Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1867)
- Date
- 1867-10-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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755 damals alle Gemüther befangen hielt, war doch der Schmerz und die Trauer eine allgemeine. Am Abend war der noch rüstige, in der Blüthe der ManneSjahre flehende Verblichene noch im Beth-Hamidrai'ch, wo er täglich fernen bestimmten Tchiur lernte und —4 Stunj den später war er eine Leiche. Es ser mir gestattet, obzwar ich dem Verbliche-! men nur ferne stand, den Lesern des „Israelit" j die mir bekannten Lebensumstände des Mannes vori zuführen, der auch ihnen zuweilen durch >ünes Geistes Products manche heitere Stunde bereitet hat. Jo'ef Rawicz wurde 1814 zu Posen geboren und von frommen Eltern, wie dies noch in jenen Tagen Sitte war, schon in seinen frühesten Jugendjahren auf die Jeschiba des sel. R. Akiba Eger geschickt. Dort erregte der Knabe durch seinen Scharfsinn und durch feinen Fleiß bald allgemeines Aussehen und erfreute sich noch lange der desondern Gunst seines würdigen Lehrers. Da jedoch seine Eltern in guten j Verhältnissen lebten, so widmeten sie ibren Sohn dem > Geschäfte. Auch hier vergoß Rarmcz nie, täglich seinen Schiur Kebua zu lernen. Später verheirachete! er sich und zog nach Breslau, wo er bis an sein Le-; bensende seinem Geschäfte und seinen Studien lebte. ) Was Josef Rawicz war und was daS Juventhum j an ihm verloren bat, zu schildern. ist eines würdige-! ren Griffels als des meinen wertst. Nur so viel sei j gesagt. solche Männer wie der Verblichene, hat das Judenthum leider nicht mehr viel zu verlieren! Es j beschleicht mich jedesmal ein Gefühl von W.hmuth, j wenn sie anen solchen Mann, der dem Judenthume! Mit Leib un Seele angehangen, zu Grabe getragen, j Es ist mir, als ob ein Stück jüdischer Geschichte mit in's Grab gelegt würde. Und wo sind die Nachfolger solcher Männer? wer soll ihre Stelle in der Gemeinde ausfüUen? Etwa ihre Kinder —-die meist en- IheilL leider balv nach dem Todesjahre ihrer Eltern der väterlichen Religion den Rücken kehren? Möchte doch der Todesfall dieses Mannes die Männer in Israel, die da noch wanken und zagen, durch sein schreckliches rnevaeutv mori wachrufen und ihnen zurufen: Erwachet, ihr Träumer, aus eurem Erdenschlafe und kehrt zurück yU eurem Gotte, , von itjidn die Männer der Religion und des Glaubens streben dahin, tretet an ihre Stelle, damit sich der schöne Spruch unserer Weisen erfülle: „Wie die Sonne untergeht und wieder ausgcht, so wechseln die Frommen im Leben ab und bevor die Sonne MoseS unterging, : fing schon die Sonne Josua's zu leuchten an, und als j die Sonne Eli's sich neigte, stieg die Sonne Samuels! wieder auf". Auch am Lebenshimmel unseres Volles .sind Saunen erloschen, Monde in ihrem Glanze erblaßt; so lasset all* ihr Mische» Eltern, Lehrer und Erzieher, in den -Seelen unserer Kinder neue anzünden; such Tugendhelden gefallen. so laßt uns in den Seelen unserer Kinder neue anschaffen, damit auch sie den erhabenen Idealen vollendeter Religiosität, wie der Verglichene sie besaß, nachstreben und nacheisern. Du aber, verklärter Geist, der du angelangt bist am Ziele aller Sterblichen, ziehe hin in Frieden in die Edenshallen, die dir offen sichen, in die Reiche des Glücks und Segens, die du dir erworben; dort wird der Weltenherr mit den Kronen der Unsterblichkeit und des ewigen Glückes dein Haupt zieren "pna “)pns. Dort wird deine Zedaka vor dir einhergehen “)öd&o •"! “tUD’i und Gottes Herrlichkeit dich empfangen. rDyjn Rcbbmalscand. Karpeles. Lesterreichischer Kaisers-aut. Wien. Der hiesige Advokatursconcipient Dr. David Treves, Sohn eines verstorbenen Lriester Rabbiners, wurde von Herrn Baron Lyonel Rothschild als Seecetär des hiesigen italienischen Generalconmlais angeftellt. F e u i 11 e t o n. Ies Königs tzidaw. (Schluß.) XVII. Welche Feder wäre wohl im Stande daS Entzücken des Vaters zu schildern, daß er nicht allein die veiiorengeglaubte Tochter wiedergefunden, sondern noch mehr, daß er sie so wiedergefunden, sie, in Wahrheit eine zweite Esther, auf die ihre ganze Nation stotz zu sein Ursache hatte! Gott, der Vater der Waisen, hatte sich des verlorenen Kindes angenommen und es an der Stelle des leiblichen Vaters erzogen. Was er damals an der Brandstätte des Jagdschloffes, in der Fülle de- Leides, in frommer Ergebung gesprochen: „Gerecht ist Gott in allen Seinen Wegen und liebevoll in allen Seinen Thaten J* — das hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes, schon dem menschlichen Auge erkennbar, bethätigt. Hatte doch der Vater von Räubern gefangen werden, in dem Hauptmanne den Gespielen seiner Kindheit erkennen müssen, um dadurch, daß er den hartherzigen Räuber in eine wehmüthig weiche Stimmung versetzte, ohne sein Wiffen sein Kind vor Schanoe zu bewahren! War doch an der hilflos im Walde zurückgelassenen Tochter in Erfüllung gegangen die Verheißung des Propheten Jesajah: „Und es werden sein Könige deine Äzieherl" — Was Alles hatten Vater und Tochter einander zu erzählen! Wie hatte sich doch der Mutter letzte Verheißung erfüllt, wie Schweres war ihnen beschießen worden! Aber Gott hatte Seinen Engel gesandt, 2m» Vater und Tochter pi retten und pt schützen und sie jetzt wieder Mammen zu führen! Und Esther?