Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1891)
- Date
- 1891-08-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1269 ltch unbekannten Manuskripten zu verwenden, welche in den großen Bibliotheken Europas unbeachtet lagen. Im Jahre 1837 schrieb er sein bekanntes Werk „Ehrensäulen und Denksteine zu einem künftigen Pantheon hebräischer Dichter und Dichtungen." Diesem folgte zwei Jahre später »Lloses bsn Ezra aus Granada“, von welchem Werke Zunz in den lobendsten Ausdrücken spricht, und 1842 publicirte er einen seiner werthvollsten Beiträge zur Geschichte jüdischer Poesie „Zur Kenntniß der neuhebräischen religiösen Poesie." Außer mit Poesie beschäftigte er sich auch gelegentlich mit Philologie, Exegese und Grammatik. In diese Kategorie fallen seine Essays „Rabbinische Blumenlese" (1841), „Zur rabbiuischen Spruchkunde" (1851). Gemeinschaftlich mit Philipowsky, Edelmann und Breßlau arbeitete er an mehreren Werken, deren bedeutendste „Ginse Oxford“ und „Derech Tobim“ sind. In London beschränkte sich seine Thätigkeit nicht blos auf die Manuskripte der Bibliotheken, sondern er betheiligte sich auch an vielen Tagesfragen, welche jüdische Blätter beschäftigten, und machte auch den Versuch, eine jüdisch archäologische Gesellschaft in London zu gründen. Nach seiner Rückkehr nach Oesterreich setzte er seine literarische Thätigkeit bis 1869 fort und veröffentlichte unter Anderem: „Schire Schlomo" (1858) und eine Studie über Jbn Gabrtol's ethische Werke (1869). (Oesterr. Wochenschr.) Italien. Rom, 5. August, -pir ’c niww. Aus Hochachtung für die Familie Mortara, die dem italienischen Judcnthnme schon viele Gelehrte und Rabbiner gegeben hat. fühle ich mich verpflichtet, noch einmal auf meine Correspondenz im „Israelit" Nr. 59 zurückzukommen, um manches Unrichtige, was ich über den Domherrn Dr. Pio Edgardo Mortara gemeldet habe, richtig zu stellen. Seine Mutter ist noch am Leben. Dieselbe wohnt hier — einer ihrer Söhne ist Secretär des bekannten Schatzministers Luzzatti -- und ist eine strenggläubige Jüdin, die eine streng koschere Küche führt und auch fleißig die Synagoge besucht. Die anderen Brüder und Schwestern des Domherrn wohnen theils in Venedig, theils in Modena und sind auch diese treue Anhänger des Judenthums. Der Domherr hat alle seine Geschwister während seines Aufenthaltes in Italien besucht. Als er das erstemal zu seiner Mutter hier ins Zimmer trat, fiel ihm diese um den Hals und weinte heftig. „Mutter," sagte dann der Domherr, „ich weiß, daß Dir meine Kutte durchaus nicht gefällt; aber mein Herz ist noch immer bei Dir, wie auch bei allen meinen Geschwistern." Rumänien. Dr. C. Bukarest, 12. August. Mit der famosen „Spezial-Kommission", wenn sie von der Kammer votirt worden wäre, hätten wir eine schreckliche Judenjagd von amtliche Befugnisse ausübenden Privatpersonen gehabt; ohne Kommission aber haben wir dieselbe von den bestehenden Behörden, trotz Vertagung und allgemeiner Ferien ganz eben so schlimm. Eine Reihe von Einzelheiten, die laut Protokollen sämmtlich auf Plünderung und Ruinirnng rumänis chisraelitischer Existenzen hinauslaufen, besitzen wir aus dem Bezirk D o ro h o j. In der Dorfgemeinde Vorni ce ni macht der Ortsschulze Th. Faß olamitder von der Centralregierung dekretirten Jagd nach „russischen Vagabunden" ein einträgliches Geschäft auf dem Rücken rumänischer Israeliten. So nahm er dem Uscher Strul 50 Frcs. ab und trieb ihn mittels Reisiger aus dem Dorfe. Dies stellte der Präfekt Miel escu in einer vom Minister des Inneren angeordneten Untersuchung fest, aber trotz der Ungesetzlichkeit der Vertreibung, war es das Einzige, was er that, daß er dem Strul die 50 Frcs. zurückerstatten ließ. Den Schulzen ab- und wegen Erpressung in Anklage zu setzen, fand er nicht für gut und recht; darum kann Ersterer seine „Geschäftchen" fortsetzen. Derselbe Ortsborsteher forderte und erhielt denn auch vom israelitischen Einwohner Cojokariu 20 Frcs. in Gegenwart mehrerer anderer Einwohner. Einem stummen Schneider, der, wie auf dem rumänischen Dorfe nicht anders, ein elendes Leben führt, nahm er 40 Frcs. ab. Den Aron Grauer zwingt er die Wohnung in feinem Hause auf zwei weitere Jahre zu miethen, ließ sich die ganze Miethe voraus bezahlen, und nachdem dies geschehen, wies er ihn sofort aus dem Dorf. In der Gemeinde Mileanca hielt der Jdel Löb einen den Einwohnern gehörigen Kramladen in Pacht, dessen Erträgniß von 600 Frcs. jährlich zum Unterhalt der Kirche gestimmt ist. Er wurde indeß ausgewiesen, obwohl er außerdem in Botoschani geboren, in der Armee gedient hat und schon 10 Jahre im Dorf wohnt, also kein „russischer" Unterthan und kein „Vagabund" ist. Die Bauern, über die Ausweisung empört, ließen durch 4 derselben einen mit 80 Unterschriften bedeckten Protest dem Präfekten überreichen; aber dies hat nichts geholfen. Ein anderer Ladeninhaber, Bujumowitz in Dorohoj geboren, von dort geborenen Eltern, wurde in Abwesenheit zum Verlassen derselben Gemeinde aufgefordert. Darauf wurde sein Mädchen im Alter von 12 Jahren in Haft genommen, weil sie nicht angeben konnte, wo ihr Vater den Schlüssel zu den verschiedenen Räumlichkeiten verwahre. Nur auf Verwendung der Pfarrerin wurde sie befreit