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Der Israelit · 1891-08-24 · Heft 67 (24.8.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 67 (24.8.1891)
Date
1891-08-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1268 einen und Privaten eingelaufen sind, ist selbstverständlich kein leichtes Stück Arbeit, beansprucht viel Zeit und Müheaufwand und kann nur durch mündliche Aussprache geschehen. Die genannten mit der Lösung dieser schwierigen und verantwortungsvollen Aufgabe betrauten Herren Rabbiner sehen sich daher bemüssigt, obgleich ihre Wohnorte räumlich weit auseinander liegen, behufs Erledigung dieser Arbeit zusammenzukommen, um über einen zweckentsprechenden Modus der Vertheilung Beschluß zu fassen, was, wie wir vernehmen, erst nach Ablauf der nächstkommenden hohen Festtage möglich sein wird. Bis dahin muß die endgiltige Erledigung der Gesuche ruhen. Nach den Informationen, die wir an kompetenter Stelle eingeholt haben, müssen jedoch viele von den eingelaufenen Gesuchen als den Intentionen der Erblasserin nicht entsprechend von vornherein ausgeschieden werden. Nach der ausdrücklichen Bestimmung des Testamentes dürfen nur „kleine Gemeinden, wo keine wohlhabende Mitglieder sind, unterstützt werden. Für einzelne Personen — und wäre es auch behufs Herausgabe von wichtigen, bedeutenden Werken — sowie für Vereine, welche sich innerhalb einer großen Gemeinde eigene Synagogen errichten und erhalten oder für Lehranstalten, wie Bäte Midraschim und Jeschiboth — darf von dieser nur für Synagogen, Mikwaoth und Volksschulen in kleinen Gemeinden geheiligten Hinterlassenschaft nichts verwendet werden. Auch in Betreff der Länder, die berücksichtigt werden können, ist den mit der Vollführung dieser Bestimmungen betrauten Herren eine Grenze gezogen, da die oben bezeichneten Länder ausdrücklich im Testamente genannt sind, und demgemäß andere als die genannten wie z. B. Palästina ausgeschlossen bleiben. Es wäre im eigensten Interesse der Petenten, wenn sie von dem Inhalt dieser Zeilen Kenntnis; nehmen wollten, um unnütze oder vorzeitige Reklamationen zu vermeiden und unbegründeten Hoffnungen keine Nahrung zu geben. Die geehrten Redaktionen der jüdischen Zeitschriften werden höflichst ersucht, im Interesse ihrer Leser dieser auf authentischer Information beruhenden Klarlegung in den Spalten ihrer Blätter Aufnahme zu gewähren. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien. Am 3. August ist der hochbetagte Greis, Leopold Dukes verschieden. Vor zwei Jahren beging er noch vollständig rüstig seinen achtzigsten Geburtstag. Als der Nestor unter den jüdischen Gelehrten der Gegenwart erinnerte er an die Anfänge der modernen jüdischen Wissenschaft, die er im Vereine mit Männern wie Zunz, Krochmal, Rapaport, Jost begründet hat. Wenn es ihm nicht vergönnt war, gleich den Genannten, grundlegende und allseitig abgerundete Werke hervorzubringen, so erklärt sich dies daraus, daß er es nie zu eigentlicher Seßhaftigkeit gebracht hat, was wiederum theils seine Naturanlage, theils sein Lebensschicksal verschuldete. Er war der Odysseus unter den jüdischen Gelehrten; ohne jemals ein Amt, eine feste Stellung zu bekleiden, wanderte er als Junggeselle von Ort zu Ort, um in den großen Eentren der Wissenschaft Hamburg, Berlin, Paris, London und Wien die Bibliotheken zu durchstöbern und Schätze der jüdischen Literatur auszugraben und zu veröffentlichen. Sprunghaft, wie sein ganzes Leben war, las er alles Mögliche, er machte sich mit den verschiedensten Literaturen vertraut, um dann seine Lesefrüchte besonders tu seinen Arbeiten über die jüdische Gnomik mit Vortheil unterzubringen. Er war nicht blos bei den jüdischen, sondern auch bei den christlichen Gelehrten sehr geschätzt, wie er denn mit einem der hervorragendsten unter den Letzteren, Heinr. Ewald, gemeinschaftlich Schriften der berühmtesten spanischen Gelehrten herausgegeben hat. Zahlreiche Beiträge von ihm finden sich in den jüdischen Zeitschriften, in denen er über seine Funde in den Bibliotheken berichtete. Seit seiner ersten Arbeit, der Uebersetzung des „Raschi- Commentars auf den Pentateuch" , die er noch in seiner Vaterstadt Preßburg veröffentlichte, hat er alle Gebiete der jüdischen Literatur durch seine Forschungen bereichert. Dem Konservatismus huldigend, ohne indessen in das religiöse Parteigetriebe sich einzumischen, blieb er der reformistischen Richtung stets abhold. Er war ein unbeugsamer Charakter, ohne Eigennutz, ohne Ehrsucht, bis in das höchste Alter den Idealen seiner Jugend hingegeben, das Muster eines selbstlosen Forschers. Leopold Dukes wurde in Preßburg am 25. Januar 1810 geboren. Sein Vater, Hermann Dukes, war ein Mann, welcher bedeutendes talmudisches Wissen mit allgemeiner Bildung verband. Unter den Auspizien des berühmten Rabbiners Moses Sofer wurde der junge Dukes in die talmudischen Wissenschaften eingeführt und schon in jungen Jahren bereicherte er die jüdische Literatur mit zwei Werken. Das erste Werk war eine Uebersetzung von Raschi's Commcntar zum Pentateuch und das zweite eine elegante Uebersetzung von Maimonides „Führer der Irrenden" und dessen Einleitung in den Commentar zur Mischna. Ermuntert durch die Erfolge dieser Werke faßte Dukes den Plan, eine Geschichte der jüdischen Literatur zu schreiben und entschloß sich zu diesem Zwecke, die besten Jahre seines Lebens zu Nachforschungen nach bisher gänz- *

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