Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1890)
- Date
- 1890-02-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Beilage;u 12„Israelit" & „Ieschurun". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. gingen, 7. Februar. Seit einigen Tagen werden an sämmtlichen Stationen der hessischen Ludwigsbahn, soweit solche zu dem hiesigen Wahlkreise gehören, aus den Coupös antisemitische Wahlflugblättcr in der bekannten Stylisirung des D. A.-B. herausgeworfen, in denen vor der Wiederwahl des „Juden Bamberger" eindringlich gewarnt, und Seitens der „Deutschen antisemitischen Volkspartei" der Kaufmann Adolph Habel aus Charlottenburg als Kandidat für den hiesigen Wahlkreis empfohlen wird. (Wie uns von anderer Seite berichtet wird, sollen diese Flugblätter aus ganz opscuren Berliner antisemitischen Kreisen hervorgehen. Red.) Hungen (Oberhessen), im Februar. Das Dienstmädchen eines hiesigen israelitischen Bürgers litt im Herbst v. I. an einem bösen Finger und war deßhalb genöthigt, den Arzt der Krankenkasse, Dr. Suffert, um Hilfe anzugehen. Nachdem dieser den Finger behandelt und ausgeschnitten hatte, fragte das Mädchen, ob es jetzt wieder etwas arbeiten dürfe, worauf ihm Herr Dr. Suffert (ein Freund Böckels) mit der Frage antwortete: „Gelt dem Jud' dauert es zu lang, daß Du nichts arbeiten kannstd" Das Mädchen erwiderte.- „Nein, es hat mich Niemand was zu arbeiten geheißen." Dr. Suffert sagte darauf: „Wer wird denn bei einem Juden dienend Wer gescheidt ist, der geht zu seines Gleichen, aber zu keinem Juden." Der beleidigte Bürger strengte eine Klage gegen Dr. Suffert an. Bei dem vorgenommenen Sühneversuch hat der Herr Doctor die Angabe des Dienstmädchens geleugnet, während er dieselbe bei der folgenden Schöffengcrichtsverhandlung vor dem großh. Amtsgericht vollinhaltlich eingestanden hat. Das Urtheil lautete auf 6 Mark Strafe und die Kosten. Witten a. d. R., 4. Febr. Herr Bürgermeister Bürkner, der von einem dreimonatlichen Urlaub, den er zum Theil in Kairo zubrachte, Genesung von seinem Leiden erhoffte, ist nach hier leider so wenig gekräftigt zurückgekehrt, daß er seine Pensionirung nachsuchen muß. Er stand seit 1883 an der Spitze unserer Verwaltung, die er mit außerordentlichem Geschick und großer Thatkraft führte. Verbittert wurde ihm das Leben nur durch die Antisemiten, deren hetzerischem Treiben er im Interesse des konfessionellen Friedens unserer Stadt scharf entgegentrat. Der größere Theil der Bürgerschaft sieht Herrn Bürkner mit schmerzlichem Bedauern scheiden und wird ihm für die eifrige und erfolgreiche Thätigkeit, die er im Interesse der Stadt entfaltet hat, stets zum lebhaftesten Dank verpflichtet sein. Posen, im Februar. Wieder hat unsere Gemeinde einen schmerzlichen Verlust zu beklagen. Einer der ältesten und ehrwürdigsten Mitglieder, der Gelehrte R. Baruch Risch ist in dem hohen Alter von fast neunzig Jahren nach längerem Krankenlager sanft entschlafen. Mit ihm ist abermals einer der immer seltener werdenden Männer hingeschieden, deren Leben eine fast ununterbrochene Beschäftigung mit mir, und miay war. Er war wohl der Letzten einer, die noch die Glanzzeit unserer alten Gemeinde gesehen, als unter dem großen R. Akiba Eger W, dessen Schüler er war, Reltgiösität und Talmudstudium in Blüthe standen, und wie sehr mußte es ihn schmerzen, daß er bei zunehmendem Alter den Verfall und den Niedergang dieser beiden mcy vor Augen hatte. Er selbst freilich lag unermüdlich der heiligen Beschäftigung ob, so wie er auch seine Lebensaufgabe in religiösen Uebungen sah, für deren Aufrcchterhaltung er mit ganzer Kraft eintrat. So wachte er über die Beachtung so mancher Gebräuche, die der heutigen Generation nur ein überlegenes Lächeln entlocken, z. B. ’Jttn ’tr’Dn w myn, man ppn ,->pv^> onow und die ohne seine eifrige Provaganda längst der Vergessenheit anheimgefallen wären; auch war er 25 Jahre lang der Leiter des sog. alten ennon rva. Oft wurde er auch in Ermangelung eines dritten p'-r zu Rabbinersitzungen zugezogen. Jedoch auch rv6oj □non vernachlässigte er nicht und vielen Bedrängten, die sich an ihn wandten, namentlich den zahlreichen Ausländern, die ja in beliebter Weise oft brüsgue abgefertigt werden, wußte er Hilfe und Unterstützung zu verschaffen, wenn er ihnen nicht, was oft geschah, mit seinen eignen beschränkten Mitteln genügend beiftehen konnte. Wer den bescheidenen, anspruchslosen Greis auf der Straße sah, der wußte, daß derselbe zu einer nurv -on ginge, denn sein ganzes Sinnen und Denken war nur auf min und niso gerichtet. TreffendMes Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld in