Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1869)
- Date
- 1869-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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678 svrinat, ist die: die Orthodoxie halte das Judenthum mit den Werken des -latzbi Joseph Karo und des Rabbi MoseS Jsserles Ir abge,chloffeu. Triumphirend weist man dann auf das Thörrchte dieser Meinung hin. Bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts der gewöhnlichen Zeitrechnung soll dre jüdische Religion entwickelungsfäh'ig gewesen.und da soll sie plötzlich starr geworden sein! BrS zu jenen beiden Männern habe man ändern, reformiren, zusetzen, abnehmen dürfen nach Herzenslust -- und diese beiden Herren hätten plötzlich das srrsch pulstrende Leben erstarren lassen! In der That, wer solches meint, muß ein Thor sein, und der große Philipps on, der siegreich in der Rr. 33 semer Zeitung unö diese Meinung aufoctroyirt, hätte das Recht, vornehm gelehrt auf unS herabzuschauen. Run ist aber kein orthodoxer Jude auf dem weiten Erdenrunde so dumm, eine solche Meinung zu haben, und es gehört die ganz horrende Ignoranz eines Phmppson bazu, auch nur zu meinen, daß baS die Ansicht der gesetzestreuen Juden sei. Nur wer Talmud und Codices lediglich vom Hörensagen kennt, kannve^ meinen, daß Überzeugungen eue Israeliten so lächerlich dumm sein können. Wir wolle» in Nachstehendem entwickeln, wie der alallbenS - und gesetzestreue Jude über unsere heilige DrE^tnd deren Verhältniß zu der Gegenwart denkt. fchriftrn sur ewrge, unabauderlrcke; aber nicht seit Joseph Karo und Moses Jsserles, sondern seitdem sie Gott dem Moses ben Amram und mit ihm dem ganzen Volke Israel offenbart hat. Von der schriftlichen Lehre, die in den fünf Büchern MoseS enthalten ist, kann hier nickt die Rede ftin. Selbst Herr Philippfon wird nicht solch' ein Ignorant fern, zu vermeinen, Joseph Karo und Moses Jsserles hätten irgendwie Einfluß auf dieselbe genommen. i die mündliche Lehre betrifft, so haben wir berstts oben bemerkt, daß wir sie in gewisser JO? ^geschloffen halten seit den Tagen!^^I^I^nbarung, in gewisser Beziehung aber auch nicht. Wir werden das näher erklären; im Voraus wollen ww jedoch gleich bemerken, daß Rabbi Joseph Karo^ und Rabbi MoseS Jsserles hiebei ebensowenig obe^ «ach ebensoviel in Betracht kommen Wie Rabbi Jizchak Faßl und Maimonides oder wie Rabbi Akiba - Eger und Rabbi Moscheh Sopher. Insoweit die RWKiftjW * S'uuZTm jMfbwert st- »tg-schloffm ist, ist st- -» feit der Osftnbärung gewesen. " L-ht-r Nicht» als d-r B^Wst^"' schrlstliche Lehre Als Gott die Thora gab, fügte er dem Niedezuschreibenden eine mündliche Belehrung, Ktärun, Auseinandersetzung bek. Von Seiten des hohen Lerer-, von Seiten des akkmächtigen Gottes war k mündliche Lehre ebenso vollständig und abgeschloffe wie die schriftliche; auch von Seiten des grozer Schülers, der sie zu empfangen gewürdigt wurde, wr Seiten Moscheh'S, unseres Lehrer». Aber schon nit Josua machte sich die Unzulänglichkeit der menschliöen Natur geltend. rua'^n »jm ywirp ’JD ,nmn rw» Wenn Moscheh der Sonne glich, die ihr Lhr unmittelbar von Gott erhält, so glich Josua nur dm Monde, der sein Licht erst durch die Sonne empfäist. Gott hat die ganze Thora, die schriftliche wie ie mündliche Lehre, offenbart, Moscheh hat die gaze Thora, die schriftliche wie die mündliche Lehre, erpfangen, und insofern ist die Gottestehre a»- geschlossen und ihre Vorschriften sind mveränderlick, ewig. tenrV? p'm i^bn Tnyty!5 nsyo vap bvn. „Was immer auch ein geistvoller Sch - ler künftig in der Thora Neues zu finden vermeir, das Alles hat (wenn eS auf Wahrheit beruht) fchn Moscheh von Gott empfangen. t I Mein, onam »s , btc mundl che Lehre ist, trotzdem sie später in Mischnah und Gemara niederaelegt worden, stets eine mündliche geblieben; m;» auch nicht m den lrche Lamdon hat das Recht, auf die Quellen zurückzugchen und eine religiöse Entscheidung gegen die eine oder andere im Schulchan Aruch von R. Jos. Karo oder R» M. Jsserles niedergelegten Ansichten zu treffen. Wer w rd z. B. dem Rabbi Jecheökel Lanbfru, der dreihundert Jahre nach den Genannten lebte, bmen Borwurf daraus machen, daß er gegen den Entscheid des R. M. Jsserles erlaubt, in einer Stadt einen Scheidebries zu schreiben, die nicht an zwei Flüssen liegt? Während wir au diesem Aufsatze arbeiten, wird uns eine Gans gebracht, deren Leber einen schwarzen Flecken hat, aus welchem Blut hervorstreßt («di 'ao -mp nmn ^2« piD'J ™ n™ Wir elitären dieMv obne Bedenke» gjr iw obgleich sie R. Mosch. Jsserles (Jo- A Deah 41, ,) für .->kn-,v hält. Wir könnten drck Beispiele noch vielfach vermehren; doch sie mögen geigen, um zu beweisen, daß die Thora nicht mit 9t Jos- Karö und R. M. Jsserles abgeschlossen ist. , ^FIdeftoweniger ist die Thora durchaus nicht der Willkür Einzelner preisgegeben. Die mündliche Lehre ist eine ununterbrochene Kette der Ueberlieferung von Moscheh Rabbenu an brs auf unsere Tage. 1 Lehrer Moscheh eröffnete, dch! nicht er dre Kinder JSräel in daS heilige Land führen