Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1861)
- Date
- 1861-04-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Gedanken prüft und kennt, daß ihm bei Abfassung dieser Schrift jede Absicht, die Tradition zu untergraben oder in Llbrede zu stellen fern lag. Wir glauben das Herrn Fr. gern, ja, wir müssen aestehen, daß uns dieser Passus im Sendschreiben des Herrn Fischer, dem Fr. damit entgegentritt, sehr, sehr unangenehm berührt hat; haben wir doch auch bereits die Art und Weise des Angriffs mißbilligt. Der Verfasser des „Darke Hamischna" mag irren, aber den bösen Willen haben wir in dem gan- und sen zu wollen? Und was hat Herr Fr. in seinem Werke so Großes geleistet, daß er so sehr auf Wissenschaft und wieder Wissenschaft pocht? Er hat mit großem Fleiße und anerkennenswerther Uebersichtlichkeit Notizen über die Tanaim und ihre Aussprüche gesammelt, hat hie und da wohlseile Necensionen eingestreut und ebenso wohlfeile Kritik geübt, hat Grundsätze (2^2) über das Verfahren von Hill et und Schammai und deren Schüler, von R.Akiba und N. Jsmael, von N. Meir und R. Jehuzcn Werke nirgends gesunden, und deßhalb unter- > dah.w. ausgestellt, von denen sich mit demselben schreiben wir auch ferner gern des Verfassers Be-! Rechte gerade das Gegentheil behaupten ließe, hauptunz, daß jede Seite die tiefste Verehrung für ' von denen die Ausnahmen meistens so häufig sinb die mündliche Lehre athmet. Aber um das Alles handelt es sich hier nicht; es handelt sich vielmehr darum, ob Herr vr. Frankel den göttlichen Ursprung der Tradition anerkennt und darüber spricht sich auch „die Erklärung" nicht aus, und das ist sehr, sehr zu b cd au ein. Auch diese ist gewunden, und läßt, wiewohl in deutscher Sprache geschrieben, die vielseitigsten Erklärungen zu. Die jüdischen Feinde des Jndcnthums haben bereits jubelnd in Fr. den Bundesgenossen begrüßt und im Ven Chananjah wurde, nachdem erst weidlich auf Hirsch geschimpft worden, die Behauptung ausgestellt, daß sich Hirsch gegen Frankel aus demselben Standpunkte befinde, wie dereinst N. Akiba Eger gegen Geiger. Wenn es Fr.'s Ehrgefühl nicht erlaubt, aus die Angriffe H.'s und F.'s zu erwidern, warum tritt er den Behauptungen derer nicht gegenüber, die sich seine Freunde neunen und für ihn Partei ergreifen? Herr Fr. behauptet ferner, die unverkennbare Tendenz seines Werkes sei, den tieferen wissenschaftlichen Gehalt der Mischna und ihr hohes Mer nachzuweisen. Herr Fr. ist in einem Anschaunngssind als die Regel und das ist nun das Ergebniß der gerühmten Wissenschaft, solcher Wissenschaft, die das Studium nicht fördert, sondern verwirrt. — Was soll es ferner heißen, „das hohe Alter der Mischna nachznweisen." Meint Herr Fr. das Alter der äußern Form, der Nedaction, so eristirt diese ja, wie allbekannt, seit Rabbi oder N. Akiba, meint er aber das Alter dcS Inhalts, der Halacha, so ist dieses so groß wie da? der Thora überhaupt, und trägt diese Erklärung wiederum nicht wenig dazu bei, das Urtheil über den Standpunkt des Verfassers zu verwirren; denn es ist nicht denkbar, daß Herr Fr. wirklich meint, die religiöse Praxis sei erst mit dem in der Mischna genannten oder ungenannten (N. Meir) Träger der Halacha ins Leben getreten. Haben doch selbst die Propheten nichts Neues schaffen dürfen! Herr Fr. entschuldigt sich, er habe nicht über Dogmatisches zu sprechen gehabt. War es denn so schwer, die fünf Worte an die Spitze seines Werkes zu stellen: '^'22 202^ 2'bwV 1^2, und warum vermag cs Herr Fr. nicht über sich zu gekreist besangen, aus dem er nicht heraus kann. Jedes I wiunen, sie noch nachträglich in seiner Erklärung seiner Worte verrätst diesen, ihm selber unbewußt. Was heißt das, der tiefere wissenschaftliche Gehalt der Mischna? Ist der Inhalt der Mischna von Gott geoffenbarte Tradition, so ist eben der gesanlmte Inhalt derselben der tiefste wissenschaftliche Gehalt, der denkbar ist 2'n '^2-. idm Nur bei ' 'einem Sammelwerk menschlicher Satzungen hat die ''obige Phrase einen Sinn — oder ist es je einem auszusprechcn? — Somit ist durch die erwähnte Erklärung Nichts gewonnen und die Frage bleibt leider eine offene: Was hat das Jndenthum von den Zöglingen dcS Breslauer Seminars zu hoffen oder zu — fürchten? — Die in diesen Blättern bereits angekündkgte Beurtbeilung der Hodegetik von Herrn I)r. Auerbach in Frankfurt a. M. haben wir noch nicht er- ' gläubigen Christen in den Sinn gekommen, de»! halten; wir werden später darauf zurückkommen. — ' tieferen, wissenschaftlichen Gehalt der Bibel nachwei- I And nun haben wir noch einige Worte tnit