Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1870)
- Date
- 1870-12-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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963 rmsgedreiteten Bankgeschäfte ihres Gatten, das einen klcmgvollen»Namen hat. Großes in Rath und That zu leisten im StDde war. Als Gattin hat sie ihrem edlen und gottdurchdrungenen Gatten 53 Jahre mit seltener Klugheit und Weisheit zur Seite gestanden, besonders da sie eine wahre moito war. War sie auch als Mutter eine der unglücklichsten Frauen, indem sie leider ihre reichgesegncte Nachkommenschaft bis auf einen einzigen Sohn, den Gott noch lange erhalten wöge, nach und nach ftühzeitig verloren hat, so hat sie doch ihre Gottergebung und ihr frommes Gemüth derart zu ttösten gewußt, daß sie mit der gelassensten Ruhe und der bewunderungswürdigsten Resignation in das Unvermeidliche, wie eine Heilige sich g'efiigt und stets die Ruhe ihres Geistes rmd die Zufriedenheit ihres so zart besaiteten Gemüthes behauptet hat. So warm aber auch ihr Herz für Gott und seine heilige Lehre schlug, ebenso warm schlug es auch für das Wohl der leidenden Mitwelt, der sie zu jeder Zeit als eine hochgepriesene, wenn auch nur im Stillen wirkende Wohlthäterin erschien. Denn Spenden und Woblthun war ihr zun: Bedürfniß geworden, was sie vermittelst ihrer gutsittlirten Verhältnisse leicht zu ermöglichen vermochte und namentlich hat sie ihren Wohlthättgkeitssinn in großartigen: Maßstabe zu der Zeit zu bethätigen gewußt, als hierorts Hunderte der lern- und wißbegierigen Schüler von Nah und Fern zu den Mißen des weltberühmten Rabbi Akiba Eger s. A. saßen. So hat sie nur Gutes und Edles gewirkt bis zu ihrer letzten Scheidestunde, und ihr wird nun der reichste Lohn im Eden zu Theil; möge reicher Trost werden deni Herzen ihres nunmehr vereinsamten Gemahls und möge dieser sich noch recht lange des rüstigsten Wohlbefindens mit ungeschwächter Geisteskraft erftenen. H. Frankfurt a. M, 20. Dez. In der hiesigen Stadtverordneten - Versammlung lies ein Protest des israelitischen Gemeindevorstandes gegen die in jüngster Sitzung in der Dr. Senckenberg'schen Stiftungs-Dotation erfolgte Abstimmung ein, weil bei derselben angeblich einige Ordnungswidrigkeiten vorgegekommen sein sollten; unter Anderem sei ein anwesendes Mitglied, Hr. Brücker, bei der namentlichen Abstimmung gar nicht zur Abgabe seines Votums aufgefordert worden. Der Gemeindevorstand beantragt bei der Wichtigkeit des Gegenstandes nochmalige Verhandlung desselben unter Wahrung aller seiner Rechtszuständigkeiten im Falle der Ablehnung des Anttages. Hr. Präsident Brentano setzte deshalb die Art und Weise der über diesen Gegenstand stattgehabten Abstimmung auseinander und c'onstatirte, daß nach Schluß der Sitzung Hr. Brücker beim Bureau erschienen und ihm die Mittheilung gemacht habe, daß er zur Abgabe feiner Sttmme nicht aufgerufen worden wäre; er habe jedoch nicht die Absicht dagegen zu rcclamiren, da er ohnedies seine Stimme suspendirt haben würde. Der Vorsitzende führte weiter aus, daß, falls auch Hr. Brücker für die Verwerfung des Anttages gestimmt hätte, es an dem Resultate doch nichts geändert haben würde, da innnerhin erst 15 gegen 17 Stimmen vorhanden gewesen wären; setze man aber den Fall, daß die beiden anderen Herren, Leipprand und Borgnis, die sich der Stimme enthalten, auch gegen den Majoritätsantrag gestimmt Haber: würden, so hätte dies erst 17 gegen 17 Stimmen ergeben, worauf er nach der Geschäftsordnung als Vorsitzender zu entscheiden gehabt hätte; er würde jedoch ftir die Verwilligung der 280,000 fl. an die Dr. Senckenbergische Stiftung seine Stimme abgegeben haben. Hr. Brücker bestätigt die Mittheilung des Hrn. Präsidenten Brentano, soweit sie seine Person anlangt; ebenso consentiren die beiden Herren Sekretäre, die Herren Dr. Siebert und Mack. Hr. Creizenach: Die Stadtverordneten - Versammlung muffe darauf sehen, daß bei einen: so wichtigen Gegenstände, wo es sich um eine so bedeutende Su:nn:e handle, nicht ein Theil der Bürgerschaft gegen die Rechtsgiltigkeit der Abstimmung Bedenken trage; er beantrage, daß die Stadtverordneten nochmals in die Verhandlung eintreten. Hr. Dr. Hamburger beanttagte Uebergang zur Tagesordnung. Nach einiger Debatte, an welcher sich noch die Herren Wolschendorsi, Schiele, Leipprand, Dr. Matti und Dr. Reinganum betheiligten, wurde zur Abstimmung geschritten und der Antrag auf Tagesordnung mit sehr großer Mehrheit angenommen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Erst jüngst berichteten wir, daß Herr Gustav Ritter von Epstein der israelitischen Gemeinde 30,000 fl. zur Gründung eines iörael. Waisenhauses gegeben. Herr Epstein ist als ein recht wohlthätiger Mann bekannt, der jedem Elend so viel als möglich abzuhelfen sucht. Jüngst kam ein zwölfjähriger jüd. Knabe ans Galizien zu dem Prediger Dr. Levi in Mariahilf, der ihn um Hilfe ansprach. Herr Dr. Levi erkundigte sich nach dessen Verhältnissen, wodurch er erfahren, daß seine Mutter todt, sein Vater, schon alt, auf der Reise hierher krank geworden. Dr. Levi gab ihm eine Empfehlung mit; er fand aber bei Dielen, wo er um Unterstützung bat, keine Hilfe, bis er endlich zu Herrn von Epstein kam, der ihn fteundlich aufnahm und sich ebenfalls nach seinen Verhältnissen erkundigte. Als dieser wahrnahm, daß er es mit einem verlassenen Knaben zu thun habe, beschloß er, ihn in seinem Hause aufzunehmen. Er ließ ihn sofort anständig kleiden, läßt ihn nunmehr durch Privatlehrer unterrichten und beabsichtigt, ihn später in sein Geschäft aufzunehmen und ihn zu adoptiren. (Hamagid.)