Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1891)
- Date
- 1891-06-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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816 Glaubensbrüder im Jtrhre 1882 an und sein warmer Aufruf und seine Bemühungen führten zu dem glänzenden Resultate, daß L. 80,000 für die Nothbedürftigen eingingen; seine spezielle Gemeinde in Baystvarier steuerte allein L. 2000 dazu bei. Er wurde von dem Comite veranlaßt, im Verein mit Sir Julian Goldsmid (Parlamentsmitglied) nach Berlin zu reisen, um die hiesigen Juden bei dem dortigen Internationalen Congreß zu vertreten. Als der selige Chief-Rabbi im Jahre 1879 in Folge seines Asthma- Leidens nach Brigthon übersiedelte, wurde Dr. Hermann Adler der delegirte Chief-Rabbi und das Oberhaupt des p m, welchen Funktionen er zur allgemeinen Befriedigung Vorstand, so daß nach dem Ableben des Chief-Rabbi's im vorigen Jahre der Council der United Synagogue denselben als stellvertretenden Chief-Rabbi einsetzte und nun die offizielle Wahl als Chief-Rabbi stattsinden wird. Nach dem oben Gesagten können wir und die Herrn Dr. Adler anvertrauten Gemeinden mit Recht hoffen, daß er auch ferner in der Lage sein wird, zum Nutzen und Frommen derselben weiter zu wirken, wozu wir ihm des Allgütigen reichsten Segen wünschen. Zeituugs««rchrichteu und Correspoudcuzen. Deutschland. Mainz, 1. Juni. Am 29. Mai starb in Karlsruhe nach kurzem Krankenlager im Alter von 75 Jahren Frau Regina Nachmann von hier, Gattin des vor 19 Jahren verstorbenen Herrn Philipp N a ch m a n n. Die Dahingeschiedene, welche bis vor 3 Jahren in Mainz lebte, war eine streng religiöse Frau und treue Anhängern! der hiesigen Religionsgcsellschaft; sie vereinigte in sich die Eigenschaften eines echt jüdischen Weibes, insbesondere übte sie gemeinsam mit ihrem frommen und in allen hiesigen Kreisen hochangesehenen Gatten und auch nach dessen Ableben die edle Tugend der Wohlthätigkeit, die sich auf die Armen von Nah und Fern und auf alle Confcssionen erstreckte, worin sie von ihrer Tochter, Frau Fanny Mayer auf das Wärmste unterstützt wurde. Die Orisarmen wurden fortwährend von ihr bedacht und die wohlthätigen und religiöse Institutionen in hervorragender Weise beschenkt; namentlich war cs auch die hiesige Neligionsgesellschaft, der Herr und Frau Nachmann ihre besondere Fürsorge zu Theil werden ließen, nryjn. Berlin, 2. Juni. Herr Spediteur FritzGrothe Nachfolger hier, SW., Orantenstr. 119, theilt uns mit, daß er ihm franco zugehende Gepäckstücke für die aus Rußland Ausgewiesenen ohne Kosten an die Sammelstelle Charlotten bürg befördere. Aus Baden. Gelegentlich der in Mannheim in der Pfingftwoche abgehaltenen „29. Allgemeinen Deutschen Lehrerversammlung" veröffentlicht Dr. Adolf Meuser, Hauptlchrer in Mannheim eine Broschüre: „ Aus der Schulgeschichte Mannheims", welcher sehr gründliches Quellenstudium zu Grunde liegt und für die Leser Ihrer geschätzten Zeitschrift insofern nicht ohne Interesse ist, da auch von der jüdischen Schule in Mannheim die Rede ist. Dr. M. schreibt: „Auch die Israeliten Mannheims ' waren nicht unthätig; Elias Hayum stiftete 1765 eine Schule, die „Claus-Schule", welche in demselben Jahre die kurfürstliche Bestätigung erhielt. (Die „Claus" verdankt ihre Entstehung und reiche Fundirung einem Lemle Moses, der sie zur „Förderung der Goitesfürchtigkeit" in's Leben ries. Er ordnete Gebete an und stiftete ein Kapital von 100 000 fl. zum Studium der Thora. (Landesarchiv, .Konvolut 116). Die „Claus-Schule" huldigte vorzugsweise rituellen Tendenzen und wird heute noch im Sinne ihres Stifters forigeführt. In der „Clause" wurde 1824 noch eine isr. Gemeinde-Volksschule eingerichtet und ein Dr. Wolf, ein Mann von umfassendster Bildung, als Oberlehrer berufen, mit dem sich noch einige staatlich geprüfte isr. Lehrer in die Schularbeit theilten. Diese Schule bestand bis zur Auflösung der konfesionellen Schule in Mannheim (1870) und wurde, saunnt ihren Lehrern, der „konfessionell-gemischten" städtischen Volksschule einverleibt." Oester r. - U n g a r. Mona r ch i e. Wien, 2, Juni. Gestern hielt der Verein zur Abwehr des Antisemitismus seine konstituirende Versammlung unter zahlreicher Bethciligung von Vertretern der Kunst und Wissenschaft. Der Bericht über die Thätigkeit der vorbereitenden Comites konstatirt, daß die Beitrittserklärungen so zahlreich sind, daß der Verein darin einen ersten Sieg erblicken könne. Der Statutenentwurf wird en bloc angenommen. Graf E. Zichy, Baron Leitenberger und Hofrath Professor Nothnagel wurden zu Ehrenpräsidenten gewählt. Hofrath Nothnagel sagte: Es muß Licht werden in den Herzen, es muß klar werden in den Köpfen, damit was als Gift und Krankheit unter uns herumschleicht und am Marke des Volkes zehrt, zu Verschwinden gebracht werde. (Beifall.) Griechenland. Korfu, 17. Mai. ’jys min' nrbi. Juda wandert aus aus Korfu vor Elend, das über es hier hereiugebrocheu, und thränenden Auges verlassen wir unsere alte theuere Hetmath, um uns eine neue zu suchen. Vor Allem richten wir in diesen traurigen Stunden unsere Blicke auf die uns gegenüber gelegene Küste von Albanien, wo ein -ion -ftv gütiger Monarch, Sultan Abdul Hamid, herrscht, der uns, kaum hatte er von unserer bedrängten Lage erfahren, sogleich die Pforten seines gastfreundlichen Reiches öffnete und uns einlud, nun unter seinem milden und duldsamen Herrschcrstab zu wohnen, und mit Jubel nahmen wir diese Einladung au. lieber dreihundert Korfuer Inden sind schon an der albanischen Küste ans Land gestiegen, um sich in der Hafenstadt Parga, in Janina oder in Prevesa anznsiedeln. Dieselben wurden überall von den türkischen Behörden und der mohamedanischen Bevölke-