Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1865)
- Date
- 1865-08-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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442 Wohl hat dessen Vater, gegenwärtig in Wien, viel für den jüdischen Cultus Ln Neuhaus gethan, er hat ein in der Stadt ihm gehörendes Haus zu einer Synagoge einrichten lassen, ohne ein Entschädigung dafür von den Mitgliedern zu fordern, er hat auch einen Friedhof bauen lasten rc.; in menschenfreundlicher Beziehung aber hat er nie emen Unterschied der Confession gemacht; ja, die Zahl der Christen, die er in wahrer Menschenliebe unterstützte und noch unterstützt, dürfte sich höher beziffern als die der Juden. Sein Sohn, der jetzige Inhaber der Fabrik, tritt ganz in die Fußtapfen seines geachteten Vaters; auch er achtet in jedem Menschen das Ebenbild Gottes; auch er macht bei Spendung milder Gaben keinen Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Bedürftigen. Am Auffallendsten zeigt sich Herr B. bei der Besetzung seines Dienstpersonals. Die Werkführer-, die Buchhalter-Stelle rc. ist einem Christen übertragen. Ob Herr B. den Christen eine Concession damit machen will, oder ob er keine geeigneten Juden findet, wissen wir nicht. Daß dieser Liberalismus aber nicht vor Judenhaß schützt, diese traurige Erfahrung hat Herr B. dieser Tage gemacht. Sein Buchhalter besuchte, während er von der Arbeit ausruhte, eine Bierhalle, in welcher mehrere Gäste sich den Gerstensaft wohl schmecken ließen. Er gesellte sich zu ihnen, trank mit ihnen, und aus Dankbarkeit, daß die Gäste ihn bereitwillig in den Trinkbund ausgenommen, faßte er den Entschluß, dieselben zu unterhalten. Welches Thema, dachte sich der Buchhalter, kann wohl mehr Lachstoff bieten, als Judenschimpsenl und da er kein orientalisches Gesicht in der Halle bemerkte, zog er nach Herzenslust über die Juden los, höhnte und verspottete sie auf die brutalste Weise. Um die Lachlust seines Auditoriums zu steigern, nahm er ein Zeitungsblatt in die Hand, stellte sich in declamatorische Positur und wollte einen zeitungslesenden Juden copiren. *) Unser Held hatte sich nicht getäuscht, der Erfolg war ein glänzender, ein Treumann hätte sich ihn nicht bester wünschen können, hüben und drüben wurde gelacht. Schon erhob sich manche Hand zum Applaudiren, schon wollte man im Chor cka caxo rufen; da ließ sich plötzlich eine Stimme, von der man am Wenigsten erwartet hätte, daß sie die eines Juden wäre, hören — es war zufällig ein Geschäfts - Reisender anwesend, der davon Kenntniß hatte, daß der Stegreis-Komiker bei Herrn B. bedienstet ist: — „Sie treuloser Diener, Sie wagen es, eine Neligionsgenossenschaft zu verhöhnen, die von Sr. Majestät anerkannt ist/ Sie lasten Sich von Ihrem Herrn füttern und machen sich über ihn lustig! Dieser Spaß soll Ihnen theuer zu stehen *) Nickt nur Herr B., die meisten Juden in Neubaus versieben einen Zeitungsartikel besser zu lesen und zu beurteilen, als der bock'gelahrte Herr Buchhalter. kommen; wer zuletzt lacht, lacht am besten." Hiermit war die Posse zu Ende. Herr B., hievon in Kenntniß gesetzt, entließ nach 24 Stunden feinen Buchhalter, und der Arme hat nun Zeit, darüber nachzudenken, welche Bühne er mit seinem Heiman-Talent beglücken soll. — Unsere Absicht bei Veröffentlichung dieses Vorfalles geht nicht dahin, die jüdischen Fabrikbesitzer aufzufordern, keinen christlichen Beamten anzusiellen; wir wissen es, daß es ein großes Unrecht wäre, wenn wir für den Fehler eines Einzelnen die Gesammtheit verantwortlich machen wollten. Wir wollten nur unsere von Gott geoffenbarte Religion von dem im Eingänge erwähnten Vorwurfe reinigen, wir wollten beweisen, daß das Genießen verbotener Speisen, das Rauchen am Sabbat kein Amulet gegen Judenhaß ist. Diesen Beweis haben wir geliefert. GoltsH-Jenickau, 16. Juli. Der Morgen des 14. d. M. brachte über unfern Ort namenloses Unglück, indem in 7 Stunden eine Feuersbrunst 36 Häuser einäscherte und 42 Familien obdachlos machte. Die meisten konnten, aus dem Schlaf aufgeschreckt, Nichts als das nackte Leben retten. Unter den Verunglückten sind 25 unserer Glaubensbrüder mitbetroffen. Frankreich. Paris. Der Herr Oberrabbiner Isidor, die Rabbinatsassefforen und der Director des Seminars haben folgendes Circular veröffentlicht: „Theure Glaubensgenossen! Der sel. Oberrabb. Ullmann, dessen Andenken unaufhörlich in unseren Herzen leben wird, hat es verstanden, stch im Leben vorteilhaft auszuzcichnen durch sein Wissen, seine Werke und hauptsächlich seine großen Tugenden. Es ist daher unsere Pflicht — eine Pflicht, welche von allen verstanden und geliebt wird — ihm ein Denkmal zu errichten, welches seine Stelle auf dem Felde der Ruhe auszeichne und auf die Nachwelt diesen geachteten und verehrten Namen übertrage. Ohne Zweifel wäre es nicht recht, dem Verewigten Ehren aufzuerlegen, die er während seines Lebens floh; deßhalb soll dieses Denkmal einfach und bescheiden, aber paffend und würdig des von uns Beweinten sein. Wir unsererseits zahlen einen Tribut unseres Lobes und Beileids, eine heilige Schuld dem Andenken dieses ausgezeichneten Hirten, welcher der Ruhm des französischen Nabbinenthums war, und dessen Nennung allein schon hin reichen wird, um die edelsten Tugenden ins Gedächtniß zurückzurufen. Zu diesem Zwecks nun eröffnen wir eine Collecte im Schooß unserer Gemeinde, wo seine sterblichen Ueberreste ruhen, im Schooß der französischen Synagoge, deren verehrtes Haupt er war, und wir sind der festen Ueberzeugnng, daß alle unsere Glaubensgenoffen, Je-