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Der Israelit · 1891-06-04 · Heft 44 (4.6.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 44 (4.6.1891)
Date
1891-06-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXU. Jahrgang. Erste BrUllge M 44 des „Isrndit & Ieschurun“ Leitende^lrtikel. Dr. Hermann Adler ’"J. Land on, 1. Juni. Zu der nächsten Donnerstag, den 4. Juni statthabenden Wahl eines Chief-Rabbi, die zweifellos auf den in der Ueberfchrift Genannten fallen wird, gestatte ich mir Ihnen einige Daten über deffeu Leben zu senden. Dr. Hermann Adler, Sohn des derzeitigen Landrabbiners Dr. Nathan Marcus Adler P"L' in Hannover, wurde daselbst am 16. Siwan 5599 (29. Mai 1839) geboren. Er empfing seinen ersten Unterricht von seinem seligen Vater n"rD?"i»T, indem derselbe mit ihm von seinem vierten Lebensjahre an N“ijcj lernte und dieses bis zu seinem Lebensende sortsetzte. An seiner niSD “n trug er eine nttm über: □v "7 nDcn mip nD£n ‘to ptsnm fW vor und zwar in London, wohin inzwischen sein berühmter Vater als Chief-Rabbi anno 1845 berufen worden war. Sein Studiengenoffe war damals der spätere Revd. Barnett Abrahams p'->. — Seine erste Unterweisung im profanen Wissen ertheilte ihm Dr. Marcus Kalisch, der bekannte Commentator der Bibel. In seinem 15. Jahre erlangte er den ersten Preis im „Griechischen" in der Vuiversity „College“ School (Gower-Street), von welcher aus er die Londoner Universität bezog. Er zeichnete sich daselbst in hervorragender Weise aus und erhielt mehrere Preise; im darauffolgenden Jahre begab er sich nach Prag, um sich ausschließlich dem Studium von D’pDi£i D“u? unter der Leitung des sel. Oberrabbiners Rapoport 7"2i, Rabbi Samuel Freund P"Li und Rabbi Simeon Ausch zu widmen. Nach abgelegter Prüfung erhielt er die HNTin mnn von Rapoport und R. Samuel Freund i. I. 1862. Von Prag aus begab er sich auf die Leipziger Universität, woselbst er in Philologie, Philosophie und orientalischen Sprachen nach ehrenvoll abgelegter Prüfung den Doktortitel erhielt. Nach London zurückgekehrt, stand er seinem Vater als Privatsekretär, besonders bei Beantwortung von zur Seite und war Mitarbeiter an dem bekannten Targum-Commentar (SJP HJTiJ) seines Vaters. Als frühere uns bekannte talmudische Essays führen wir D’tsnTri an; gegenwärtig ist er mit der Bearbeitung eines Manuscriptes der Leipziger Rathsbibliothek P’-ruro pn min’ p ddjt 'io crnn yy, das einzige Werk, welches über den „Englischen Minhag" vor dem trrrjj (anno 1290) Aufschluß gibt, beschäftigt, um solches demnächst im Druck erscheinen zu lassen. — Als der Revd. Barnett Abrahams, der damalige Direktor des Rabbinerseminars (Jew's College) 1863 starb, wurde Dr. Hermann Adler als sein Nachfolger und kurz daraus als Prediger der Bayswater Synagoge gewählt. Bis zu dieser Epoche war es ihm vergönnt, seine in London und Prag Iesammelten talmudischen Kenntnisse im Amte als Sekretär seines Vaters —, ein Amt, das er auch späterhin volle 30 Jahre lang bekleidete, — zu verwertheu; nun aber konnte er auch im speziellen Dienste einer großen angesehenen Westendgemeinde sein Rednertalent entsalten. Seine Predigten waren stets sehr lehrreich und dokumentirten namentlich eine außerordentliche Belesenheit. Bald erwarb sich der 25jährige Prediger einen großen Ruf und wurde zu vielen öffentlichen Festlichkeiten und Einweihungen neuerbauter Synagogen nach den Provinzialgemeinden berufen; so daß er bis heute 2000 öffentliche Reden und Ansprachen gehalten hat, die sämmtlich ungetheilten ^Beifall ernteten und 30 Synagogen einweihte. Im Jahre 1867 verheirathete sich Dr. Adler mit Miß Rachel Joseph, Tochter des Mr. Salomon Joseph in London, die ihm eine liebende Gattin wurde und ihn in seinen Arbeiten für Wohlthätigkeit kräftig unterstützte. Sie beschenkte ihn mit einem Sohne Alfred und zwei Töchtern, Miss Nettie und Miss Ruth), die heute als Zierde der Londoner Jugend gelten. Nicht nur mit Wort, sondern auch mit Schrift trat Dr. Adler stets mit Ernst und Feuereifer für Glaube und Religion ein. So bekämpfte er im Jahre 1865 Dr. Colenso'S Kritik des Pentateuchs, nachdem er zwei Jahre vorher sogleich beim Erscheinen Dr. Colenso's Buches zwei Briefe in der Zeitschrift „Athenäum" veröffentlichte, in welchen er dieJrrthümer des Bischofs nachwies. Zur Zeitschrift: „Sabbat Readings", welche von der „Gesellschaft zur .Verbreitung religiösen Wissens" herausgegeben wurde, lieferte er zahlreiche Beiträge. Als fernere literarische Erzeugniffe führen wir an: seinen Essay über Jbn Gabirol und dessen Einfluß auf die scholastische Philosophie — sein Werk: □'“iPn PinDl enttjalteub Widerlegungen der von christlichen Theologen als Stützen ihres Dogmas angeführten Schriftstellen, welches eine solche Sensation erregte, daß der Katalog des Brittischen Museums eine volle Seite mit Angabe der darauf erschienenen Gegenschriften enthält. Als im Jahre 1873 der berühmte Professor Max Müller einen Missionsvortrag in der Westminister Abbey hielt, veröffentlichte Dr. Adler eine Abhandlung betitelt: »Is Iudaism Missionarv Faith«, worauf der gelehrte Professor eine Erwiderung unter dem Titel: »Chips from a German Workshops« erließ. Im Jahre 1870 erschienen: „Vorträge über „Daniel Deronda" —, „MosesMendelssohn", — „Witz und Weisheit des Talmuds" —, „die Juden in England." — Epochemachend waren seine Artikel im »Nineteenth Century1878 zur Beantwortung der von Professor Goldwin Smith angeregten judendfeindlichen Fragen: „Können Juden Patrioten sein?", in welchen namentlich in dem 1881 erschienenen letzteren betitelt: „Jüngste Erscheinungen auf dem Gebiete des Judenhasses", Dr. Adler zuerst die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Exzesse in Rußland lenkte. Von den zahlreichen Broschüren, die im Druck erschienen, möchten wir nur erwähnen: „Hebräisch, die Sprache unserer Gebete", „Zweck und Methode wohlthätiger Beihilfe", eine „Pilgerfahrtnach Zion" Beschreibung des Eindrucks einer von ihm im Jahre 1885 nach dem heiligen Land unternommenen Reise) —" „eines Vater's Bar-Mizwah-Predigt", von welch' Letzterer jedem Knaben iu der Gemeinde ein Exemplar zu seiner Bar-Mizwah zugesandt wird. Dr. Adler betheiligte sich in hervorragender Weise an wissenschaftlichen Diskussionen, (Simposiums) gleichzeitig mit christlichen Autoritäten, wie Cardinal Manning, Mr. Gladstone und Revd. Price Hughes über die von den Nineteenth Century aufgeworfene Fragen: „Legt Reichthum Pflichten und welche aus?" „Ist die Seele unsterblich?" Der Anspruch an Dr. Adler's Amtsthätigkeit ist _ entsprechend seiner Stellung als Oberhaupt einer der größten Gemeinden ein ganz enormer. Abgesehen von seinen umfassenden Amtspflichten, der Erledigung einer colossalen Correspondenz, steht er in enger Verbindung mit vielen Wohlthätigkeitsanstalten außerhalb der jüdischen Gemeinde. Er ist Mitglied des Council's des Städtischen SpitalfondS, Vize-Präsident der Mansion house Gesellschaft zur Verbesserung der Armenwohnung, der Nationalgesellschaft zur Verhinderung von Grausamkeiten gegen Kinder, der Medizin- Verabreichungscommission , lebenslängliches Mitglied des Universitäts-Collegiums von London und Examinator im Hebräischen am städtischen Lehrerseminar. Mit Herz und Seele nahm er sich unserer russischen

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