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Der Israelit · 1870-12-28 · Heft 52 (28.12.1870) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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962 wohl ihrer männlichen als ihrer weiblichen Bevölkerung eine höhere Bildung zu geben, als es die andern Confcffionen thun, oder zu thun vermögen. Die Bedeutung, welche die Juden dem Wissen, der Kunst und Gelehrsamkeit beilegen, spiegelt sich in folgenden Ermittelungen. Von 100 jüdischen Knaben genießen in Berlin 56, von 100 jüdischen Mädchen 66 höher» Unterricht. Auch der Unterricht im Hause wird am stärksten von den Juden kultivirt. Wir haben in Berlin 358 Familien, welche sich Erziehungspersonal im Hause halten; davon kommen 243 ans die Evangelischen, 12 auf die Katholischen, 100 auf die Juden. Im richtigen Procentsatz würden nur 14 auf die Juden kommen. Die Behauptung, dieses für die Juden so glänzende Verhältniß hänge mit dem Reichthum zusammen, hat etwas Wahres an sich, aber das eigentlich Treibende liegt tiefer, nämlich in der Religion selbst. „Vor Allem lerne, — heißt es im Talmud, — denn gar bald wirst du das Studium, aus welcher Rücksicht immer begonnen, um deiner selbst willen lieben." — „Verehre deinen Lehrer mehr, als deinen Vater; der letztere hat dich in diese Welt gebracht, der erstere zeigt dir den Weg in eine höhere." — Sodann sind die Juden ein thätiges und rühriges Geschlecht. — „Es ist gut, deinen Studien ein Gewerbe zuzugesellen, so bleibst du von Sünden rein." — Von solchen Anschauungen sind die Juden noch heute durchdrungen, und jene sind die Triebfedern ihrer Handlungen. Daß sie gut dabei fahren, beweist die hohe sociale Stufe, auf welcher die jüdische Bevölkerung Berlins steht. In Berlin werden 15 p. Et. uneheliche Kinder geboren, bei den Juden nur 2 p. Ct. Die Trauungen finden bei den Juden fast alle im naturgemäßen Alter statt, wo der Mann nicht über 40, die Frau nicht über 30 Jahre alt ist. Solche Ehen werden bei den Juden 85 p. Ct (bei der übrigen Bevölkerung nur 72) geschloffen; auch verheiratet sich bei ihnen ein viel größerer Procentsatz; wenigstens finden sich unter ihren Gestorbenen viel mehr Verheirathete und Verwittwete, als bei den übrigen Confessio nen." Der neue Vorstand des Beth Hamidrasch, aus den Herren A. H. Heymann, M. G. Levy und Ed. Mende bestehend, hat am heutigen Tage ein Circular mit der Bitte erlassen, durch Zuwendung von Geschenken und Zeichnungen jährlicher Beiträge das Institut in den Stand zu setzen, eine Erweiterung des Lehrplans in Ausführung zu bringen. Der Motivirung entnehmen wir Folgendes: „Doch weiter gehende Anforderungen stellt die heutige Zeit an die geistigen Leiter der Gemeinden. Diesen zu genügen, nach dem Geiste seiner Institution, auf dem Boden der jüdischen Wissenschaft, soll fortan Aufgabe des Belh Hamidrasch sein und damit dem Mangel einer jüdischen Facultät Abhilfe geschaffen werden. Denn während diese Residenz, wie vielleicht kein anderer Ort Deutschlands, den von Wiffensdurst getriebenen jungen Männern, welche sich Wk zu Rabbinern ausbilden wollen, die Quellen der allgemeinen wissenschaftlichen Bildung bietet, beabsichtigen wir, den Lehrplan des Beth Hamidrasch dahin zu erweitern, daß er dasjenige Maaß aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft umfaßt, welches den Studirenden befähigt, das Amt eines Rabbinen gedeihlich und erfolgreich zu bekleiden. — Es wird dem alten Institute, mit der unabweislichen Rücksicht auf die Veränderung, welche in den socialen und wissenschaftlichen Zuständen der Juden vorgegangen, eine segensreiche Wirksamkeit geschaffen werden, ohne die st a t u arischen Bestimmungen, oder auch die von demselben übernommenen Verpflichtungen für die Gedächtnißfeier der verstorbenen Mitglieder zu alteriren." Hiermit verbinden wir die Bemerkung, daß das Beth Aamidrasch ein uraltes Institut ist und eine Reorganisation desselben am 1. Adar 5528 (1764) stattfand. 76 Mitglieder wurden damals als Beitra.zgebende bezeichnet. Unter denselben befand sich MoseS Mendelssohn und viele Persönlichkeiten, deren Nachkommen noch heute eine höchst geachtete Stellung einnehmen. Die Ermittelung der deutschen, besonders der späteren Familiennamen verdanken wir der gefälligen Mittheilung des gelehrten Herrn L. Landshulh. Posen. Eine edle Frau ist dahingegangen; Frau Leah Landsberg ist uicht mehr. Sie war die Gattin des in allgemeiner Achtung stehenden Gottesgelehrten und Banquiers, des Rabbi Moses Landsberg, der seit vielen Jahren die Function eines Dajans in hiesiger Gemeinde, sowohl während der Zeit des besetzten, als auch gegenwärtig des unbesetzten Rabbinats in altherkömmlicher Weise und zwar honoris causa rühmlich verwaltet. Ihr Urahn war der sogenannte vmp Märtvrer 2'b nn« i"-nnn jsjn-n *>nn :nn, dessen bereits Moses Mendelssohn in seiner berühmten Vorrede zu Manasse ben Israels „Die Rettung der Juden", S. 15, mit besonderem Lobe Erwähnung thut. Ihr Vater war ein großer po1? und und ihre Mutter konnte mit Fug und Recht eine Zierde ihres Geschlechts czenannt werden; auch sie hat vor vielen Jahren bei ihrer» Tode den gebührenden Nachruhm in diesem £ rgan erhalten, nroa So hehr und heilig aber auch ihre Mutter war: ebenso war ihre, in jeder Beziehung ihrer würdige Tochter, so daß, wollten wir ihre rühmlichen Thateu alle aufzählen, wir befürchten müßten, weit die Grenzen dieses Blattes zu überschreiten. Es sei uns demnach nur gestattet, diese wenigstens zu skizziren. In ihrer stillen, zurückgezogenen Häuslichkeit war sie eine emsige und rüstige Hausfrau, die auch vermöge ihres reichbegabten Geistes ebensowohl in dem

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