Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1870)
- Date
- 1870-12-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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964 Brody Der „Jb. An." schreibt: Die 14jährige Amalie, Tochter des Rabbi Salomon Erbstein aus Jampla in Rußland, besitzt ein solch scharfes Gedächtniß, daß sie dadurch überall große Bewunderung erregt. Wenn dieselbe in einem Buche eine Stelle ein- oder zweimal gelesen, sei es Hebräisch, Französisch, Russisch oder Polnisch, so kann sie dieselbe auswendig hersagen. In ist sie außerordentlich bewandert, sie lernt auch '-idj mit 'Din und «"tenno. Sie ist sehr belesen und spielt auch Klavier. Der Vater des Mädchens ist ein reicher, wohlthätiger nnd äußerst gelehrter Mann. Amerika. New-Kork. Bei der Eröffnung des Fair zu Gunsten des „Berg Sinai-Hospitals und des hebr. Waisenasyls" hielt Gouverneur Hoffmann vom Staate New-Aork, eine Rede, aus der wir folgende Stelle hervoroeben: „Ich kam mit Vergnügen hierher, um einige Worte bei der Eröffnung Ihres Fair zu sprechen. Wenn meine Gegenwart oder meine Rede dazu beitragen kann, die Herzen und die Börsen der New- Ijorker zu Gunsten dieser zwei edlen Wohlthätigkeitsanstalten zu öffnen, werde ich mich glücklich schätzen. Ich kenne diese Anstalten persönlich und officiell. Sie brauchen nur gekannt zu sein, um die Hilfe aller Gutgesinnten zu erhalten. Während ich behaupte, daß daS Waisenasyl in der That die Heimath der armen jüdischen Kinder ist, erstrecken sich die Woblthaten des Hospitals über Alle, ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität. Wir haben Synagogen und Kirchen, Tempel und Kathedralen längs unserer AvenueS und Straßen, und wir leihen jeder hilfsbedürftigen Gemeinde, sei sie eine christliche oder jüdische, unsere stützende Hand. Wir haben unsere für Jeden zugängliche Institutionen zur Unterstützung und tragen Sorge für Alt und Jung, für Taubstumme und Blinde, für Wittwen und Weisen."— Schließlich erwähnt der Gouverneur des letzten Präsidenten des Hospitals, seines geliebten und bedauernswerthen Freundes Benjamin Nathan, eines guten und gerechten ManneS, und wünscht am Ende den besten Ersolg für den Fair, die Hoffnung aussprechend, daß Jeder, sei er jüdischen oder christlichen Glaubens, sein Scherflein dazu beitrage, da es ja zum Aufbau eines Wohlthätigkeitsgebäudes bestimmt sei. (Jew. Times.) New-Bvrk. Lrppmann Cristaler starb in dem hohen Alter von 100 Jahren. Derselbe war das älteste Mitglied der Gemeinde Beth - Israel-Bikur-Cholim. An feinem Leichenbegängnisse betheiligte sich ein großer Theil der Gemeindemitglieder. (Jew. Mess.) Cincinnati, 2. Dez. Der „Deborah" wird Nachstehendes geschrieben: „Herr Benjamin F. Peixotto (lies Pieschotto), der nach Bucharest ernannte Consul der Vereinigten Staaten, hat in St. Louis, Chicago, Cleveland und Cincinnati Vorlesungen über Rumänien gehalten, ging von hier aus nach Washington, sich die Regierungs-JnstruWnen zu holen, unr von dort über New-Aork am 14. Dezember nach Europa abznreisen. Hr. Peixotto wird in London, Tours und Wien mit hervorragenden und einflußreichen Persönlichkeiten sich darüber verständigen^ was für die rumänischen Glaubensgenossen seinerseits zu leisten wäre, da ihm persönlich dieser Punkt am Herzen liegt und er überdies weiß, daß seine Ernennung zu diesem Ehrenposten in der Absicht gemacht wurde, nur sich dort im Namen unserer Regierung der in den verfolgten und gekränkten Juden beleidigten Humanität kräftig anzunehmen, wozu Peixotto mit seinem amerikanisch-jüdischen Patriotismus und seinem guten Herzen ganz geeignet ist. Irr seinen Vorlesungen über Rumänien hat er bewiesen, daß er das Land und dessen Geschichte fleißig und erfolgreich studirt hat. „Während seines Aufenthaltes in Cincinnati wurde ihm von allen Seiten sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Herren Rabbiner haben in ihren öffentlichen Gebeten seiner und seiner Mission gedacht, und die hervorragendsten. Mitglieder unserer Gemeinden haben ihn zuvorkommend, gastfreundlich und achtungsvoll behandelt. Herr Peixotto hat auch seinerseits nicht verfehlt, dem Judcnthume seine Hochachtung und kindliche Ergebenheit zu beweisen. Er wohnte dem Gottesdienste am öffentlichen „Danktage" im Tempel an der Moundstraße, am Freitagabend und Sabbathmorgen im Tempel an der Plumftraße bei. Das thut er aber nicht aus politischen, sondern aus rein religiösen Mottven. „ P e i r o t t o entstammt einer altportugisischen Familie. Sein Vater war Chasan der Port. Gemeinde von New Nork, wo Benjamin geboren wurde. Er wurde für ein wissenschaftliches Fach erzogen, trat aber bei seinem Schwager in Cleveland in's Geschäft. Sein natürlicher Hang für Literatur und Politik ließ sich aber nicht unterdrücken. Er wurde Mitredaktenr des dortigen Abendblattes „Plain Dealer" und schrieb fürandere Blätter. Er hatte einmal angefangen, Jurisprndenz zu ftubtveit, gab aber das Fach wieder auf, heirathete ein Fräulein Strauß aus Louisville, verblieb im Geschäft mit seinem Schwager, bis er später mit demselben und seinem Schwiegervater nach New-Uork übersiedelte. In Cleveland gab er in Verbindung mit andern strebsamen jungen Leuten (z. B. Simon Wolf) vielfache Veranlassung zur Selbstbildung junger Leute durch Debatten, Vorlesungen u. s. w. Seine Hauptthätigkeit entwickelte er aber im Bene-Berith-Orden. wo er nicht nur für alles angeregte Gute innerhalb desselben enthusiastisch cinstand und für die Gründung des Waisenhauses in Cleveland tüchtig mitarbeitete, sondern als oberster Beamter des Ordens vier Jahre lang eine seltene und segensreiche Thätigkeit entfaltete, so daß unter seiner Hand der Orden eine Bedeutung