Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1890)
- Date
- 1890-02-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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206 seiner ergreifenden Grabrede darauf hin, daß eine schmerzliche Lücke gerissen ^worden, daß es aber nunmehr Pflicht sei, dieselbe dadurch auszufüllen, indem wir alle dem edlen Greise nacheifern an inniger Religiösität und an eifrigem Streben nach min und D»aiö D'^yo. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien, 3. Februar. Selten hat man einen achtzigjährigen Jubilar so heiter und frisch dem Ansturm von Festgästen Stand halten sehen, wie den Dichter L. A. Frankl, der heute seinen 80. Geburtstag feiert. Es ist unmöglich, alle Festgrüße, Glückwunsch-Depeschen in Poesie und Prosa auszuzählen, alle kostbaren Geschenke zu nennen, welche der Dichter an seinem Geburtstage erhielt. Es strömten von allen Seiten kostbare Angebinde in Gold und Silber heran, es regnete Blumen und Gedichte auf den gerührten Jubilar herab. Dem Festtage zu Ehren war sogar der Statthalter von Steiermark, Freiherr v. Kübeck, unter die Dichter gegangen. Schon gestern begann der Zuzug der Gratulanten, unter ihnen auch eine Deputation vom isr. Blinden-Jnstitute auf der Hohen Warte, dessen Mitbegründer der Dichter ist. Die Zöglinge dieses Institutes, unter Führung des kaiserlichen Rathes Wölfler, sangen ein Mendelssohn'sches Lied und überreichten eine von ihnen plastisch ausgeführte Lyra. Ferner erschienen vom Ersten Wiener Männergesang-Verein Olschbaur und Kremser, eine Deputation des Handwerkervereins unter Führung des Nordbahn-Ober-Jnspectors Sachsel, zahlreiche Mitglieder der Hofbühnen wie der Schrtftstellerwelt. Ihre Glückwünsche sendeten ferner Fürstin Marie Hohenlohe, Bürgermeister Dr. Prix, Geheimrath v. Arneth, Dr. Rainer v. Schmerling. Vom Präsidenten Anton Ritter v. Schmerling kam ein sehr gemüthvolles Glückwunsch-Schreiben an Frankl, seinen „geehrten Freund", von welchem Schmerling wünscht, daß er uns noch manches schöne Werk spenden möge. Adolph Fischhof preist in einem Schreiben Frankl's maßvolle und harmonische Tätigkeit als Mensch und Dichter, die ihn ein so ruhmvolles Alter erreichen ließ. „So blicke denn", schließt Fischhof, „mit berechtigtem Stolze auf die inhaltsvollen achtzig Jahre, die du als Sangeswie als Lebenskünstler durchzogst, und schreite rüstig vorwärts." Ferner kamen Glückwünsche von den Gräfinnen Prokesch-Osten und Louise Schönfeld, von Felix Dahn, Paul Heyse, Adolph Pischler, Stephan v. Milow, Dr. Hermann Rollett, August Silberstein, Dr. August Schmidt, dem Gründer des Wiener Männergesang-Vereins, der ein Bild des erschossenen Robert Blum sendete; Bildhauer Benk schickte das Original-Modell zu dem im neuen Burgtheater aufgestellten „Apollo". Mittags wird uns gemeldet: Unter den ersten Gratulanten, welche sich heute Vormittags in der Wohnung des Dichters einsanden, war Fürst Karl Auersperg, welcher eigens von seiner Besitzung Goldegg hier eintraf, um den Dichter zu beglückwünschen. Weiters beglückwünschte den Jubilar eine vom Schriftsteller Karl v. Thaler geführte Deputation des Deutschen Schriftstellerverbandes und eine Deputation des Europäischen Blindencongresses (ehemalige Zöglinge des Blinden-Jnstituts). Von den Gratulanten seien noch in bunter Reihe genannt: Leopold Ritter v. Hasner, Pofessor Friedrich Haßlwanter, Christine Hebbel, Johann Strauß, Minister a. D. Baron Schlecht«, Professor Eduard Hanslick, Julius Große (Weimar), Herrenhausmitglied Dumba und Baron Abfaltrern, Reichsraths-Abgeordneter Carneri, Ferdinand v. Saar. Mittags dauerte der Zuzug von Glückwunsch-Deputationen, unter welchen sich selbstverständlich auch der Journalisten- und Schriftsteller-Verein „Concordia" und der Vorstand der isr. Cultusgemeinde mit den Rabbinen Dr. Jellinek und Dr. Güdemann befand, noch fort. Wien, 4. Februar. Am 22. November v. I. fand im Wiener Gemeinderathe eine Debatte über den Antrag des Gemeinderathes Baudrexel betreffs einer Petition um Einführung des Zonen' tarifes auf deu österreichischen Staatseisenbahnen statt. Gemeinderath Häufler wendete sich damals gegen diesen Antrag, weil durch die allzu große Verbilligung der Fahrpreise die Bevölkerung zu einer nomadisirenden Lebensweise verleitet und das jüdische Element zu sehr begünstigt werde. Gemeinderath Vetter bekämpfte die Anschauung Haufler's und sagte nach dem stenographischen Protokoll u. A.: „Sollte er (Häufler) Angst haben, daß es wahr würde, was ein zweiter Gemeinderath jüdischer Confession gesagt hat: „Wenn die Juden zu viel werden, so sollen die Christen auswandern?" Fürchtet er, daß die Christen über den Ocean gehen müßten? Ich von meinem Standpunkt als Antisemit erkläre, daß ich für die Anträge des Referenten stimmen werde, umsomehr, als dieselben aus der Mitte der Opposition hervorgegangen sind." Nach einer Reihe von Rednern meldete sich auch Gemeinderdth Sigmund Mayer zum Worte und sagte, gleichfalls laut stenographischen Protokolls: „Der Thatsache gegenüber, die der Herr Gemeinderath vom dritten Bezirke erwähnt und wiedererzählt und mit der kein Anderer gemeint sein kann, als meine Wenigkeit,