Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1865)
- Date
- 1865-08-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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441 len ermächtigt ist, nur die Note des k. spanischen Ministeriums des Aeußern erwähnt, daß die spanischen Consulcn im Auslande berufen sind, in Eheangelegenheiten der spanischen Angehörigen im Auslande dieselbe Intervention auszuüben, die in der Halbinsel durch die Richter erster Instanz bei Minderjährigen und im Falle des Nichtvorhandenseins des Vaters, der Mutter oder der Großeltern in der Weise ausgeübt wird, daß sie im Vereine mit dem Tcftamentscurator und mit dem zusammenberufenen Rathe der Verwandten ihre Einwilligung zur Ehe zu ertheilen haben. Dieses Jntimat wurde den Seelsorgern aller Consessionen mitgetheilt. Wien, Ende Juli. Auf dem Gebiete unseres culluellcn und Gemeindelebens herrscht gegenwärtig ein Stillstand, der nicht sonderlich geeignet, der jüd. Journalistik für ihre Thätigkeit dankbaren und ergiebigen Stoff zu liefern. Die politischen Bewegungen, die für die nächste Zukunft schon die staatliche Neugestaltung unseres Kaiserstaates in so unverkennbarer Weise signalisiren, lasten für den Augenblick alle sonstigen Interessen in den Hintergrund treten. Mit welcher Spannung auch die israel. Bevölkerung Oesterreichs einer gänzlichen Metamorphose der bisherigen Verfassung entgegensieht, braucht wohl nicht erst genauer bezeichnet zu werden. Es dürste mithin vollkommen genügen, so ich Ihnen sage, daß die Judenheit Gesammtösterreichs von diesen Umwandelungen nichts Geringeres erwarte, denn ihre — vollständige Emancipation. Möge diese allerdings berechtigte Hoffnung nicht neuerdings als eine leere, illusorische sich erweisen! Für den Fall einer günstigen Erledigung unserer Angelegenheit jedoch möge man allenthalben überzeugt sein, daß die erfreuliche Wendung der Dinge bei weitem nicht als Errungenschaft der neuzeitlichen cultuellen Reformen, wie diese unter dem österr. Israel leider nur zu sehr Platz gegriffen, oufzufasten sei. Wir müssen dies rechtzeitig constatiren, da bei der dermaligen factischen Begriffsverwirrung, wie dieselbe von unserer reformistisch-jüdischen Presse mit beispiellos löbl. (?) Eifer in Permanenz erhalten wird, hie und da manche Schwachköpfe wirklich zu der irrigen Annahme verleitet werden könnten, als wäre die social politische Gleichstellung der Juden in der That blos mittels Choralgesanges und Orgelklanges, mittels Amalgamirungs-, Afftmtirungs- und sonstigen zeitgemäßen (?) Bestrebungen erreichbar. Nein! Diese Behauptung wäre mit all ihren schädlichen Consequenzcn eine durchgehends irrige, bodenlose. Wie immer, ist's auch diesmal die unsichtbar waltende Gotteshand, die in den Lauf der anstürmenden Zeitereignisse mächtig eingreifend — diese nach der unersorschlich tiefen himmlischen Weisheit gestaltet, umgestaltet, neugestaltet. Jüngst brachte der „Israelit" einen Artikel aus Stuhlweißenburg, der eine Apologie des sel. Rabbi Moses Sofer gegen die bübisch-hämischen Angriffe des „B. CH " zum Gegenstände hat. Ich gestehe es Ihnen gern, daß ich zu wieoerholtenmalen gesonnen war, mich über diesen unliebsamen Punkt offen auszusprechen. Doch habe ich mich bald überzeugt, daß es füglich am zweckmäßigsten sein dürfte, das ^lächerliche Gebühren des ung.-jüd. Blättchens mit verächtlichem Stillschweigen zu übergehen. Was wurde denn auch im Grunde vom „V. CH." argumentirt? Durch die ganze heillose Polemik sollte blos der Beweis geliefert werden, daß der selige Sofer denn doch nicht — unfehlbar gewesen! Höre Israel! Eine Entdeckung von welthistorischer Bedeutung wird in dem sogenannten „jüdisch-theologischen Wochenblatte" mitgetheilt: Der selige Sofer war blos ein Mensch und konnte mithin als solcher auch — irren! — Sonderbar — als wäre im Judenthum je irgend welcher Person die Kraft der Jnfallibilität vindicirt worden! Der bibl. Grundsatz: 'inx, wonach die Ansicht auch des Größten in Israel dem Ausspruche der Majorität unbedingt weichen muß, scheint kaum für eine derartige Annahme zu sprechen. Wenn Schamai und Hillel, wenn Abaja und Naöa, wenn Nabina und Rab-Aschai 2c. 2c. mit und unter einander in halachische Streitigkeiten gerathen — beweist dies etwa nicht zur Genüge, daß Meinungsdifferenzen in Israel von jeher stattgefunden und sohin von einer Unfehlbarkeit nicht die Rede sein könne? — Wahrlich, wen:: l)r. Luther seiner Zeit Mühe hatte, eine ähnliche Behauptung gegen das Oberhaupt der katholischen Kirche durch unumstößliche Beweise zu erhärten, so bedarf eine Zumuthung dieser Art Rabbr Moses Sofer, dem '22 bü gegenüber — auch der geringsten Beweisführung nicht. Neuhaus. Nicht selten wurde in der neuen Zeit sowohl von Laien als auch von den sogenannten Geistlichen die Behauptung ausgestellt, daß die Juden deßhalb von den Bekennern der andern Consessionen gehaßt werden, weil die mosaische Religion dem wahrhaft gläubigen Juden verbietet, mit den Christen ans einer Schüssel zu speisen, mit ihnen sich zu verschwägern u. s. f. Daß diese Ansicht falsch ist, bedarf wohl keines Beweises, Thalsachen sprechen dafür. Nachstehendes Ereigniß wird dies noch mehr erhärten und beweisen. Herr B., Bürger und Tnchsabritant hier, hat es an Nichts fehlen kaffen, um die Achtung seiner christlichen Mitbürger zu verdienen, und zur Ehre der Stadt sei es gesagt, sie hat ihm diese auch nicht vorenthalten. Ob Herr B. sich soweit emancipirte, daß er an den christlichen Tafeln die christliche Kost sich schmecken ließ, wollen wir dahingestellt sein lassen; gewiß ist es, daß starres Festhalten an der Väter Sitte ihm nicht zum Vorwurf (?) gemacht werden kann.