die genügenden Geldmittel besitzt, so wird unser Verein euch so viel beschaffen, als nöthig sein wird. Die Sammlung von Gaben für diesen Zweck hat schon begonnen und schreitet über alles Erwarten günstig vor. Um den galizischen Boden den Händen der Galizier zu entreißen und in euren (jüdischen) ausschließlichen, alleinigen Besitz zu übergeben, betheiligen sich die Reichen der ganzen Welt an Sammlungen. Es spendet Baron Hirsch, es spenden Rothschild, Bleichröder und die Mendelssohn». Strengt daher, Brüder nnd Glaubensgenossen, all eure Kräfte an, damit dieses Ziel, welches wir euch gesteckt haben, möglichst rasch erreicht werde." Das „Freie Blatt" knüpft hieran folgende Bemerkungen: „Die Alliance Jsraelite Universelle in Paris hatte den Erlaß, an rvelchem kein wahres Wort ist, bereits dreimal dementirt, zuerst in ihrem Monatsberichte für Juni71889^nnd dann, nachdem er in etwas veränderter Formen'der ruthenischen Zeitschrift Ezerwonaja Rus nnd aus dieser in deutscher Uebersetzung in der Marbnrger Zeitung erschienen war, in ihr-ml Monats- ' berichte für September >889. Auch in ihrem Jahres-